VfB Stuttgart im Abstiegskampf Die Gründe für die Formkrise von Sasa Kalajdzic

Sasa Kalajdzic sucht seit Wochen seine Form. Foto: dpa/Tom Weller

Der Mittelstürmer des VfB findet beim 1:1 gegen den VfL Wolfsburg wie schon in den vergangenen Wochen kaum Bindung zum Spiel. Was sind die Ursachen der Torflaute des Stuttgarter Hoffnungsträgers?

Sport: David Scheu (dsc)

Es war Ende Februar, als Pellegrino Matarazzo eine ziemlich konkrete Prognose wagte. Sie bestand aus zwei Teilen. Zum einen gab sich der Trainer des VfB Stuttgart überzeugt, dass sein Team auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen werde. Zum anderen hatte er auch schon den Schlüsselspieler auf dem Weg dorthin im Kopf. „Sasa weiß“, sagte Matarazzo damals, „dass er unser Stürmer ist, der uns zum Klassenverbleib schießen wird.“

 

Lesen Sie aus unserem Angebot: Newsblog zum VfB Stuttgart

Nun hat besagter Sasa Kalajdzic seitdem einige starke Auftritte hingelegt und auch wichtige Tore erzielt. Den Siegtreffer gegen Borussia Mönchengladbach zum Beispiel oder den späten Ausgleich bei Union Berlin. All das aber liegt mittlerweile schon einige Zeit zurück. Seit Wochen müht sich der Österreicher im Sturmzentrum um Bindung zum Spiel, die er am Samstag beim 1:1 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg aber noch weniger fand als zuletzt. Die Statistik jedenfalls spricht eine klare Sprache: Keinen Torschuss gab Kalajdzic über 90 Minuten ab, nicht einmal eine Torschuss-Vorlage war dabei.

Kalajdzic´ wichtigster Vorlagengeber sucht ebenfalls seine Form

Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass ein Mittelstürmer nie im Alleingang treffen kann. Er ist in besonderem Maße davon abhängig, wie ihn seine Mitspieler mit Bällen und Vorlagen füttern. Kalajdzic’ Krise ist deshalb in Teilen fraglos eine Krise des gesamten Stuttgarter Offensivspiels. Gegen die Wölfe gelang es dem VfB wie schon in der Vorwoche gegen Hertha BSC nicht, sich eine nennenswerte Zahl guter Abschlusspositionen herauszuspielen. „Es fühlt sich immer so an, als müssten wir uns jedes Tor hart erarbeiten“, sagte Kalajdzic nach Abpfiff.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: VfB im Abstiegskampf: Die neue Realität heißt Relegation

Hinzu kommt: Kalajdzic’ wichtigster Vorlagengeber sucht seit Wochen ebenfalls seine Topform. Borna Sosa flankt auf der linken Außenbahn zwar so regelmäßig wie eh und je, aber längst nicht in der gewohnten Schärfe und Präzision. Aus Matarazzos Sicht ist das keine Überraschung – er verweist auf die Adduktorenprobleme, die der Kroate seit Wochen mit sich herumschleppt: Sosa habe zuletzt den Trainingsumfang zurückfahren müssen, um überhaupt fit für die Spieltage zu werden. Von Sportdirektor Sven Mislintat gab es deshalb ein explizites Lob: „Borna beißt gerade richtig auf die Zähne, das rechnen wir ihm ganz hoch an.“

Lesen Sie aus unserem Angebot: Was wird aus Pellegrino Matarazzo?

Kalajdzic alleine die derzeitige Torflaute anzulasten würde also zu kurz greifen. Allerdings waren es in der Vergangenheit ja nicht nur die Tore, die ihn für den VfB so wertvoll machten. Immer wieder schirmte der Zwei-Meter-Mann mit dem Rücken zum Tor den Ball geschickt ab – und gab seinem Team so die Chance, nachzurücken und in der gegnerischen Hälfte in Ballbesitz zu bleiben. Gegen Arminia Bielefeld zum Beispiel, als Kalajdzic die Chipbälle reihenweise ansaugte und weiterverteilte.

Kalajdzic hat weiter die Rückendeckung der Verantwortlichen

Irgendwann danach ist ihm aber diese Stärke abhandengekommen. Am Samstag gegen den VfL Wolfsburg hatte Kalajdzic die wenigsten Ballaktionen (34) aller VfB-Spieler, die über die volle Distanz auf dem Feld standen. Und präzise waren die vereinzelten Pässe auch nicht: Nur 62 Prozent fanden den Mitspieler, was den Negativwert innerhalb seines Teams bedeutete.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Kommentar: Den VfB-Spielern schlottern die Knie

Trotz allem genießt Kalajdzic weiter die Rückendeckung der Verantwortlichen, die seinen Einsatz im Spiel gegen den Ball loben. „Sasa hat gearbeitet und ist gelaufen“, sagte Trainer Matarazzo. Dass Kalajdzic mit dem Ball wenig zustande brachte, habe indessen auch am Gegner gelegen. Genauer an den beiden Wolfsburger Innenverteidigern John Anthony Brooks und Maxence Lacroix. „Das ist ein absolutes Prunkstück“, sagte Sportdirektor Mislintat, „es sind schon zwei der Topjungs in der Liga.“

Allerdings ist in dieser Hinsicht kaum weniger Gegenwehr zu erwarten in den finalen beiden Duellen mit dem FC Bayern und dem 1. FC Köln, deren Defensivreihen Kalajdzic bei der Ballannahme ebenfalls aggressiv unter Druck setzen dürften. Der Stuttgarter Mittelstürmer wird sich also deutlich steigern müssen, wenn er für den VfB im Abstiegskampf noch zum entscheidenden Akteur werden will. Nur dann könnte Matarazzos Prognose doch noch eintreten.

Weitere Themen