Simon Terodde hat Spaß an der neuen Aufgabe. Der frühere VfB-Stürmer arbeitet jetzt als TV-Experte. Foto: IMAGO/Jan Huebner
Der frühere Torjäger blickt in neuer Rolle auf den Pokalsieger. Dabei redet der Fernsehexperte vor dem Spiel in Bochum über die Erfolgsgaranten des VfB und seine beiden Ex-Clubs.
Mit 37 Jahren hat Simon Terodde einen neuen Berufsabschnitt begonnen. Der Ex-Torjäger arbeitet jetzt als Fernsehexperte und hat sich vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale des VfB Stuttgart beim VfL Bochum an diesem Mittwoch (18 Uhr/ARD) nicht nur zu seinen beiden Ex-Clubs geäußert.
Herr Terodde, haben Sie zuletzt das Spiel des VfB beim HSV verfolgt? Da sind immerhin zwei Ihrer namhaften Ex-Clubs aufeinandergetroffen.
Ehrlich gesagt, konnte ich mir das Spiel nicht vollständig anschauen, da meine Tochter ihren zweiten Geburtstag gefeiert hat. Wir hatten einige Gäste im Haus. Dennoch ist der Fernseher gelaufen. Ich habe die Tore von der Couch aus gesehen und muss schon sagen: das war Wahnsinn. Da hat der VfB in der Nachspielzeit selbst die Chance zum Sieg und geht letztlich in Überzahl als Verlierer vom Platz, weil die Situation mit dem Freistoß nicht gut abgesprochen schien. Das war hart für die Stuttgarter, auf diese Weise noch in einen Konter zum 1:2 zu laufen.
Wie bewerten Sie die momentane Situation des VfB?
Nach wie vor gut. Mit einem Sieg wäre der VfB zwar punktgleich mit Borussia Dortmund auf Rang vier gelegen, aber der sechste Tabellenplatz entspricht dem Leistungsvermögen. Ich schätze die ersten vier Mannschaften in der Bundesliga mit dem FC Bayern, RB Leipzig, dem BVB und Bayer Leverkusen stabil ein. Dahinter kommen der VfB und Eintracht Frankfurt – und diesmal mischt zudem die TSG Hoffenheim mit. Ich denke, beim VfB würden im Augenblick viele Leute den sechsten Tabellenplatz am Ende unterschreiben.
Und nun sind die Stuttgarter im DFB-Pokal gefordert – beim VfL Bochum, für den Sie auch schon Torschützenkönig in der zweiten Liga geworden sind.
Ja, ich habe mich über die Auslosung gefreut, zumal ich als Zweitliga-Experte zuletzt wieder häufig in Bochum war. Die Mannschaft, die Fans und der ganze Club hatten nach dem Abstieg aus der Bundesliga zu Saisonbeginn schon mit den eigenen Erwartungen und den mäßigen sportlichen Leistungen zu kämpfen. Da gab es einiges an Theater an der Castroper Straße.
Nun geht es aber wieder aufwärts.
Richtig, mit dem Trainerwechsel hat sich der VfL stabilisiert. Uwe Rösler hat innerhalb weniger Wochen bereits Kultstatus erreicht und passt mit seiner Emotionalität perfekt zu den Bochumern. Auf dem Platz läuft es auch wieder. Das Team hat aus den vergangenen sechs Ligaspielen 13 Punkte geholt und geht mit dem 3:0 aus Fürth gestärkt in die Begegnung mit dem VfB.
Was erwartet den VfB am Mittwochabend in Bochum?
Eine sehr spezielle Atmosphäre im Ruhrstadion – mit Herbert Grönemeyer im Ohr und leidenschaftlichen Fans im Rücken. Das Ganze passiert dann auch noch unter Flutlicht. Zudem verfügen die Bochumer über starke Umschaltspieler wie Gerrit Holtmann. Da wird es wichtig für den VfB sein, wenn Spieler wie Angelo Stiller, Deniz Undav, Maximilian Mittelstädt und Jamie Leweling wieder in der Startelf stehen, da sie die Atmosphäre kennen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass Sebastian Hoeneß diese erfahrenen Spieler, die in Hamburg eine Pause erhalten haben, wieder aufbietet.
Der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß gibt Anweisungen. Foto: Christian Charisius/dpa
Wie nehmen Sie die Arbeit des VfB-Trainers wahr?
Äußerst positiv, nachdem zuvor unter Bruno Labbadia noch Abstiegsangst herrschte. Sebastian Hoeneß hat eine Mannschaft, die am Boden lag, wieder auf die Beine und ins Laufen gebracht. Zudem hat er mit dem Sportchef Fabian Wohlgemuth passende Spieler verpflichtet. Hoeneß hat anschließend aus zuvor weniger beachteten Profis wie Stiller und Mittelstädt Nationalspieler geformt. Auch Undav gehört in diese Reihe. Die Erfolge wie die Champions-League-Teilnahme und der Pokalsieg sind zudem eng mit dem Trainer verbunden. Er kommt dabei sympathisch rüber und ist ein Siegertyp.
Welche Verbindung haben Sie noch zum VfB?
Ich war schon länger nicht mehr in Stuttgart, will das aber möglichst bald nachholen. Auch, um die umgebaute Haupttribüne zu erleben. Grundsätzlich verbinde ich mit dem VfB eine großartige Zeit. Das ging damals schon mit dem Trainingsauftakt in der Vorbereitung los, als mehrere Tausend Zuschauer da waren. Das werde ich nie vergessen. Da habe ich trotz des Abstiegs in die zweite Liga einige Wochen zuvor sofort gespürt, wie groß das Potenzial des VfB ist, aber auch wie groß der Druck, gleich wieder in die Bundesliga zurückzukehren.
Was am Ende der Saison 2016/2017 dank Ihrer 25 Tore geschafft wurde.
Ja, für mich war es der erste Bundesliga-Aufstieg und schon allein deshalb etwas Besonderes. Dazu kam für mich persönlich, dass ich die Nummer neun getragen habe. Denn als Jugendspieler war ich Giovane-Elber-Fan. Ich habe heute noch ein Foto auf meinem Handy mit der Rückennummer neun auf dem VfB-Trikot.
Der Torschütze vom Dienst: Simon Terodde im VfB-Trikot Foto: Pressefoto Baumann
Deshalb eine Frage an den Mittelstürmer Simon Terodde: Was halten Sie von Deniz Undav auf der Neun?
Er kann diese Position auf jeden Fall spielen. Doch mit Ermedin Demirovic in der Spitze und Deniz Undav dahinter würde es ebenso gut gehen. Deniz ist dazu ein starker Typ. Er haut schon mal einen Spruch raus. Das Beeindruckende finde ich dann, dass er liefert – mit Toren und Vorlagen. Ich mag solche Spieler. Deniz traut sich was, bringt eine eigene Note ein und bewegt etwas in einer Mannschaft. Diese Eigenschaften könnten auch der Nationalmannschaft helfen.
Sie selbst waren oft genug in einer Führungsrolle und sind nach dem VfB noch mit dem 1. FC Köln und dem FC Schalke 04 ins Oberhaus aufgestiegen.
Stimmt, in Köln hatten wir jedoch eine so stark besetzte Mannschaft, mit der wir es einfach schaffen mussten. Unter anderen waren Jonas Hector, Anthony Modeste und Jhon Cordoba dabei. Beim VfB und Schalke war es anders. Da waren die Voraussetzungen im Kader nicht so klar. Vielleicht war es aus diesem Grund emotionaler.
Bei den vielen Stationen, die Sie während Ihrer 18-jährigen Profilaufbahn hatten – gibt es für Sie eine Art Heimatverein?
Das ist schwierig zu sagen. Am ehesten wohl Schalke, da ich aus dem westlichen Münsterland stamme. Da gehört Schalke dazu. In Gelsenkirchen hatten wir dann sportlich nicht immer leichte Zeiten, aber es war insgesamt sehr gut. Vor allem mit den Fans, die wirklich ihren letzten Cent für die Königsblauen geben. Auf Schalke hatte ich auch einen wunderschönen Abschied als Spieler.
https://www.youtube.com/watch?v=69HImA3VXjE
Und jetzt arbeiten Sie erfolgreich als TV-Experte für den Sender Sky.
Ja, das macht mir unheimlich viel Spaß, da ich zum einen noch den Rasengeruch in der Nase habe und nah an den Spielern und Vereinen dran bin. Zum anderen bin ich nun jedoch in einer Beobachterrolle und rede über Fußball. Daran musste ich mich in den ersten Wochen gewöhnen. Der Übergang ist jedoch vollzogen. Ich brauche den Druck und den Wettkampf nicht mehr. Das Kapitel, selbst noch einmal zu spielen, ist abgeschlossen.