VfB Stuttgart im DFB-Pokal Zehn Fakten über Eintracht Braunschweig

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Jägermeister als Sponsor, eine Beteiligung am Bundesliga-Skandal und vieles mehr. Eintracht Braunschweig, der Gegner des VfB Stuttgart im DFB-Pokal-Achtelfinale, blickt auf eine große Tradition zurück.

Eintracht Braunschweig gastiert am Mittwoch im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart. Foto: dpa 12 Bilder
Eintracht Braunschweig gastiert am Mittwoch im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart. Foto: dpa

Braunschweig - Wenn der VfB Stuttgart am Mittwoch um 19 Uhr im DFB-Pokal-Achtelfinale auf den Zweitligisten Eintracht Braunschweig trifft, geht es für die Schwaben in ein Duell mit einem der traditionsreichsten Vereine im deutschen Fußball. Wir haben zehn Fakten zu Eintracht Braunschweig, die den Verein so besonders machen.

120 Jahre Tradition: Der Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e.V., besser bekannt als Eintracht Braunschweig oder einfach nur BTSV, wurde am 15. Dezember 1895 gegründet, feiert also heute sein 120-jähriges Vereins-Jubiläum und ist damit etwas mehr als zwei Jahre jünger als der VfB Stuttgart. Außer Fußball und Hockey können die 4.446 Mitglieder (Stand: 11. Dezember 2014) Basketball, Blindenfußball, Fitness- und Gesundheitssport, Handball, Leichtathletik, Schach, Schwimmen und Wasserball, Seniorensport, Steel-Dart, Tennis, Turnen und Wintersport betreiben.

Wappen und Farbgebung: Die Vereinsfarben Blau und Gelb entsprechen den Landesfarben des ehemaligen Herzogtums Braunschweig. Das Vereinswappen der Eintracht durchlief im Laufe seiner Geschichte mehrere Veränderungen. Zumeist bestand es jedoch aus einem an das Braunschweiger Stadtwappen angelehnten roten Löwen auf silbernem Dreiecksschild innerhalb eines runden, blaugelben Wappens. Später hatte das Wappen eine Rautenform. Durch Bestrebungen der Anhänger kam es zu einer Mitgliederbefragung, bei der 2011 55 Prozent für die Wiedereinführung des traditionellen Vereinswappens votierten. So präsentierte der BTSV im März 2012 ein neues, an das alte Traditionswappen angelehntes Vereinswappen, das die Raute mit Beginn der Spielzeit 2012/13 endgültig ersetzte.

Deutscher Meister und Vorreiter

Deutscher Meister: 1967 wurde Eintracht Braunschweig Deutscher Fußballmeister. In der Abschlusstabelle hatte man zwei Punkte Vorsprung vor dem TSV 1860 München. Die Mannschaft bestach vor allem durch eine hervorragende Abwehrleistung, kassierte nur 27 Gegentore und stellte damit einen Bundesliga-Rekord auf, der erst 1988 von Werder Bremen unter Otto Rehhagel unterboten wurde. Im Sommer 1966 hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ noch vorausgesagt: „Die Gefahr, dass die Hanse der Bundesliga-Städte als nächsten Fremdkörper die biederen Braunschweiger abstößt, lässt sich nicht von der Hand weisen. Ihr Ausscheiden käme einer folgerichtigen Begradigung der geographischen und wirtschaftlichen Bundesliga-Grenzen gleich“.

Vorreiter: Entgegen einer weit verbreiteten Meinung war nicht Eintracht Braunschweig die erste Mannschaft, die mit Trikotwerbung auflief, sondern Wormatia Worms in der Saison 1967/68. Der DFB verbot die Werbung allerdings. Eintracht Braunschweig griff die Idee der Trikotwerbung 1973 wieder auf, als die Mannschaft von Jägermeister gesponsert mit Trikotwerbung in der Bundesliga spielte. Allerdings bediente man sich dabei eines Tricks, um das Verbot zu umgehen: Eintracht machte kurzerhand das Jägermeister-Firmenlogo zum Vereinswappen und konnte so „legal“ werben. Dies war zugleich der erste große Auftritt von Günter Mast. Der Wolfenbütteler Kräuterlikörfabrikant begleitete die Eintracht in der Zeit von 1972 bis 1987 als Sponsor und zwischen 1983 und 1986 auch als Präsident. Sein publikumswirksamer Dauerstreit mit dem DFB – er wollte ursprünglich die Mannschaft in „Jägermeister Braunschweig“ umbenennen – verschaffte seinen Produkten in ganz Westdeutschland werbewirksame Schlagzeilen.

Paul Breitner und ein Bundesliga-Skandal

Paul Breitner: Der ehemalige Nationalspieler kam 1977 zu Eintracht Braunschweig und gilt bis heute als spektakulärster jemals getätigter Neuzugang des Vereins. Mit Breitner stieg die Eintracht allerdings in die zweite Bundesliga ab. Breitner hat eher ungute Erinnerungen an diese Zeit. „Schlimm war die Art und Weise vieler Leute, die anscheinend geglaubt haben, mit mir kommt Hollywood zu Eintracht Braunschweig - und die dann gemerkt haben: Da ist nichts, der will im Grunde nur Fußball spielen. Wir haben Dinge erlebt: Man hat uns mit dem Gewehr durchs Wohnzimmerfester beschossen.“ Die Mannschaft und er hätten 24 Stunden unter Polizeischutz gestanden. Für ihn sei es „eine ganz üble Geschichte, ein ganz übles Jahr“ gewesen, gab später zu Protokoll.

Bundesliga-Skandal: Der Bauunternehmer Rupert Schreiner (einst Gönner von Arminia Bielefeld) handelte vor dem Saisonfinale am 5. Juni 1971 mit einigen Spielern der Braunschweiger Eintracht eine Prämie von 40.000 DM aus, die zur Zahlung fällig würde, wenn der BTSV im letzten Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen nicht verlöre. Nach dem Spiel, das 1:1 endete, entzog sich Schreiner zunächst seinen eingegangenen Verpflichtungen. Er wurde jedoch von Eintracht-Spieler Max Lorenz am Flughafen gestellt und genötigt, die Prämie auszubezahlen.

Die Fanszene und Marc Arnold

Fanszene: Braunschweig hat eine überaus aktive Fanszene. Das über 23000 Fans fassende „Eintracht-Stadion“ ist immer gut besucht, der Zuschauerschnitt ist auch in der zweiten Liga fünfstellig. Es gibt mehrere Ultra-Gruppen, etwa „Cattiva Brunsviga“ oder „UB01“. Die Fans gelten gemeinhin als stimmgewaltig und auch reisefreudig. Der Stuttgarter Auswärtsblock wird ausverkauft sein, das gilt als sicher. Die Fanszene hat aber auch unschöne Seiten. So etwa die rechtsorientierten Hooligangruppen „Fette Schweine Braunschweig“ und „Alte Kameraden“, die immer wieder für Ärger sorgen und zuletzt 2013 bei einem Auswärtsspiel in Mönchengladbach sogar die eigenen Ultras angegriffen haben.

Marc Arnold: Der heutige Eintracht-Manager hat Wurzeln in der Region. Als wuseliger Angreifer mit südafrikanischen Vorfahren durchlief die Jugendabteilung der Stuttgarter Kickers, für die er später auch in der 2. Bundesliga als Profi eingesetzt wurde. Seine sportlich erfolgreichste Zeit als Spieler hatte er beim SSV Ulm, wo er in 34 Oberligaspielen 24 Treffer erzielen konnte. Später spielte er noch für Borussia Dortmund, Hertha BSC und KSV Hessen Kassel, bevor er in Braunschweig im Jahr 2008 die sportliche Leitung übernahm.

Wolfgang Frank und eine Männerfreundschaft

Wolfgang Frank: Der ehemalige VfB-Spieler kam aus der Jugend des TSV Schlierbach und des VfL Kirchheim und startete eine erfolgreiche Karriere als Fußballer. Von 1974 bis 1977 spielte er für Eintracht Braunschweig, später noch für Borussia Dortmund und den 1. FC Nürnberg. Frank wurde nach seiner aktiven Laufbahn Trainer, arbeitete unter anderem in Mainz. Er war Anhänger der Lehre von Arrigo Sacchi. Frank predigte Raumdeckung mit Vierer-Abwehrkette, im 4-4-2-System, mit Forechecking, Pressing und aggressivem Tempofußball – also jenen Stil, der heute als „moderner Fußball“ verstanden wird. Seine Arbeit wurde zum Vorbild der damaligen Mainzer Spielergeneration in ihrer späteren Trainerfunktion: Jürgen Klopp, Jürgen Kramny, Torsten Lieberknecht, Christian Hock und andere. 2013 starb Frank an Krebs.

Männerfreundschaft: Die beiden Trainer der heutigen Kontrahenten im DFB-Pokal-Achtelfinale verbindet eine innige Freundschaft. Torsten Lieberknecht und Jürgen Kramny spielten jahrelang gemeinsam in Mainz, feierten dort große Erfolge wie den Klassenerhalt 2001 oder den Startrekord der 2. Bundesliga in 2002 – zum Teil unter Wolfgang Frank, zuletzt dann als Spieler unter dem über Nacht vom verletzten Spieler zum Trainer gemachten Jürgen Klopp. Die Trainerlehre von Wolfgang Frank prägte beide stark. Das heutige Pokalspiel ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Übungsleiter in einem Pflichtspiel überhaupt.