VfB Stuttgart Im Fall der Fälle: Wer ersetzt das Duo Stiller/Karazor?

Die Hoffnungen, dass der Ex-Freiburger Yannik Keitel (Mi.) den beiden Platzhirschen Atakan Karazor (li.) und Angelo Stiller Konkurrenz macht, haben sich bisher nicht erfüllt. Foto: Baumann (2)/Imago deFodis

Wie ist der VfB aufgestellt, sollte einer der Sechser Atakan Karazor und Angelo Stiller mal länger ausfallen? Diese Frage führt auch zur Zukunft von Yannik Keitel.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stolze 49 Spiele hat es für die Profis des VfB Stuttgart in der vergangenen Saison zu absolvieren gegeben – 34 in der Bundesliga, acht in der Champions League, sechs im DFB-Pokal sowie den DFL-Supercup. Auf sein Stammpersonal auf der Doppel-Sechs hat sich der Verein für Bewegungsspiele dabei immer verlassen können. Denn der Kapitän Atakan Karazor (46 Saisoneinsätze) und sein kongenialer Partner Angelo Stiller (47 Spiele) ließen es im defensiven Mittelfeld im wahrsten Sinne des Wortes fast ohne Pause laufen.

 

Auf das Duo Karazor/Stiller war für den Trainer Sebastian Hoeneß also stets Verlass. Folgerichtig daher, dass Karazor nun nach dem 0:1 gegen den FC Bologna als Kapitän des VfB auch öffentlich im Amt bestätigt wurde. „Die Frage, etwas zu ändern, hat sich nicht wirklich gestellt“, sagte Hoeneß dazu ganz knapp.

Getreu dem Motto: Verändere niemals ein funktionierendes System. Schließlich hatte es allein in der Vorrunde der vergangenen Saison mal eine Phase gegeben, in der Karazor mit schwächeren Leistungen ein wenig durchhing. Ansonsten war der gebürtige Essener wie sein Mitspieler Stiller („Es gibt für ihn keine Grenzen. Er kann gut mit dem Ball umgehen – und versteht das Spiel“, sagt Hoeneß) schlicht unantastbar.

Was aber passiert, wenn einer der beiden Sechser einmal ausfällt? Auch das konnte der VfB gegen Bologna testen. Denn das Original Münchner Kindl Stiller, das sich nach fast überstandener Verletzung am linken Sprunggelenk berechtigte Hoffnung auf einen Einsatz am nächsten Samstag (20.30 Uhr) im DFL-Supercup gegen den FC Bayern macht, musste gegen den italienischen Pokalsieger passen. Das Fazit nach der Stiller-Pause: Hinter den beiden Platzhirschen auf der Doppel-Sechs wird es im VfB-Kader deutlich dünner. Plan B fürs defensive Mittelfeld könnte daher überarbeitet werden. Vor allem vor dem Hintergrund, dass den VfB wieder ein Tanz auf drei Hochzeiten erwartet.

Immerhin ließ Trainer Hoeneß beim Personal auf der Doppel-Sechs eine Hierarchie erkennen: In der Startelf stand nämlich der 20 Jahre junge Neuzugang Chema Andrés neben Karazor. Der groß gewachsene Spanier machte einen ballsicheren Eindruck und bewies auch einen guten Blick für die möglichen Passräume.

Allerdings ist Andrés im Seniorenfußball fast komplett unerfahren – und muss daher sachte an seine Aufgaben heran geführt werden. Erster Einwechselspieler war gegen Bologna dann mit Nikolas Nartey ein Akteur, der in der Gunst der Trainers Hoeneß sehr hoch steht. Auch deshalb wurde der Vertrag des Dänen, der nach rund zwei Jahren mit diversen Verletzungen ohne große Spielpraxis schon ausgemustert schien, um ein Jahr verlängert. Bei Nartey lautet aber wie bei Andrés die Direktive: auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.

Dagegen droht ein gestandener Spieler, der in seiner Karriere bereits auf über 100 Profieinsätze in der Bundesliga, Champions- und Europa League verweisen kann, beim VfB Stuttgart immer mehr in der Versenkung zu verschwinden: Yannik Keitel kam im Vorsommer vom SC Freiburg sehr hoffnungsfroh nach Stuttgart – und blickt rund um den Neckarpark auf eine ganz bescheidene Premierensaison mit nur 265 Bundesligaminuten zurück.

Und es wird aktuell nicht besser: Beim Test gegen Bologna kam Keitel fünf Minuten vor Spielschluss für Karazor in die Partie, als Letzter in der Riege der defensiven Mittelfeldspieler. Zwar besitzt der in Südbaden geborene Profi beim VfB noch einen Vertrag bis 2028. Doch ob Keitel in Stuttgart unter Hoeneß noch die entscheidende Kehrtwende zum Guten gelingt, scheint aktuell fraglicher denn je. So wird eine Leihe oder ein Verkauf des 25-Jährigen womöglich immer mehr zur Option. Stehen die Zeichen also auf Abschied?

Grundsätzlich sollen dem VfB-Kader in diesem Transferfenster noch zwei, drei Spieler zugeführt werden, was aber immer auch eine Frage der künftigen Abgänge ist. Aktuell besitzt allerdings die zentrale Offensivposition in der Kaderplanung höchste Priorität, wo der Portugiese Fabio Vieira vom FC Arsenal, der auch auf den linken Flügel ausweichen kann, zwar ein heißer Kandidat bleibt, aber der Preis (die Londoner fordern offenbar 25 Millionen Euro) aus Stuttgarter Sicht noch nicht stimmt.

Aber auch auf der Sechs scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen. Vor allem, wenn Keitel gehen sollte. Hier hatte man beim VfB zunächst den Nürnberger U-21-Nationalspieler Caspar Jander fest im Visier. Doch letztlich wollte der VfB die vom Club geforderte Ablösesumme von kolportierten 15 Millionen Euro für den 22-Jährigen nicht zahlen.

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