Sebastian Hoeneß und der VfB stehen vor einem bedeutenden Spiel – in sportlicher wie finanzieller Hinsicht. Foto: imago/Jan Huebner
Der Ausgang des Endspiels gegen Arminia Bielefeld beeinflusst die Einnahmen des VfB im nächsten Jahr – und die Spielräume im anstehenden Transfersommer. Um diese Summen geht es.
Wenn an diesem Samstag um 20 Uhr im Olympiastadion der Anpfiff ertönt, geht es für den VfB Stuttgart zunächst einmal nur um eine einzige Sache: den Titelgewinn, das Duell mit Arminia Bielefeld, das Hier und Jetzt. Zugleich aber beschränkt sich die Bedeutung des Endspiels um den DFB-Pokal mitnichten auf die alles überstrahlende Gegenwart. Es steht eine Menge Geld auf dem Spiel an diesem Abend, der maßgeblich über die finanziellen Spielräume des Bundesligisten für die kommende Saison entscheiden wird. Aus mehreren Gründen.
Zunächst ist da natürlich die Siegprämie. 2,88 Millionen Euro sind sowohl dem VfB als auch der Arminia für den Einzug ins Endspiel bereits sicher – der Sieger erhält vom Deutschen Fußball-Bund nochmals 1,44 Millionen Euro zusätzlich. Nehmen die Stuttgarter das alles mit, hätten sie in dieser Pokalsaison eine beträchtliche Summe an Prämien erspielt: knapp elf Millionen Euro. Soweit der Blick zurück.
Der Pokalsieger spielt im Supercup gegen den FC Bayern
Von Relevanz sind aber auch die lukrativen Wettbewerbe, an denen der Pokalsieger in der nächsten Spielzeit teilnimmt. Zum einen der Supercup: In diesem spielen eine Woche vor Beginn der Bundesliga im August der deutsche Meister (Bayern München) und der Gewinner des DFB-Pokals (der VfB oder die Arminia) in einer einzigen Partie ohne Rückspiel um den ersten Titel der Saison. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) als Ausrichter lässt sich dabei bei den Prämien nicht lumpen: Je zwei Millionen garantiertes Antrittsgeld für die beiden Teilnehmer sowie eine zusätzliche Million für den Sieger flossen zuletzt – und es gibt keine Anzeichen, dass sich an diesen Größenordnungen Grundlegendes ändert.
Für den gebürtigen Berliner Maximilian Mittelstädt erfüllt sich durch die Finalteilnahme ein Traum. Foto: Pressefoto Baumann
Zugleich wären die Supercup-Einnahmen nur ein kleiner Teil des großen Ganzen: Die entscheidende Folge eines Sieges gegen Bielefeld heißt Europa League. Für diese ist der Gewinner des DFB-Pokals fix qualifiziert – direkt in der Hauptrunde, ohne vorgeschaltete Qualifikationsspiele. Oft stellt diese Regelung für die Finalisten eine belanglose Randnotiz dar, da sie sich bereits über die Liga ihr Europa-Ticket gesichert haben. Nicht aber in diesem Jahr, nicht für den VfB: Der punktete in der Rückrunde deutlich zu wenig, weshalb der Pokal die letzte Ausfahrt in Richtung des internationalen Geschäfts ist.
Nun steht die Europa League in finanzieller Hinsicht fraglos im Schatten der Champions League, irrelevant ist sie aber mitnichten. 4,3 Millionen Euro Startgeld und 450.000 Euro pro Sieg in der Hauptrunde zahlte der europäische Fußballverband Uefa in dieser Saison an die Vereine, wovon unter anderem die Bundesligisten Eintracht Frankfurt und TSG Hoffenheim profitierten. Noch sind die Prämien für die Spielzeit 2025/26 nicht kommuniziert – es ist aber davon auszugehen, dass diese mindestens auf dem bisherigen Niveau bleiben und womöglich sogar steigen.
Hinzu kommen die zusätzlichen Heimspiele. Mindestens vier hätte der VfB in der Hauptrunde der Europa League, in der wieder 36 Mannschaften je vier Partien vor eigenem Publikum und vier in der Fremde bestreiten. Zwar würden die Ticketpreise wohl nicht dem Niveau der vergangenen Champions-League-Partien mit 125 Euro für ein Ticket der Kategorie 1 ohne VIP-Annehmlichkeiten liegen – aber immer noch im Bereich einer Bundesliga-Partie gegen einen attraktiven Gegner. Und: Angesichts der anhaltenden Euphorie rund um den VfB braucht es keine prophetischen Fähigkeiten, um vier Mal ein volles Stadion in der Europa League zu prognostizieren. Was das finanziell bringen würde? Einen niedrigen bis mittleren einstelligen Millionenbetrag pro Heimspiel – durch die Ticket-Verkäufe und Folgeeffekte wie Merchandising-Einnahmen an Spieltagen.
Die Europa League würde auch Spielräume für Transfers eröffnen
In Summe winken dem VfB bei einem Einzug in die Europa League damit Zusatzeinnahmen von knapp 20 Millionen Euro – konservativ kalkuliert und ein Ausscheiden nach der Hauptrunde angenommen. Und die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt ja, dass es für ambitionierte Bundesligisten durchaus auch weit gehen kann in der K.o.-Runde. Siehe Eintracht Frankfurt.
Beim VfB würde man indessen nur mit den sicher zu erwartenden Geldern planen. Die stünden zwar nicht komplett für Verstärkungen auf dem Transfermarkt zur Verfügung, da auch Kosten gedeckt werden müssen und Prämien an die Spieler fließen. Aber: Rund die Hälfte und damit zehn Millionen Euro sind nach Informationen unserer Redaktion in diesem Fall für Investitionen in die Mannschaft vorgesehen, was ohne Wenn und Aber neue Möglichkeiten im Sommer eröffnen würde. Aber – und hier führt der Blick direkt zurück zur Gegenwart – eben nur bei einem Sieg am Samstag gegen Arminia Bielefeld.