Mit vielen neuen Gesichtern startet der VfB Stuttgart im Tiroler Trainingslager in die Saisonvorbereitung. Wieder schaffen sie im Zillertal die Grundlagen für die neue Saison, doch soll diesmal alles besser werden als in der alten.

Sport: Marko Schumacher (schu)

Mayrhofen - Gernot Paesold hat sich ein lauschiges Schattenplätzchen ausgesucht, er trägt kurze Hosen. Der Schweiß steht trotzdem auf seiner Stirn. Tropische Hitze hat sich an diesem Mittwoch über das Zillertal gelegt. Das ist ganz im Sinne des Tourismuschefs, der vor dem Hotel Elisabeth in Mayrhofen auf die Fußballgäste aus Deutschland wartet. „Wir haben extra schönes Wetter bestellt“, witzelt Paesold, „besser kann man das nicht inszenieren.“

Mittags um kurz nach eins darf er seine Inszenierung vollenden und als Ein-Mann-Begrüßungskomitee Hände schütteln, nachdem der Mannschaftsbus des VfB mit staubedingter Verspätung auf den Hotelparkplatz eingebogen ist. Aus Kübeln hat es im vergangenen Sommer geregnet, als der Verein am selben Ort Quartier bezog. Diesmal steht keine Wolke am postkartenblauen Tiroler Himmel, was die Stuttgarter als gutes Omen empfinden dürften. Wieder schaffen sie im Zillertal die Grundlagen für die neue Saison, doch soll diesmal alles besser werden als in der alten, nicht bloß das Wetter zum Auftakt des Trainingslagers.

Schwer bepackt steigt Alexander Zorniger aus dem Bus, der neue Trainer schultert einen Rucksack, eine Reisetasche und ein Laptop. Vor allem auf ihm ruhen die Hoffnungen darauf, dass dem VfB ein weiteres Jahr im Abstiegskampf erspart bleibt. Doch gibt es auch ansonsten viele neue Gesichter, die für den Aufbruch in eine bessere Zukunft stehen sollen. Die neuen Torhüter Mitch Langerak und Przemyslaw Tyton marschieren gemeinsam ins Hotel, Lukas Rupp ist mit dabei, Philip Heise und Kevin Stöger. Sie werden nicht die letzten Neu­zugänge bleiben, die mithelfen sollen, den VfB wieder auf Vordermann zu bringen.

Der Kroate Kukoc ist als Neuzugang im Gespräch

Sechs Nachwuchsleute aus dem zweiten VfB-Team sind zudem aus dem Trainingslager der U 23 nahe Kufstein nach Mayrhofen geeilt, um den Profikader vorerst aufzufüllen. Denn viele etablierte Kräfte fehlen noch. Erst am Freitag werden die Nationalspieler Florian Klein, Martin Harnik, Filip Kostic, Alexandru Maxim, Serey Dié und Vedad Ibisevic im Zillertal erwartet. Gleiches gilt für Antonio Rüdiger, dessen millionenschwerer Transfer wohl nicht schon in den nächsten Tagen über die Bühne geht.

Gotuko Sakai indes wird man nicht mehr sehen. Der Hamburger SV hat seine Verpflichtung bereits bestätigt – anders als der VfB, was wenig daran ändern dürfte, dass mehr als 700 000 Euro für den Japaner kaum zu erlösen sind. Bei rund 300 000 Euro liegt die Ablöse für den Torhüter Thorsten Kirschbaum, dessen Wechsel nach Nürnberg perfekt ist. Im Falle von Konstantin Rausch wäre der VfB schon froh, wenn sich überhaupt ein Abnehmer fände. Er wurde von der Teilnahme am Trainingslager befreit, um sich einen neuen Club suchen zu können. Als Neuzugang für die linke Abwehrseite ist der Kroate Tonci Kukoc (24) von ZSKA Sofia im Gespräch. Das Kommen und Gehen, von dem der VfB-Manager Robin Dutt gesprochen hat, ist also in vollem Gange.

Die Stimmung auf der Fahrt ist super

Wer irgendwie schon immer dabei war, ist Günther Schäfer, Vereinsmitglied seit 1975. Abwehrspieler ist er früher gewesen, danach Fanbeauftragter, Repräsentant, Co-Trainer und Leiter der VfB-Fußballschule. Nun steigt der 53-Jährige erstmals als Teambetreuer aus dem Mannschaftbus, eine Telefonliste klemmt unter seinem Arm. Um alles Organisatorische rund ums Trainingslager soll er sich kümmern und hat schon am ersten Tag ein gutes Gefühl: „Die Stimmung auf der Fahrt war super. Da zeigt sich schon die neue Geschlossenheit innerhalb der Mannschaft.“

Dass die Stimmung nicht zwingend super bleiben muss, weiß Schäfer aus Erfahrung. „Ich war als Spieler immer froh, wenn ein Trainingslager wieder vorbei war.“ Viel Arbeit wartet auf den VfB. Nachmittags um fünf bittet Zorniger zur ersten Trainingseinheit ins Lindenstadion von Hippach, das gemeinerweise direkt neben dem gut besuchten Freibad liegt. Am Donnerstag findet hier das erste Testspiel gegen eine Zillertal-Auswahl statt, ein zweites folgt am Sonntag gegen Viktoria Pilsen, ehe es am Montag wieder zurück nach Stuttgart geht.

Das Wetter soll bis dahin sonnig und warm bleiben, das hat der Tourismuschef Gernot Paesold fest versprochen.

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