VfB Stuttgart in der Champions League Am Scheideweg? Worauf es für den VfB jetzt ankommt

Wer gibt die Richtung beim VfB Stuttgart vor? Deniz Undav (Mitte) redet auf Ermedin Demirovic (links) und Angelo Stiller ein. Foto: Baumann/Alexander Keppler

An diesem Dienstag spielen die Stuttgarter bei Juventus Turin. Das ist wieder eine schöne Herausforderung. Doch zuletzt hat der Elf von Sebastian Hoeneß immer etwas gefehlt, um erfolgreich zu sein. Wir schauen auf vier markante Punkte.

Schon wieder eine Allianz-Arena. Nach München tritt der VfB Stuttgart drei Tage später in Turin an, wo sich der Versicherungsgigant ebenfalls die Namensrechte am Stadion gesichert hat. Wiederholen soll sich das 0:4 gegen den FC Bayern in der Bundesliga aber nicht. Der VfB will an diesem Dienstag (21 Uhr) in der Champions League bei Juventus ein anderes Gesicht zeigen. Dennoch stellt sich die Frage, was es braucht, um wieder erfolgreich zu sein. Denn über die Begegnung mit der Alten Dame hinaus stehen wegweisende Partien an.

 

Kaderbreite Sechs Spiele in 20 Tagen stehen ab der Juventus-Partie für den VfB auf dem Programm – ein üppiges Pensum, das kaum Pausen gestattet und den Kader in seiner Breite erfordert. Zum einen, um auch mal dem einen oder anderen Spieler durch Rotationen in der Startelf eine Verschnaufpause zu geben. Zum anderen aber auch, um während der Spiele frische Impulse zu setzen.

Gerade in dieser Hinsicht hatte sich der Chefcoach Sebastian Hoeneß nach der Partie beim FC Bayern unzufrieden gezeigt. Auf dem Papier legte er beim Stand von 0:2 nochmals namhaft nach mit Maximilian Mittelstädt auf der linken Seite sowie Enzo Millot und El Bilal Touré in der Offensive. „Wir müssen die Möglichkeiten, die sich uns bieten, im letzten Drittel schärfer ausspielen“, sagt Hoeneß, „denn Juve ist nicht viel schwächer als die Bayern.“

Mentalität Eines gleich vorneweg: dem VfB mangelt es nicht an Mentalität, weshalb sich die Charakterfrage nach dem Höhenflug der vergangenen Monate erst gar nicht stellt. Und man sollte rund um den Wasen realistisch bleiben. Eine Niederlage beim FC Bayern ist normal, ein Sieg bei Juve wäre ein starkes Stück. Möglich ist es, wenn der VfB an seine Vorstellung bei Real Madrid (1:3) heranreicht. Dennoch fällt auf, dass den Stuttgartern in der noch jungen Saison immer wieder ein paar Prozentpunkte zum vollen Leistungsvermögen fehlen. Das war gegen Mainz so – und auch in München. Zuletzt vermisste der Trainer Sebastian Hoeneß die Gegenwehr nach dem Rückstand. Zuvor war es die Gier nach einer Führung, das Spiel auf die eigene Seite zu ziehen.

Als „Reife- und Lernprozess“ bezeichnet es der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, wenn sich die VfB-Profis zwischen Liga und League bewegen. Zu dem kommt die neue Aufmerksamkeit, die den vielen deutschen Nationalspielern zuteil wird. Das alles muss verarbeitet werden, ohne dass die Leistung leidet. „Das ist eine Umstellung und auch schwierig, aber wir müssen es hinbekommen“, sagt der Torhüter Alexander Nübel. Denn genau diesen Sonderstatus als Königsklassen-Club wollte der VfB haben.

Flexibilität Tief stehende und hoch pressende Gegner – taktisch ist der VfB maximal gefordert. Zum einen, weil viele Kontrahenten glauben, ein Mittel gefunden zu haben, um die schwäbische Passmaschine ins Stocken zu bringen und ihr das Tempo zu nehmen. Dafür positionieren sie sich weit hinten drin – siehe die TSG Hoffenheim oder Sparta Prag. Zum anderen, weil die Champions League die Bühne der Besten ist, auch der besten Trainer. Sie lassen systematisch auf höchstem Niveau angreifen.

Wie Carlo Ancelotti in Madrid. Und nun Thiago Motta. Er will das Spiel selbst kontrollieren. „Wir werden ein sehr komplettes Spiel abliefern müssen, um erfolgreich zu sein. Der VfB verfügt über eine stabile Mannschaft, die defensiv gut presst und offensiv Probleme bereiten kann“, sagt der Juve-Coach. Da braucht es auf VfB-Seite Flexibilität und Mut, um dagegenzuhalten.

Resultate Seit vier Pflichtspielen wartet der VfB nun schon auf einen Sieg – eine solch lange Serie hatte es in der Amtszeit von Sebastian Hoeneß bislang noch nicht gegeben. Und klar ist: Der VfB braucht in den kommenden Wochen – trotz des anspruchsvollen Programms und der noch immer laufenden Entwicklungsphase – dringend Ergebnisse, um zu Beginn der nächsten Länderspielpause gut dazustehen.

Denn: Bereits mit Blick auf die jetzige Ausbeute ist noch Luft nach oben. Neun Punkte aus sieben Partien in der Bundesliga bedeuten einen Punkteschnitt von 1,3 und auf die gesamte Saison hochgerechnet 44 Zähler – was voraussichtlich einen Platz im unteren Tabellenmittelfeld bedeuten würde. In der Champions League stehen die Stuttgarter nach zwei Partien bei einem Punkt – hier ist ebenfalls eine Steigerung nötig, um nach der Hauptrunde unter den besten 24 von 36 Teams zu stehen. Drei Siege aus den verbleibenden sechs Partien der Königsklasse würden dafür aller Voraussicht nach reichen. Die erste Chance darauf gibt es an diesem Dienstag, bei der schwierigen Auswärtsaufgabe in Turin.

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