Wäre die Partie gegen Slovan Bratislava ein Heimspiel gewesen, in der 71. Minute hätten sich wohl 60 000 Zuschauer erhoben – um dem Helden des Tages zu huldigen. In jener Minute der Partie des VfB Stuttgart gegen den slowakischen Meister verließ Jamie Leweling das Spielfeld. Und weil es jenes im slowakischen Nationalstadion war, waren die Ovationen nicht ganz so groß. Aber: Die Liebesbekundungen der rund 3000 mitgereisten VfB-Fans waren dem Nationalspieler sicher. Schließlich war am Dienstagabend: Jamie, der Doppelpacker.
Beinahe wäre dem 23-Jährigen sogar ein Hattrick gelungen, kurz vor der Pause hatte er ans Außennetz statt ins Tor geköpft – aber auch so war es ein schöner Abend. Für Leweling, der sagte: „Das war ein wichtiger Sieg, meine Tore haben einen hohen Stellenwert.“ Aber auch für den VfB, der durch den 3:1-Sieg die Chancen auf den Einzug in die Zwischenrunde der Champions League am Leben hielt. „Verdienter geht es nicht“, analysierte Stürmer Deniz Undav. Dabei hatte der Abend unerfreulich begonnen.
Sebastian Hoeneß hatte vor dem Anpfiff mit einer überraschenden Personalie aufwarten müssen. Atakan Karazor gehörte wegen muskulärer Probleme nicht zur Startelf, für den Kapitän lief Yannik Keitel von Beginn an auf. Ansonsten änderte der VfB-Trainer seine Mannschaft gegenüber dem 4:0 gegen den SC Freiburg auf vier weiteren Positionen. Jeff Chabot ersetzte in der Innenverteidigung Ameen Al-Dakhil, hinten links kehrte Maximilian Mittelstädt für Ramon Hendriks zurück, im Angriff übernahm Deniz Undav den Platz von Ermedin Demirovic, Chris Führich stürmte für Nick Woltemade.
Die beiden Nationalstürmer Chris Führich und Undav gaben dann auch gleich die Richtung vor: ab nach vorne. Einem dritten Nationalspieler gelang dann die frühe Führung. Mühelos war der Ball von Chabot über Mittelstädt zu Undav gelaufen – ein Querpass auf Leweling, 1:0 in der elften Minute. Der VfB unterstrich vor 22 500 Zuschauern also gleich seine Ambitionen.
Einziges Manko: die Chancenverwertung
Die Stuttgarter müssen in der 36-er-Tabelle der Königsklasse schließlich noch Boden gutmachen. Also blieben sie dran und beschäftigen den Slovan-Keeper Dominik Takac stetig. Dass die Gastgeber aber kontern können, zeigten sie punktuell. Wie vor dem Freistoß von Kevin Wimmer (26.), als Anthony Rouault den Angriff nur durch ein Foul stoppte. Der Franzose sah Gelb und fehlt zum Abschluss der Hauptrunde. Die Verwarnung war umstritten und damit unglücklich. Glück hatte dagegen Jamie Leweling bei seinem zweiten Treffer in der 37. Minute – es brauchte viel, bis das Spielgerät über die Torlinie trudelte.
Nach der Pause blieb der VfB der Herr im fremden Haus. Was sinnvoll war, schließlich kann im Rennen um einen Platz in der Zwischenrunde am Ende auch das Torverhältnis entscheidend sein. Doch gerade auf der Mission, die Partie einerseits vollends zu entscheiden, und andererseits das Trefferkonto zu füllen, ließen die Stuttgarter dann aber trotz aller Dominanz Möglichkeiten liegen.
Mittelstädt vergab in der 67. Minute eine Topchance auf das 3:0, kurz darauf köpfte Deniz Undav an den Pfosten. Und auch aus seinen immer mehr werdenden Eckbällen schlug der VfB kein Kapital – am Ende waren es 19 vergebliche Versuche. Sebastian Hoeneß brachte anschließend Fabian Rieder und Ermedin Demirovic für Leweling und Undav. Doch die Chancenauswertung blieb ein Manko. „Wir haben 199 Chancen, wenn wir es besser ausspielen sogar 299“, sagte Undav und ergänzte: „Bei der Chancenauswertung haben wir Luft nach oben.“ Weshalb das Risiko eines slowakischen Anschlusstreffers lange nicht ausgeräumt war. Das dies besteht, zeigte sich in der 85. Minute.
Slovan Bratislava gelang durch Idjessi Metsoko tatsächlich der Anschluss, fünf Minuten vor dem Abpfiff schien das große Zittern zu beginnen – allerdings erstickte Fabian Rieder die Hoffnungen der Hausherren gleich wieder im Keim. Nach dem 3:1 des Schweizers in der 87. Minute war die Partie dann doch zugunsten des VfB entschieden. Und die Blicke gehen nun nach Mainz, wo die Stuttgarter nach nun vier Siegen in 2025 am Samstag (15.30 Uhr) in der Liga weiter punkten will.
Am Mittwoch darauf (21 Uhr) gibt’s dann den Königsklassen-Showdown zuhause gegen PSG. „Wir haben heute einen Sieg gebraucht, insofern war ein gewisser Druck da“, sagte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, „dem hat die Mannschaft standgehalten, sie hat geliefert und so können wir uns über ein Endspiel gegen Paris freuen.“
Klappt es dann mit dem Einzug in die Zwischenrunde, sind den VfB-Stars die Ovationen sicher – dann wieder von rund 60 000.