Beim 3:1(2:0)-Erfolg in der Champions League bei Slovan Bratislava allerdings war das anders: Da gab es einen sportlichen Rechtsruck – und die VfB-Tore fielen durch Spieler von der rechten Seite. Zunächst durch Jamie Leweling (11./37.), dem sein erster Doppelpack im Stuttgarter Dress gelang, ehe dann der eingewechselte Fabian Rieder mit dem dritten Treffer (87.) sich und die Kollegen unmittelbar nach dem Gegentor (85.) von sämtlichen Restzweifeln befreite.
„Die Mannschaft hat ihren Job erledigt. Zu was das letzten Endes in der Champions League führt, werden wir sehen“, sagte der Trainer Sebastian Hoeneß. Der VfB hat durch den Sieg von Bratislava nunmehr zehn Punkte auf der Habenseite. Vor der letzten Begegnung in der Ligaphase der Königsklasse am kommenden Mittwoch (21 Uhr) zu Hause gegen Paris Saint-Germain lebt der Traum von den K.-o.-Spielen also weiter. Wahrscheinlich muss gegen die Franzosen noch ein elfter Punkt her. „Die Mannschaft ist sehr souverän damit umgegangen, unbedingt gewinnen zu müssen“, resümierte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth den Auftritt in Bratislava, was auch mit Leweling und Rieder zu tun hatte. Schließlich stehen die Auftritte der beiden sinnbildlich für die gute Breite des Kaders beim VfB.
Zwar gibt es Akteure wie Angelo Stiller, den diesmal wegen muskulärer Probleme pausierenden Atakan Karazor oder Alexander Nübel, Jeff Chabot und Deniz Undav, die bei guter Fitness immer gesetzt sind. Doch der Chefcoach Sebastian Hoeneß ist immer mehr in der glücklichen Lage, echte Schwergewichte von der Bank aus nachzulegen, die dann auf dem Platz auch entscheidend performen.
Rieder gibt die passende Antwort
Siehe Fabian Rieder, der in diesem Kalenderjahr zuvor noch gar keine Spielminuten bekommen hatte – und der auf diesen Umstand mit einem perfekten Jokerauftritt die passende Antwort gab. Zunächst setzte der Schweizer Nationalspieler einen Freistoß knapp links neben das Tor. Dann gelang ihm der wichtige Treffer zum 3:1-Endstand. In einer Phase, in welcher der VfB nach dem Anschlusstreffer durch Idjessi Metsoko für 120 Sekunden hatte zittern müssen. „Es war ein schwieriger Moment, als er eingewechselt wurde“, sagte Fabian Wohlgemuth über Rieder: „Aber Fabi hat wie gewohnt viel Energie und Gier reingebracht. Ich freue mich für ihn, dass er den Deckel draufgemacht hat.“
Und so stand unter dem Strich an diesem Champions-League-Abend vor 22 500 Fans im ausverkauften Nationalstadion Tehelné Pole die mangelnde Chancenverwertung. Eigentlich hätte der VfB 5:0 gewinnen müssen.
Dass am Ende aber ein verdienter Sieg stand, lag auch an Jamie Leweling, der seine längere Verletzungspause von Ende des Vorjahres gut weggesteckt hat. „Ich bin körperlich so bei 85 Prozent“, sagte er vor dem Spiel. Dann legte der 23-Jährige einen äußerst effektiven Auftritt hin – und erzielte nach Vorlagen von Undav sowie von Enzo Millot die Tore zum 1:0 und 2:0. „Es ist mein erster Doppelpack als Profi, daher bin ich glücklich“, sagte Leweling: „Jetzt wollen wir gegen Paris so viele Punkte holen, wie für die Zwischenrunde nötig sind. Vielleicht brauchen wir auch keinen mehr.“
Gegen den französischen Meister will der VfB jedenfalls wieder glänzen als ausgeglichenes Kollektiv, in dem diesmal Yannik Keitel den angeschlagenen Karazor auf der Sechs tadellos ersetzte. Durch das starke Comeback von Leweling und Undav („Sie eröffnen uns auch in der Bundesliga neue Möglichkeiten“, sagte Hoeneß) sowie den prägnanten Kurzeinsatz von Rieder besitzt der VfB zudem fast schon ein Überangebot an guten Offensivkräften. Dies liegt neben dem international fehlenden Nick Woltemade auch an dem Hoffenheim-Neuzugang Jacob Bruun Larsen, der nicht nur wegen seines Kopfballtreffers gegen RB Leipzig schnell und gut beim VfB angekommen ist. Und es übt auch Druck auf Chris Führich aus, der stets engagiert zu Werke geht – aber in dieser Spielzeit bislang deutlich seiner Effektivität der vergangenen Runde hinterherhinkt.
Der VfB hat also einen Lauf, hat seine vier Spiele seit Jahresbeginn allesamt gewonnen, was trotz des dichten Terminkalenders mit Partien im Vier-Tage-Rhythmus auch Hoffnung macht für das Bundesliga-Gastspiel am Samstag (15.30 Uhr) in Mainz. Gegen die Rheinhessen hatte der VfB beim 3:3 im Hinspiel einen Sieg leichtfertig vergeben. Das soll sich diesmal ändern – denn Doppeltorschütze Jamie Leweling kennt in der Liga nur ein Ziel: „Wir wollen auch für nächste Saison wieder in die Champions League.“