VfB Stuttgart in der Champions League Wie die Uefa die Königsklasse in Stuttgart inszeniert

Die Champions League ist zurück in Stuttgart. Foto: Imago//Michael Treutne

Der VfB muss rund um das Heimspiel gegen Sparta Prag viele Vorgaben erfüllen, aber im Vordergrund steht das besondere Flair.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Die Damen und Herren von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) sind schon seit ein paar Tagen in der Stadt. Sie schauen nach dem Rechten, um ihr Edelprodukt in Szene zu setzen: die Champions League. Nichts wird dabei dem Zufall überlassen. Ein Uefa-Team kümmert sich in Zusammenarbeit mit dem VfB Stuttgart darum, dass die Infrastruktur rund um das Stadion passt, die Abläufe rund um das Spiel stimmen, kein falsches Werbeemblem rund um die Veranstaltung zu sehen ist.

 

Präzise geht es dabei zu. Denn alles folgt einer Gesamtorchestrierung, ehe an diesem Dienstagabend (18.45 Uhr) die Champions-League-Hymne in der MHP-Arena zu hören sein wird. Ein Gänsehautmoment wird das für die VfB-Spieler, die Trainer und die Fans. „Es ist spürbar, dass es für den Club, die Stadt und die Menschen etwas Besonderes ist. Ich glaube, die Euphorie ist groß“, sagt der Trainer Sebastian Hoeneß vor der Begegnung mit Sparta Prag. „Das ist eine sehr, sehr große Sache für uns, aber auch für die Fans“, erklärt der Kapitän Atakan Karazor.

Mehr als 14 Jahre ist es her, dass Stuttgart die Bühne für den prestigeträchtigen europäischen Wettbewerb bot. Damals hieß der VfB-Gegner FC Barcelona – und wahrlich große Namen präsentierten sich. Auf der Bank der Spanier saß Pep Guardiola mit schwarzem Haar. In der Anfangself des Startrainers standen unter anderem Lionel Messi, Zlatan Ibrahimovic, Andrés Iniesta und Xavi. Ein 1:1 trotzten die Gastgeber unter dem Chefcoach Christian Gross im Achtelfinal-Hinspiel am 23. Februar 2010 den ruhmreichen Katalanen ab. Drei Wochen später kam mit dem 0:4 im Camp Nou das Aus.

Jetzt reist der tschechische Doublesieger an. Ohne berühmte Spieler, aber mit Ambitionen und 3500 Anhängern. Das entspricht dem offiziellen Kartenkontingent von fünf Prozent für die Gäste und übersteigt für den VfB aus organisatorischer Sicht nicht die Dimension einer Bundesligapartie. Zudem haben sich die Richtlinien der Uefa und der Deutschen Fußball-Liga bei Themen wie Sicherheit und Medienarbeit angeglichen.

Alltag möchte man sagen, wenn nicht die vielen Besprechungen und dieser Kitzel des Außergewöhnlichen wären. Der Unterschied zwischen League und Liga liegt im atmosphärischen Bereich. Trotz der zahlreichen Topspiele, die der VfB in der Vorsaison auf nationaler Ebene absolviert hat, ist der internationale Auftritt eine andere Nummer. Finanziell, weil die Uefa Mindesteinnahmen von 20 Millionen Euro garantiert. Dazu kommt die sportliche Reputation, sich mit den besten Mannschaften des Kontinents in einem besonderen Rahmen messen zu können. Dafür macht der europäische Verband mit Sitz in Nyon klare Vorgaben.

Andererseits profitiert der VfB genau von dieser perfekt geölten Geldmaschinerie, die hochklassigen Sport mit großen Emotionen verbindet. Wie zum Auftakt der aktuellen Champions-League-Saison bei Real Madrid (1:3). Auch da liefen im Hintergrund die Vorbereitungen Wochen vor dem Spiel im Bernabéu-Stadion an. Wie jetzt bereits ein Austausch mit Juventus Turin stattfindet, dem VfB-Gegner am 22. Oktober. Zuvor will aber nicht nur Hoeneß das magische Flair an diesem Dienstag spüren. „Für uns ist das nicht selbstverständlich“, betont der Trainer.

Weitere Themen