Die Stuttgarter haben sich gegen die Young Boys Bern zu sicher gefühlt. Um die Play-offs zu überstehen, braucht es aber wieder mehr Konsequenz, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.
Schön hat es für ein Weilchen ausgesehen. Zu schön, um wahr zu sein, als der VfB Stuttgart mit 2:0 gegen die Young Boys Bern führte – und für kurze Zeit in der Blitztabelle unter den ersten acht Mannschaften der Europa League stand. Das Unmögliche schien plötzlich möglich für den Fußball-Bundesligisten, weil er eine halbe Stunde wie aus einem Guss spielte. Doch in der Endabrechnung belegt das Team von Trainer Sebastian Hoeneß nach dem 3:2-Sieg gegen die Gäste aus der Schweiz nun den elften Rang und muss in die Play-offs.
Diese Konstellation war zu erwarten – und dennoch hinterließen die Stuttgarter auch einen schwachen Eindruck, weil sie das Spiel und den schnellen Vorsprung nach sieben Minuten durch Tore von Deniz Undav und Ermedin Demirovic aus der Hand gaben. Ohne jede Not, und auch großen Gegnerdruck. Da bewegte sich der VfB in ein und demselben Spiel an zwei Polen: erst sehr gut, dann sehr wild. Und es lag schon an den Gastgebern, dass die Berner nach einem Fehler von Torhüter Fabian Bredlow durch Armin Gigovic verkürzten und mit dem Volleyschuss von Sandro Lauper zwischenzeitlich ausglichen. Denn der raschen Führung folgte der rapide Spannungsabfall beim deutschen Pokalsieger.
Ohne Basics geht es nicht
Offenbar herrschte auf dem Rasen der MHP-Arena das Gefühl vor, die Begegnung mit den Young Boys sei nach der fulminanten Anfangsphase ein Selbstläufer. Falsch. Ohne die sogenannten Basics geht es auch gegen die kriselnde Berner Elf von Gerardo Seoane nicht. Es fehlte die Aggressivität, es mangelnde an Lauf- und Spielfreude. Erst in der Schlussphase legte der VfB wieder einen Zahn zu und Chema erlöste die Stuttgarter mit dem späten Siegtor.
Ein wichtiger Treffer, da er den VfB in die Situation bringt, dass er in der Zwischenrunde zunächst auswärts antritt. Was ein Vorteil ist. Gegner wird dann entweder Celtic Glasgow oder Ludogorez Rasgrad sein – die Reise führt am 19. Februar also zunächst nach Schottland oder Bulgarien, ehe am 26. Februar in Stuttgart das Rückspiel ausgetragen wird. Das wird an diesem Freitag (13 Uhr) in Nyon ausgelost.
Und will der VfB beim nächsten Auslosungstermin am 27. Februar im Schweizer Sitz der Europäischen Fußball-Union noch dabei sein, dann muss er wieder mehr Konsequenz und Klarheit auf den Rasen bringen.