VfB Stuttgart in der Europa League Der neue VfB – Künstler mit Kämpferherz
Der Pokalsieger spielt beim Sieg gegen Celta Vigo wieder mit höchster Intensität – und ist nun in Köln gleich ein drittes Mal hintereinander gefordert.
Der Pokalsieger spielt beim Sieg gegen Celta Vigo wieder mit höchster Intensität – und ist nun in Köln gleich ein drittes Mal hintereinander gefordert.
Seite an Seite sind sie aus der Kabine in der MHP-Arena gekommen. Badredine Bouanani und Bilal El Khannouss, die beiden Torschützen des VfB Stuttgart. Verschmitzt lächelnd, hoch zufrieden mit dem Europa-League-Auftakt gegen Celta Vigo und leicht beseelt von den ersten Wochen in Deutschland. „Wir haben auf diesen Moment gewartet, seitdem wir hier sind“, sagt El Khannouss nach dem 2:1-Sieg. Klingt nach einer längeren Wartezeit, aber vor allem der 21-Jährige hat von Anfang an gezeigt, dass er für den Fußball-Bundesligisten eine schnelle Bereicherung in der Offensive ist.
El Khannouss fordert ständig den Ball, bleibt unverzagt, wenn er das Spielgerät mal verliert – und setzt sofort nach. Damit verkörpert der Marokkaner nicht nur den neuen Künstler an der Kugel, sondern er verfügt auch über ein Kämpferherz. „Er ist ein sehr offener, zugänglicher Typ, der eine positive Ausstrahlung auf die Mannschaft hat“, sagt Trainer Sebastian Hoeneß.
Zurückhaltender ist Bouanani, neben dem Platz. Auf dem Rasen hat der 20-Jährige gezeigt, wie viel Gefühl er im linken Fuß hat. Nach einem Sprint erzielte der Algerier per Heber das Führungstor (51.). „Das war ein richtig gutes Tor“, sagt Hoeneß. Und ein wichtiges, weil es die Stuttgarter auf die Siegerstraße brachte, ehe El Khannouss überlegt traf (68.). „Sie sind brutal hier angekommen. Man hatte gar nicht das Gefühl, dass sie neu sind. Sie sind zwei super Fußballer, diese freche Art auf dem Platz hilft uns natürlich“, sagt Stürmer Ermedin Demirovic über die beiden Last-Minute-Transfers.
Reichlich Geld hat das Offensivduo den VfB in letzter Minute gekostet, aber El Khannouss und Bouanani beginnen bereits mit Leistung zurückzuzahlen. „Da haben die Scoutingabteilung und der Sportdirektor Christian Gentner einen guten Job gemacht“, sagt Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Ohne ihn hätte es die Verpflichtungen jedoch nicht gegeben. Immer deutlicher wird dabei, dass die Stuttgarter zwar nach wie vor über einen jungen Kader verfügen, der für die Zukunft viel erhoffen lässt, in der Gegenwart aber schon funktioniert.
El Khannouss und Bouanani sind nur zwei Beispiele für die Bandbreite an Spielern für den Angriff. Jamie Leweling und der diesmal eingewechselte Tiago Tomas zwei weitere. Da muss sich Chris Führich hinten anstellen. Lange Zeit Stammkraft kommt der Flügelspieler zurzeit nicht an dem kraftvollen Leweling oder den filigranen Tiago Tomas und Bouanani vorbei – und dahinter lauert das Talent Lazar Jovanovic auf Einsätze.
Allein diese Aufzählung gibt Hoeneß Möglichkeiten, um die Gegner vor vielseitige Probleme zu stellen und die Belastungen in den nächsten, anstrengenden Wochen gut zu steuern. Es wird Wechsel geben, um die nötige Frische ins Spiel zu bekommen. Nur nicht in der Spitze, wo Demirovic ohne den verletzten Deniz Undav der einzige Mann für die Mittelstürmerposition ist.
Anders sieht es dagegen in der Defensive aus. Auch hier drängen sich Alternativen auf. Nicht nur Chema im zentralen Mittelfeld, der zuletzt Atakan Karazor auf die Bank verdrängt hat. Schlecht läuft es für den Kapitän, da er durch einen unnötigen Ballverlust den Anschlusstreffer durch Borja Iglesias begünstigte (86.). „So ein Gegentreffer kann in einer solchen Spielphase sensibel sein, weil er beim Gegner neue Impulse setzt und die Spanier zurück ins Spiel gebracht hat“, sagt Wohlgemuth. Es war ja noch Zeit.
Doch die VfB-Abwehr ließ nichts mehr zu, weil die Qualitätsunterschiede geringer erscheinen als noch in der Vorsaison. In der Innenverteidigung überzeugte Ramon Hendriks für den geschonten Jeff Chabot. Mitte der ersten Hälfte ersetzte Luca Jaquez nach einem Nasenbeinbruch Finn Jeltsch, der sich gegen Vigo an den Adduktoren verletzte. Und auch bei den Außenverteidigern ergibt sich eine neue Dynamik, da Lorenz Assignon nun besser spielt als der gut in die Vorbereitung gestartete Josha Vagnoman.
Alles in allem ergibt das einen starken Mix – wenn die Haltung im Stuttgarter Spiel stimmt. Darauf hat der Trainer nach der enttäuschenden Niederlage in Freiburg hingewirkt. Mehr Intensität, weniger Selbstgefälligkeit fordert Hoeneß – und hat seither ein Plus an Laufbereitschaft und Energie erhalten. „Wir haben nach dem ruckeligen Saisonstart im Team Grundsätzliches angemahnt. Das Ganze hat sich nun positiv verändert“, sagt Wohlgemuth zum Wandel.
Zu sehen vor allem beim Gegenpressing. Die Stuttgarter ließen den Gästen aus Galizien keinen Raum und kaum Zeit, den Ball lange zu halten. „Das war schon beim Sieg gegen den FC St. Pauli so“, sagt Hoeneß, „aber diesmal war es außergewöhnlich gut.“ Handlungsschnell und konsequent eroberten die
Stuttgarter meist die Kugel zurück. Für Hoeneß lag das an der Bereitschaft, früh zu attackieren, viel in die Tiefe zu sprinten und mehr zu investieren als der Gegner.
Doch nach zwei überzeugenden Siegen folgt nun die dritte Herausforderung innerhalb einer englischen Woche: am Sonntag beim 1. FC Köln. Einem Gegner, der wie die Auswärtsgegner zuvor, Union Berlin und SC Freiburg, über die Mentalität kommt und den VfB die Lust am Spielen nehmen will.