VfB Stuttgart in der Europa League Torlos auf Reisen – jetzt braucht der VfB Schützenhilfe

Gespannt: der VfB-Stürmer Jamie Leweling (rechts) versucht sich gegen Daniele Ghilardi von der AS Rom. Foto: IMAGO/NurPhoto

Madrid, Istanbul und nun Rom – der VfB spielt auf der großen Bühne oft gut mit, holt aber keine Punkte. Das liegt vor allem an einer Schwäche.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Zu wenig. Auf diese zwei Wörter lässt sich die Begegnung des VfB Stuttgart mit der AS Rom reduzieren. Denn bei Trainer, Spielern und Funktionären herrschte nach der 0:2-Niederlage das Gefühl vor, ein Spiel der verpassten Möglichkeiten erlebt zu haben. Dabei wäre in der monumentalen Schüssel des Stadio Olimpico gar keine epische Vorstellung nötig gewesen, um zumindest einen Punkt aus der Ewigen Stadt zu entführen – mehr Effizienz im Abschluss hätte an diesem Abend schon gereicht, um sich in der Europa League eine gute Chance auf die direkte Achtelfinal-Qualifikation zu erhalten.

 

Jetzt besteht die Aussicht, unter die besten acht Teams zu kommen und sich im Februar die Play-offs zu ersparen, kaum noch. „Theoretisch ist das noch drin“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Praktisch ist der VfB bei einem Sieg nächsten Donnerstag im Heimspiel gegen die Young Boys Bern dennoch auf fremde Hilfe angewiesen. Der Blick des Fußball-Bundesligisten bleibt deshalb realistisch – und das viel wahrscheinlichere Szenario beinhaltet den Zwischenschritt, der wie die Finalrunden im K.-o.-Modus ausgetragen wird.

Eine Runde weiter ist der VfB also auf jeden Fall, eine möglichst gute Platzierung in der Abschlusstabelle der Europa League strebt er trotzdem an. Aus rein sportlichen Gründen, aber ebenso, um eventuell einen Vorteil daraus zu ziehen. Der Modus sieht vor, dass die Mannschaften auf den Plätzen neun bis 16 gesetzt sind und im Rückspiel Heimrecht gegen die Teams auf den Rängen 17 bis 24 genießen. „Je höher die Platzierung ist, umso gefühlt schwächer ist der nächste Gegner“, sagt Wohlgemuth.

Eine Garantie auf eine günstige Konstellation stellt aber auch das nicht dar, wie Ermedin Demirovic weiß: „Im vergangenen Jahr ist Paris Saint-Germain gerade noch als 24. weitergekommen und hat am Ende die Champions League gewonnen.“ Alles möglich, soll das heißen. Wobei der eingewechselte Stürmer im gleichen Atemzug betont: „Wir können selbstbewusst genug sein, um sagen zu können: Egal gegen wen wir kommen, wir können weiterkommen.“

Der VfB-Torjäger Deniz Undav kann es nicht fassen. Er vergibt schon wieder eine Chance. Foto: IMAGO/IPA Sport

Dass es für die Stuttgarter auf internationaler Bühne nicht besser aussieht, liegt an einer Schwäche. Auswärts erzielt die Elf von Trainer Sebastian Hoeneß zu wenig Treffer. In Basel stand die Null, in Istanbul ebenso und nun in Rom – allerdings immer auf der falschen Seite. Keine Tore, keine Punkte. So einfach lautet die Rechnung bisher. Nur in Deventer traf der VfB und siegte. „Es ist einfach so, dass wir die Effizienz, die wir in der Liga haben, in der Europa League nicht haben. In der Liga sind wir eine der Mannschaften, die am meisten Tore erzielt hat. Das haben wir leider in der Europa League vermissen lassen“, sagt Hoeneß.

Es fehlt an Kaltschnäuzigkeit, was sich diesmal an Deniz Undav gezeigt hat. Der Angreifer vergab die besten Chancen auf ein Unentschieden. Ein Versäumnis, das dazu führt, dass mit dem Blick auf die Entwicklung der Mannschaft einmal mehr festzuhalten bleibt: Dem VfB wurde wieder eine internationale Lehrstunde erteilt. „Ja, in solchen Spielen braucht es mehr Cleverness“, sagt Jeff Chabot. Der Abwehrspieler meint dabei jedoch nicht nur die Kollegen in den vorderen Reihen, sondern ebenso in den hinteren.

Beim ersten Tor von Niccolo Pisilli (40.) öffneten die Stuttgarter zu viel Raum auf der linken Seite. Zwischen Maximilian Mittelstädt und Chema ging der entscheidende Pass hindurch. Pisillis zweiter Treffer in der Nachspielzeit war dem hohen Risiko geschuldet. Der VfB rückte weit auf, um noch den Ausgleich zu erzielen. Dennoch erkennt Chabot ein saisonübergreifendes Muster auf den Reisen in die großen Fußballtempel: „In Madrid, Istanbul und jetzt Rom haben wir jeweils gut gespielt, aber nichts geholt.“

Lob für die Leistung tut grundsätzlich ja gut, aber für den VfB schmeckt das Resultat bitter. Denn zur Wahrheit gehört: „Das war unerbittlicher, effizienter italienischer Fußball“, sagt Wohlgemuth über die Vorstellung der Römer. Calcio à la Gian Piero Gasperini. Vollgas in Manndeckung über den ganzen Platz. Damit kommen die Stuttgarter nur schwer zurecht. Weshalb Hoeneß sehr wertschätzend über die Arbeit seines Kollegen spricht, die sich auf den europäischen Fußball niederschlägt und auch den VfB-Coach beeinflusst, vielleicht sogar inspiriert.

Der VfB soll ein Stück weit auch so werden wie die AS Rom in ihren besten Momenten unter Gasperini. Abgezockt in der ganzen Vorgehensweise – dabei konsequent in der Abwehr und kühl im Angriff. Das sind Elemente, die Spitzenmannschaften auszeichnen und der VfB am liebsten schon am Sonntag (15.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach in sein Spiel einbauen möchte.

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