Gleiches dürfte für Pascal Stenzel gelten. Über weite Teile der Saison Edelreservist, durfte der Abwehrspieler nach seinem Einsatz in Leverkusen (über 84 Minuten) gegen Bochum über die volle Distanz ran. Stenzel hat sich fürs Erste auf der rechten Abwehrseite festgespielt. Eine überraschende Wendung in diesem Saisonverlauf, der Spieler aus der Versenkung spült, die lange niemand mehr auf der Rechnung hatte.
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Wie auch Erik Thommy. Der Name des Mittelfeldspielers fiel zuletzt immer als einer der Ersten, wenn es darum ging, wer den VfB noch verlassen könnte. Nun kam auch er gegen Bochum mal wieder zu einem (wenn auch kurzen) Einsatz. Dem ersten seit September. „Er ist ein Vollprofi“, lobte Matarazzo den 27-Jährigen, „er gibt immer Vollgas, er bleibt an Bord.“ So schön es für das Trio Karazor, Stenzel und Thommy sein mag, nach Monaten der Abstinenz wieder mitmischen zu dürfen: Ihre Beförderung spricht nicht für den Rest der Mannschaft.
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Ursprünglich waren andere für tragende Rollen vorgesehen, allen voran aus der viel gepriesenen nächsten Generation der VfB-Marke „Jung und wild“. Namentlich: Tanguy Coulibaly, Nikolas Nartey, Roberto Massimo, Mateo Klimowicz, Enzo Millot, Lilian Egloff, Naouirou Ahamada, Ömer Beyaz, Wahid Faghir, Alexis Tibidi und Clinton Mola. Dazu Daniel Didavi als Einziger aus dem Team Erfahrung.
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Doch sie alle haben ihre Rolle noch immer nicht gefunden. Auch nach 23 Spieltagen nicht. Und das aus unterschiedlichen Gründen. Eine Fraktion kommt die ganze Saison hinweg (teils noch länger) körperlich einfach nicht in Tritt. Entweder weil wie im Fall Naouirou Ahamada oder Nikolas Nartey ein Wehwehchen das nächste jagt. Oder sich langwierige Verletzungen als so hartnäckig erweisen, dass auch nach Monaten kein geregelter Trainings- und Spielbetrieb möglich erscheint: Lilian Egloff (ausgeheilter Mittelfußbruch), Enzo Millot (überstandener Innenbandriss im Knie) und Clinton Mola (chronische Hüftprobleme) können ein Lied davon singen. Dann gibt es noch die Fraktion derer, die zwar über spielerische Anlagen, aber offenbar nicht über die richtige Einstellung verfügt, um im Kampf gegen den Abstieg einen Mehrwert zu bieten.
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Trainer Matarazzo hat das kürzlich so umschrieben: „Es braucht Spieler, die Bindung zu ihren Mitspielern haben, die eine Einheit auf dem Platz sind und die Aufgaben gemeinsam lösen. Elf Einzelspieler ohne Bindung zu ihren Mitspielern sind nicht synergetisch genug, um schlagkräftig zu sein.“ Die Grüße gingen raus an Tanguy Coulibaly, Mateo Klimowicz oder Roberto Massimo. Letzterer stand gegen Bochum nicht im Kader, weil er sich, so Matarazzo, nach einer Erkrankung im Training „nicht genug präsentiert“ habe. Der kürzlich noch wild aufspielende Alexis Tibidi wurde am Wochenende zur zweiten Mannschaft degradiert. Aus „disziplinarischen Gründen“, wie es ohne weitere Begründung hieß. Blieben Ömer Beyaz, der nach einem vielversprechenden 30-Minuten-Auftritt zum Rückrundenbeginn in Fürth wieder in der Versenkung verschwunden ist, und Wahid Faghir. Der Däne konnte auch nach sieben Monaten in Stuttgart seine athletischen Probleme noch nicht überwinden. Er bekam nach intensiven Einheiten eine „Verschnaufpause“ von Matarazzo, der von Faghir nun erwartet, „dass er eine Reaktion zeigt“.
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Zu all den genannten Problemen gesellt sich eine Vielzahl an Coronainfektionen. Aktuell sind Tanguy Coulibaly, Enzo Millot und Daniel Didavi betroffen. 21 Fälle listet das Portal Fussballverletzungen.com seit Pandemiebeginn für den VfB Stuttgart auf. Nur bei Hertha BSC und dem FC Bayern München schlug Corona noch härter zu.
Startelf gegen Bochum war fast ein Jahr älter
So kommt es, dass es aus dem einstmals so großen wie vielversprechenden Talentschuppen – und dem jüngsten Kader der Liga – die Verantwortung im Kampf gegen den Abstieg auf weniger und erfahreneren Schultern verteilt wird. Im Spiel gegen den VfL Bochum betrug das Durchschnittsalter der Startelf 24,5 Jahre. Es lag damit fast ein Jahr über dem bisherigen Altersschnitt aller eingesetzter Spieler.
Mentalität statt Talent – auch so ließe sich die Devise für den Rest der Saison formulieren.