VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga Was ist dran an Barics „Kommt Friehling, kommt VfB“?
Das Zitat des ehemaligen VfB-Trainers Otto Baric wurde vielfach überliefert. Inwiefern trifft die Aussage beim Blick auf die Statistik des VfB Stuttgart zu?
Das Zitat des ehemaligen VfB-Trainers Otto Baric wurde vielfach überliefert. Inwiefern trifft die Aussage beim Blick auf die Statistik des VfB Stuttgart zu?
Auch wenn sich das herrliche Wetter der vergangenen Tage verabschiedet hat: der Frühling, er ist da. Die Natur erwacht, die Knospen sprießen, die Tage werden länger. Was das mit dem Sportteil zu tun hat? Die Antwort führt in die Mercedesstraße. Auch in diesem Jahr scheint sich ein Phänomen zu wiederholen, das vom früheren VfB-Trainer Otto Baric in so einfachen wie zutreffenden Worten überliefert ist: „Kommt Friehling, kommt VfB.“
Der legendäre Spruch des exzentrischen Kroaten stammt aus dem Spätwinter der Saison 1985/86. Verbunden war damit die Hoffnung, dass nicht nur die Temperaturen bald steigen würden, sondern auch der Punktestand des VfB Stuttgart. Bis dahin hatte sich die Mannschaft, die ein Jahr zuvor noch Deutscher Meister geworden war, eher mittelprächtig durch die Saison geschleppt. Als der März gerade angebrochen war, war Baric auch schon entlassen. Erst sein Nachfolger Willi Entenmann sollte das Orakel Wirklichkeit werden lassen. Bei den Spielern kamen Frühlingsgefühle auf, der VfB setzte zur Aufholjagd an. Am Ende wurde er Fünfter und erreichte das Pokalfinale in Berlin, das er jedoch gegen Bayern München mit 2:5 verlor.
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Fast hellseherische Fähigkeiten muss man Otto Baric auch 36 Jahre später attestieren. Nach einer weitgehend verkorksten Saison mit viel Verletzungspech drehte der VfB mit den letzten kalten Tagen des Jahres 2022 auf. In der März-Tabelle (so etwas gibt es wirklich) liegt das Team von Pellegrino Matarazzo vor dem Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld (Samstag, 15.30 Uhr) mit sieben Punkten aus drei Spielen hinter Eintracht Frankfurt auf dem zweiten Platz.
Rückblickend lag Baric mit seiner These, die genau genommen gar keine war, sehr häufig richtig. Meist heimste der VfB dann die Punkte ein, wenn es auf die Zielgerade der Bundesligasaison ging. 1988 war das so, auch 1991, 1992, 2003, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012 und 2018 drehte der VfB zwischen März und Mai richtig auf. Demgegenüber verzeichnet die Statistik auch einige Einbrüche. Doch deutlich weniger als Aufschwünge.
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In diesem Jahr gibt es für das späte Frühlingserwachen eine recht simple Erklärung: Die vielen Verletzten sind wieder gesund und haben sich in Form gespielt. Und generell? „Wir machen es ja nicht absichtlich, dass wir schlecht anfangen und uns dann erheblich steigern,“ versuchte der langjährige Kapitän Christian Gentner das VfB-Phänomen einmal zu ergründen. Tatsächlich gehört auch das zur Geschichte: Dass dem Frühlingserwachen in Stuttgart meist eine heftige Herbstdepression vorausgeht.
Gentner, der heute beim FC Luzern spielt, erinnerte an Zeiten, in denen Neuzugänge immer erst spät zur Mannschaft stießen. Bis sie richtig Fuß fassten, war es Winter. Und meist schon der erste VfB-Trainer entlassen. Ein weiterer Erklärungsansatz zielt auf die oftmals hohe Erwartungshaltung vor der Saison. Frühere VfB-Mannschaften scheiterten regelmäßig an dem Anspruch, dass der Verein doch ein Kandidat für Europa sei. Erst als ihnen an Weihnachten das Wasser bis zum Hals stand, drehten sie auf und retteten oftmals noch gerade so die Saison.
Wiederholt sich jetzt die Geschichte? Durch den jüngsten Sieg gegen den FC Augsburg (3:2) hat sich die Ausgangslage im Abstiegskampf deutlich verbessert. Angespannt ist die Lage nach wie vor. „Wer jetzt in der kritischen Phase die Punkte holt, der schafft es am Ende meistens auch“, meint Karlheinz Förster. Der 63-Jährige war damals Teil der Mannschaft, als der sprücheklopfende Trainer (Spitzname: Otto Maximale) in kroatischem Slang angeblich den Friehling herbeisehnte. „Ehrlich gesagt kann ich mich an die Aussage gar nicht erinnern“, sagt Förster heute.
Der damalige Vorstopper hat von seinem Ex-Trainer nur die Worte „Kommt Sonne, kommt Pajo“ im Ohr. Bezogen auf den Neuzugang Pedrag Pasic, genannt Pajo. „Wir haben damals lange auf sein erstes Tor warten müssen“, erinnert sich Förster. „Als er endlich getroffen hat, hat die Sonne gescheint und dann hat der Otto das so gesagt.“ Vielleicht sei das mit „Kommt Friehling, kommt VfB“ nur eine Ableitung durch Journalisten gewesen. Endgültig klären lässt sich der Sachverhalt nicht mehr. 2020 ist Baric gestorben. Wie auch immer: Der Spruch hat sich verselbstständigt und ist bis heute unter VfB-Fans ein gern zitierter Gag. Sie werden hoffen, dass das Frühlingserwachen ihrer Mannschaft nicht so abrupt zu Ende geht wie zurzeit beim Wetter.