VfB Stuttgart In Schräglage

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Gute Außenverteidiger sind rar – weshalb auch der VfB Stuttgart schon seit einiger Zeit rechts und links hinten Problemzonen aufweist. „Das liegt auch daran, dass die Definition, was ein Außenverteidiger alles leisten soll, gar nicht so klar ist“, sagt Robin Dutt.

Auf die Pelle gerückt: der VfB-Verteidiger Adam Hlousek (rechts) bekämpft den Augsburger Raúl Bobadilla. Foto: Getty
Auf die Pelle gerückt: der VfB-Verteidiger Adam Hlousek (rechts) bekämpft den Augsburger Raúl Bobadilla. Foto: Getty

Stuttgart - So ein Mangel an guten Außenverteidigern kann einen Trainer ganz schön kreativ werden lassen. Joachim Löw, anerkannter Fußballästhet und Bundestrainer, hat sein Dilemma zum Beispiel dadurch gelöst, dass er bei der WM in Brasilien zeitweise einfach vier Innenverteidiger in seine Viererkette gestellt hat.

Eine sogenannte Ochsenabwehr würde Huub Stevens natürlich auch gefallen. Doch der Chefcoach des VfB Stuttgart hat gegenüber Löw den kleinen Wettbewerbsnachteil, dass er in seinem Kader aktuell gar nicht über vier Innenverteidiger verfügt. Es sind nur drei, weil Antonio Rüdiger nach seiner Meniskusoperation noch nicht wieder zur Verfügung steht. Aber diese drei sind auch schon zusammen aufgereiht worden: Schwaab-Baumgartl-Niedermeier.

Stevens probiert Dreierkette mehrfach aus

Dreierabwehrkette nennt sich das – und Stevens hat sie in der Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde verstärkt üben lassen. Im Training, in Testspielen, mit der Tendenz: die Problemzonen auf den Seiten haben sich damit nicht wirklich beseitigen lassen, sie wurden nur etwas weiter nach vorne geschoben. Denn seit langem fehlt dem VfB nicht nur die Balance zwischen Defensive und Offensive in seinem Spiel, die Stuttgarter geraten auch immer wieder in eine instabile Seitenlage, weil die Außenverteidiger nicht funktionieren wie sie sollen.

Einem Adam Hlousek ist dabei aber gar kein Vorwurf zu machen, auch einem Kon­stantin Rausch oder Gotoku Sakai nicht. Und am allerwenigsten Daniel Schwaab und Florian Klein. Sie bringen sich mit all ihren fußballerischen Fähigkeiten ein. Kämpfen, rennen den Flügel rauf und runter, rücken bei Spielverlagerungen des Gegners ein, flanken so gut sie können – und entkommen trotz der ganzen Bemühungen doch dieser einen gemeinen Frage nicht: Ob es sich bei ihnen überhaupt um Außenverteidiger von Format und modernen Zuschnitts handelt.

„Grundsätzlich liegt das auch daran, dass die Definition, was ein Außenverteidiger alles leisten soll, gar nicht so klar ist“, sagt Robin Dutt. Der neue Sportvorstand des VfB, der auch der alte Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes ist, unterscheidet beim Stellenprofil in Basis- und Zusatzaufgaben. Was also muss ein guter Außenverteidiger können?

Dutt sieht einen Kaltz-Abramczik-Verschnitt als ideal an, einen defensiv zweikampfstarken Flankengott . Doch wenn der Trainer Huub Stevens heißt, die Mannschaft in 17 Begegnungen schon 32 Gegentreffer hat hinnehmen müssen und der Club als Tabellen-15. um den Verbleib in der Bundesliga bangt, dann lautet die eindeutige Anforderung: ein Verteidiger muss zunächst einmal verteidigen können.

Schwaab und Hlousek als Außenverteidiger

Schwaab rechts und Hlousek links machen das zurzeit am besten und werden wohl mit Timo Baumgartl und Georg Niedermeier im Zentrum am Samstag gegen die schnellen und spielstarken Gladbacher als Abwehrkette einigen Zerreißproben unterzogen. Sicher ist dabei jedoch nur, dass Stevens ihnen genau erklärt hat, welche Kernkompetenz er ihnen abverlangt.

Während des Trainingslagers in Portugal hat der Trainer 23 ausführliche Einzelgespräche mit den Spielern geführt. Nur Filip Kostic und Oriol Romeu blieben in Lagos außen vor, weil sich Stevens erst in dieser Woche samt Dolmetschern mit ihnen zusammensetzen wird. Auch der Japaner Sakai wird nach dem unerwartet frühen Aus beim Asiencup in Australien schon bald detailliert aufgezeigt bekommen, was sich das Trainerteam von ihm erwartet.

Sollten Patrick Herrmann, Thorgan Hazard oder André Hahn ihren Gegnern also am Samstag davonlaufen, wird sich keiner der Abwehrspieler damit herausreden können, den Trainer nicht verstanden zu haben. Vermutlich werden sich die Zuschauer im Stuttgarter Stadion dann jedoch einmal mehr darüber wundern, warum es der VfB eigentlich nicht schafft, diese offensichtlichen Leerstellen in der Profi-Elf qualitativ zu füllen, vorzugsweise mit selbst ausgebildeten Nachwuchskräften, denen man zumindest die Stellungsfehler verzeiht.

Nun wird der Umgang mit der Mangelerscheinung auf übergeordneter Ebene zwangsläufig bei Dutt landen, dem neuen Mann für die konzeptionellen Zukunftslösungen. Und der Sportchef ist schon dabei, sich einen genauen Überblick über die Toptalente in Stuttgart zu verschaffen. Auch, um eventuell die Ausbildungsziele in der Jugendarbeit zu justieren. „Denn immer wenn etwas fehlt im Fußball, dann gibt es auch eine Anpassung“, sagt Dutt. Fragt sich nur, wie lange es dauert, bis die Schräglage des VfB endgültig behoben ist.




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