VfB Stuttgart Kaminski konzentriert sich auf die Kleinigkeiten

Marcin Kaminski mischt jetzt richtig mit beim VfB – und nicht nur beim Tipp-Kick. Foto: Baumann
Marcin Kaminski mischt jetzt richtig mit beim VfB – und nicht nur beim Tipp-Kick. Foto: Baumann

Erst ganz weit weg, jetzt mittendrin: Wie sich Abwehrspieler Marcin Kaminski in die Startelf des VfB Stuttgart gearbeitet hat.

Stuttgart - Es ist ja nicht so, dass es Marcin Kaminski leicht gehabt hätte bislang in Stuttgart. Nicht in der ersten Phase dieser Saison, als der polnische Abwehrspieler kaum eine sportliche Rolle beim VfB spielte. Und nicht am Mittwochabend dieser Woche, als der Freundeskreis des Vereins sein 40-Jahr-Jubiläum feierte.

Die Profis und Trainer waren zu Gast im Römerkastell, saßen gleichmäßig verteilt an den Tischen der Mitglieder und Gäste, und hatten meist keine Mühe, ein bisschen Small-Talk zu halten. Kaminski hatte etwas mehr Mühe. Der Abwehrspieler saß am Tisch von Entertainer Michael Gaedt – und der versuchte erst gar nicht, mit dem Polen hochdeutsch zu reden. Gaedts Amtssprache ist Schwäbisch, und Kaminski sagt am Tag danach: „Ich habe so gut wie nichts verstanden.“ Was sein Trainer sehen will, hat er dagegen längst begriffen.

Erst keine Sekunde, nun viermal 90 Minuten

Davon zumindest muss man ausgehen, wenn man die Statistiken der vergangenen vier Zweitligaspiele des VfB studiert. Viermal stand Marcin Kaminski in der Startelf, viermal spielte er 90 Minuten lang durch, dreimal siegten die Stuttgarter, einmal spielten sie Unentschieden. Erstmals gehörte er übrigens im Auswärtsspiel beim Karlsruher SC zur Anfangsformation. Ausgerechnet. Im hoch brisanten Derby.

Marcin Kaminski lächelt, wenn er auf sein Zweitligadebüt für den VfB angesprochen wird. Keine Sekunde hatte er bis dahin gespielt, meilenweit weg von der Startelf schien der Pole zu sein. Doch dann hatte er schon eine Vorahnung, als Trainer Hannes Wolf seinen Spielern die taktische Formation für das Derby präsentierte. „4-1-4-1“, erinnert sich Kaminski, „da dachte ich, es könnte was passieren für mich.“ Es passierte was – aber anders, als sich der gelernte Innenverteidiger wohl gedacht hatte. Kaminski spielte auf der Sechs in der defensiven Mittelfeldzentrale. „Das war dann die nächste Überraschung“, sagt er, „in der Abwehr sind meine Abläufe einigermaßen automatisiert, im Mittelfeld hatte ich vor einigen Jahren aber auch schon gespielt.“ Inzwischen hat er seinen Stammplatz in der Reihe der Verteidiger. Aber was heißt schon Stammplatz?

Stammplätze gibt es bei Hannes Wolf nicht

Diese Arbeitsplatzbeschreibung gibt es in Wolfs Rudel im Prinzip nicht. Jede Woche bastelt der Coach auf da Neue an seiner Aufstellung, jede Woche richtet er sein Team taktisch neu aus. „Das ist nicht immer einfach“, sagt Kaminski, „aber wir müssen dafür bereit sein.“ So, wie es der Sommer-Zugang war, als er gegen Karlsruhe endlich randurfte.

Trotz der frustrierenden Anfangszeit in Stuttgart habe er nie an der Richtigkeit seines Schrittes von Lech Posen zum VfB gezweifelt, versichert er. Stattdessen habe er „immer weiter gearbeitet“, sich „im Training angeboten“ und versucht, sich möglichst wenig Gedanken über die Gesamtsituation zu machen. All das hat sich nun erst einmal ausgezahlt. Trainer Wolf stellt den 1,92-Meter-Hünen nicht nur an die Seite von Timo Baumgartl (Kaminski: „Einen Abwehrchef gibt es nicht, wir müssen alle Verantwortung übernehmen“), er hat auch das eine oder andere Lob parat. So, wie am vergangenen Montag nach dem 3:1-Erfolg des VfB gegen den 1. FC Nürnberg: „Seine Entwicklung ist sehr positiv, er ist im Passspiel sehr sicher und gut in der Luft.“ Aber natürlich ist da auch noch jede Menge Luft nach oben.

Kaminski lebt in der Stuttgarter City

Im Gegensatz zur ersten polnischen Liga musste sich Kaminski vom Start weg an das höhere Spieltempo in der zweiten deutschen Spielklasse gewöhnen. „Man muss hier gedanklich viel schneller sein“, hat er festgestellt. Dazu kamen dann noch die Anforderungen von Hannes Wolf, der von seinen Defensivkräften einen offensiven Verteidigungsstil verlangt. Gegen den Club aus Nürnberg ist Kaminski einmal zurückgewichen statt aktiv zu attackieren – prompt fiel der Anschlusstreffer. „Ich muss weiter arbeiten und die kleinen Dinge richtig machen“, hat er sich für die nähere Zukunft vorgenommen.

Gelingt ihm das, bestehen erst Recht keine Zweifel mehr am Abenteuer Stuttgart. Die Stadt – der 24-Jährige wohnt mit seiner Freundin in der City – hat Kaminski nämlich längst ins Herz geschlossen. „Ich kannte Stuttgart vorher nicht“, sagt er, „aber es gefällt uns hier sehr gut.“ Und das mit der Sprache wird auch immer besser. Marcin Kaminski versichert: „Ich lerne fleißig Deutsch.“ Und sicher auch ein bisschen Schwäbisch. Für das nächste Treffen mit Michael Gaedt.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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