VfB Stuttgart Kehrt der VfB Deutschland zurück? 9 Stuttgarter im WM-Check
Die nächsten Länderspiele rücken näher – und viele VfB-Profis stehen im Fokus der DFB-Elf. Allerdings mit unterschiedlich großen Chancen, bei der WM dabei zu sein.
Die nächsten Länderspiele rücken näher – und viele VfB-Profis stehen im Fokus der DFB-Elf. Allerdings mit unterschiedlich großen Chancen, bei der WM dabei zu sein.
Noch sind es zweieinhalb Wochen bis zur nächsten Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft. Dann wird der Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen Kader für die Länderspiele Ende März in der Schweiz (27. März in Basel) und in Stuttgart gegen Ghana (30. März) bekannt geben. Davor trifft sich die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Herzogenaurach – und die eingeladenen Spieler dürfen sich, laut einem Interview des Bundestrainers Julian Nagelsmann mit dem Fachmagazin „Kicker“, große Hoffnungen auf die WM-Teilnahme im Sommer machen. Vom VfB Stuttgart haben sich zuletzt wieder eine Reihe von Profis mit starken Leistungen für die Nationalelf empfohlen. Steht die Rückkehr zum VfB Deutschland an? Ein Überblick über ihre Perspektiven.
Alexander Nübel: Der VfB-Torhüter nimmt zurzeit die Rolle des Ersatzmannes ein – hinter Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim. An dieser Konstellation wird sich für Alexander Nübel erst einmal nichts ändern. „Natürlich wird Oli im März im Tor stehen und es wieder gut machen. Trotzdem ist mein Job immer, die Gesamtgemengenlage zu betrachten“, sagt Nagelsmann. Marc-André ter Stegen (FC Girona) ist wieder verletzt. „Wenn man seine Historie bei der Nationalmannschaft sieht, wäre er jetzt dran gewesen. Das Buch ist auch noch nicht ganz zu, aber es steht außer Frage, dass es super knapp wird“, so der Bundestrainer zur verhinderten Nummer eins. Für Nübel bedeutet das allerdings nicht, dass er sich sicher fühlen kann. Es gibt weitere Konkurrenten wie den Freiburger Noah Atubolu.
Jeff Chabot: Der VfB-Abwehrchef ist einer der Stabilitätsfaktoren dieser Saison und wurde immer wieder mit der DFB-Elf in Verbindung gebracht – unter anderem von Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus. Dass Jeff Chabot Linksfuß ist, stellt zudem sicher keinen Nachteil dar: Abgesehen vom Dortmunder Nico Schlotterbeck gibt es derzeit nämlich keinen in der deutschen Innenverteidigung. „Und wir hatten Riesenprobleme in der Spieleröffnung, wenn er nicht gespielt hat“, sagt Nagelsmann, „wir müssen uns darauf vorbereiten, was passiert, wenn Nico mal nicht spielen kann.“ Just in puncto Spieleröffnung attestierte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß Chabot zuletzt deutliche Fortschritte. Als Schlotterbeck-Backup könnte sich also eine Türe öffnen. Am Wochenende fehlte Chabot aber angeschlagen.
Finn Jeltsch: Dass der junge Innenverteidiger (19) im erweiterten Fokus der A-Nationalelf steht, ist kein Geheimnis. „Er ist natürlich ein sehr gutes Talent“, hatte Nagelsmann bereits vergangenen Sommer betont und Finn Jeltschs Entwicklung gelobt. Zugleich sei er, so der Bundestrainer, ein Freund davon, einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Die WM dürfte für den Stuttgarter noch etwas früh kommen, für die Zeit danach steht aber fest: Ihm gehört die Zukunft.
Josha Vagnoman : Der Rechtsverteidiger spielt eine stabile Saison beim VfB und hat etwas überraschend meist die Nase vorne gegenüber Sommer-Neuzugang Lorenz Assignon. Und: Rechts hinten ist Nagelsmann nicht restlos überzeugt von zwei Leipziger Kandidaten: Benjamin Henrichs war lange raus (Achillessehnenriss mit einem Jahr Pause) und benötigt noch Spielpraxis, Ridle Baku hat nicht ganz die Form der Hinrunde. Über Josha Vagnoman sagt der Bundestrainer: „Er ist körperlich gut drauf ist, spielt fast immer beim VfB und macht das auch ordentlich.“ Vagnomans Profil gilt als interessant, da er hohes Tempo mit defensiver Seriosität vereint. Bleibt er verletzungsfrei, könnte er die Überraschungsnominierung werden. Zuletzt aber musste er wegen Oberschenkel-Problemen aussetzen.
Maximilian Mittelstädt: Der Linksverteidiger ist zuletzt nicht mehr für das DFB-Team berücksichtig worden, obwohl er solide Leistungen im Nationaltrikot abgeliefert hat. Doch im Moment stehen der Leipziger David Raum und der Frankfurter Nathaniel Brown vor Mittelstädt. Vor allem Raum mit seiner Emotionalität hat es Nagelsmann angetan. Der 27-Jährige ist einer, der sich auf dem Platz energisch in die Mannschaft und außerhalb des Rasens viel in die Gruppe einbringt. Zudem ist er ein starker Vorbereiter. Brown überzeugt mit seiner Dynamik und hat sich in der Defensive verbessert. Mittelstädt hat es da schwer. Zumal er zuletzt bei den Stuttgartern auch mal auf der Bank saß.
Angelo Stiller: Der Dreh- und Angelpunkt im Stuttgarter Spiel. Dazu agiert Angelo Stiller konstant auf hohem Niveau. Der Bundestrainer hält auch viel von dem 24-Jährigen. Allerdings benennt Nagelsmann bei der Kader-Zusammenstellung auf den zentralen Mittelfeldpositionen ein Problem: „Ich habe tatsächlich elf Sechser auf meiner Liste. Alles Weltklasse-Fußballer, aber alle mit einer ähnlichen Grundstruktur.“ Es sind Passspieler. Der Bundestrainer vermisst einen „richtig stabilen, zweikampfstarken Sechser – auch in der Luft“. Daraus ergibt sich die Konstellation, dass Joshua Kimmich (FC Bayern) mangels Alternativen als Rechtsverteidiger vorgesehen ist. Der Münchner Aleksandar Pavlovic und der Dortmunder Felix Nmecha stehen aktuell vor Stiller. Und ein anderer Spieler nimmt aufgrund seines Profils eine Sonderstellung ein. „Stand jetzt wird Leon Goretzka, trotz weniger Spielzeit bei Bayern, gute Chancen haben zu spielen“, sagt Nagelsmann.
Jamie Leweling: Der Flügelstürmer befindet sich in starker Form. Jamie Leweling sprintet mit seinem Vorzeigekörper aber nicht nur die Außenlinie entlang, der 25-Jährige erzielt für den VfB immer mehr Tore. Sieben sind es bereits in der laufenden Bundesliga-Saison. Dazu kommen sechs direkte Torvorbereitungen. So gut war der Angreifer noch nie – und in der Europa League steht er zudem mit drei Treffern da. Diese neue Abschlussstärke spricht für Leweling in der Nationalmannschaft. Zuvor schätzte ihn Nagelsmann bereits weger seiner körperlichen Wucht. Denn ansonsten hat der Bundestrainer viele feine Dribbler für die Flügel.
Chris Führich: Die Hinrunde verlief für den Flügelstürmer nicht wunschgemäß, inzwischen aber zeigt die Formkurve klar nach oben. Seit Monaten sorgt Chris Führich auf außen für Torgefahr, kommt in Dribblings immer wieder am Gegner vorbei und steht bereits bei drei Toren und drei Vorlagen in diesem Kalenderjahr. Aber: Die Konkurrenz in der Offensive ist groß – unter anderem mit Serge Gnabry (FC Bayern), Florian Wirtz (FC Liverpool), Karim Adeyemi (Borussia Dortmund) oder auch Teamkollege Jamie Leweling. An Leroy Sané dürfte Führich aber vorbeigezogen sein, der für Galatasary Istanbul in diesem Jahr noch kein Tor erzielt hat. Hält der Stuttgarter seine Topform, hat er WM-Chancen.
Deniz Undav: Der Stürmer befindet sich seit Monaten in Topform – und steht in dieser Saison wettbewerbsübergreifend bei 18 Toren und 11 Vorlagen, trotz einer mehrwöchigen Verletzungspause in der Hinrunde. Hinzu kommt: Die Kandidaten für das Angriffszentrum stehen nicht gerade Schlange: Der Gladbacher Tim Kleindienst fehlt seit Monaten verletzt, Niclas Füllkrug ist bei der AC Mailand kein Stammspieler, auch Kai Havertz fällt beim FC Arsenal in dieser Saison immer wieder aus. Zwar will Nagelsmann in jedem Fall einen großen Stürmer mit Lufthoheit zur WM mitnehmen, was der Ex-Stuttgarter Nick Woltemade sein könnte. Aber: Ein Kaderplatz für Deniz Undav bliebe in jedem Fall, der mit seinem Spielwitz auch nach Einwechslungen für frischen Wind sorgen kann. In seiner jetzigen Form gibt es an ihm kein Vorbeikommen.