VfB Stuttgart Neue Mittelstürmer? Es bahnen sich Änderungen an
Im Angriffszentrum des VfB wird sich in den kommenden Wochen einiges tun. Wie und mit wem Sebastian Hoeneß die nächsten Spiele angehen will.
Im Angriffszentrum des VfB wird sich in den kommenden Wochen einiges tun. Wie und mit wem Sebastian Hoeneß die nächsten Spiele angehen will.
Dass es auf bestimmten Positionen auch mal eng wird, ist im Laufe einer Saison das Normalste auf der Fußball-Welt. Aufgrund von Verletzungen, Ausfällen, Sperren. Beim VfB Stuttgart aber spitzt sich das Ganze derzeit im Angriffszentrum schon in besonderer Weise zu: Mittelstürmer sind rar gesät, seitdem Nick Woltemade den Verein verlassen hat, die Verpflichtung eines Nachfolgers platzte und sich Deniz Undav am Knie verletzte. Die Folge: In Ermedin Demirovic steht noch genau ein klassischer zentraler Angreifer zur Verfügung – und das nicht nur für das Bundesliga-Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) beim SC Freiburg, sondern über Wochen. Undav wird frühestens im Oktober zurückerwartet, Nachverpflichtungen wären erst wieder im Januar möglich.
Was zur Frage nach Lösungen im Hier und Jetzt führt. Zunächst: Dass Demirovic noch stärker in den Fokus rückt, liegt auf der Hand. Auch für Sebastian Hoeneß. „Klar ist es so, dass er da eine große Rolle einnehmen wird“, sagt der Stuttgarter Trainer, der sich vom 27-Jährigen die schon gezeigten Qualitäten erhofft: „Totalen Einsatz, sehr gute Pressing-Auslöser, eine hohe Schlagzahl im Anlaufen.“ Und natürlich Tore. In der Vorsaison war Demirovic mit 15 Bundesliga-Treffern der beste Torschütze des VfB, oft trifft er in typischer Strafraumstürmer-Manier mit dem ersten Kontakt. Die Einbindung ins offensive Kombinationsspiel war indessen in seiner ersten Saison in Stuttgart noch ausbaufähig, weshalb Demirovic bislang keinen unumstrittenen Stammspieler-Status inne hatte.
Seine Einsatzzeiten dürften sich jetzt erhöhen – was aber nichts daran ändert, dass weitere Optionen für das Sturmzentrum gefragt sind. Schließlich ist nicht davon auszugehen, dass Demirovic in den anstehenden englischen Wochen im Drei-Tages-Rhythmus jedes Spiel von der ersten bis zur letzten Minute absolviert – das werden die wenigsten Profis im Stuttgarter Kader tun. „Er ist ein Spieler, der sehr viel Belastung verträgt“, sagt Hoeneß, „und trotzdem müssen wir auch auf ihn aufpassen und uns Gedanken machen, wie wir die Position noch besetzen können.“
Aus Sicht des Trainers kommen dabei vor allem zwei Spieler für die Mittelstürmer-Rolle in Frage, die sonst auf dem Flügel ihre angestammte Heimat haben: Tiago Tomas und Jamie Leweling. „Das sind die, denen ich das zutraue und die in den nächsten Wochen und Monaten die Position häufig bekleiden werden“, kündigt Hoeneß an. Ein Kader-Kandidat ist zudem Mohamed Sankoh aus der U21, der in den ersten vier Drittliga-Saisonspielen als Mittelstürmer zweimal traf. „Er hat wirklich eine gute Entwicklung genommen in den letzten ein, zwei Jahren“, sagt Hoeneß, „natürlich haben wir ihn im Auge.“
In Freiburg aber wird Sankoh noch nicht dabei sein, fürs Erste plant Hoeneß im Sturmzentrum mit Demirovic sowie Tomas und Leweling als weiteren Optionen – mit denen sich das Stuttgarter Angriffsspiel ändern wird. Die beiden Flügelspieler sind keine Kopfball-Ungeheuer, auch keine prädestinierten Zielspieler in vorderster Linie zum Abschirmen des Balles – sie bringen aber im Gegenzug Tempo und Durchsetzungsfähigkeit im Eins-gegen-eins mit. Gleiches gilt für die beiden Neuzugänge Badredine Bouanani und Bilal El Khannouss, die auf dem Flügel und im zentralen offensiven Mittelfeld wirbeln sollen. Durch das Duo habe man nun andere Möglichkeiten als davor, sagt auch Hoeneß.
Womöglich also bietet der personelle Mittelstürmer-Engpass sogar die Chance auf mehr Flexibilität und Unberechenbarkeit. Mit unterschiedlichen Spielertypen, Umstellungen im Spielverlauf und einer geringeren Fokussierung auf den einen Fixpunkt im Sturm. Beim kommenden Gegner hat man die offensive Bandbreite beim VfB durch die Neuzugänge jedenfalls genau registriert. „Das macht es jetzt ein Stück weit anspruchsvoller“, sagt der Freiburger Trainer Julian Schuster mit Blick auf die Spielvorbereitung, „weil sie da mehrere Optionen haben, wie sie aufstellen können.“
Mindestens sechs Pflichtspiele wird der VfB in dieser Konstellation angehen bis zur nächsten Länderspielpause Anfang Oktober – vier in der Bundesliga, zwei in der Europa League. „Es ist jetzt unsere gemeinsame Herausforderung“, sagt Hoeneß, „die bestmögliche Idee zu entwickeln, die am besten auch zu uns passt. Und wird haben Möglichkeiten.“ Fest steht aber auch: Es wird reichlich Gegenwind geben am Samstag. SCF-Trainer Schuster fordert von seinem Team nach zwei Niederlagen zum Bundesliga-Auftakt „viel Energie und Intensität in den Zweikämpfen“ gegen den VfB – dessen neu formierte Offensive im Breisgau direkt vor einem ersten Gradmesser steht.