VfB Stuttgart Noch drei Wochen – wie sich der VfB in Final-Form bringen will

Lagebesprechung am Millerntor: Nick Woltemade, Sebastian Hoeneß, Deniz Undav und Chris Führich (von links). In der Bildergalerie sehen Sie weitere Eindrücke der Partie. Foto: Pressefoto Baumann

Der VfB nimmt aus dem Sieg beim FC St. Pauli neuen Schwung mit, will bis zum Pokalfinale aber weiter steigern. Wie Torhüter Alexander Nübel und Sportvorstand Fabian Wohlgemuth die Situation einschätzen.

Sport: David Scheu (dsc)

Als Torhüter hat Alexander Nübel von hinten meist das komplette Geschehen im Blick. Mitspieler und Gegner, alle Mannschaftsteile, das große Ganze. Und was der Schlussmann des VfB Stuttgart da im Spiel seines Teams beim FC St. Pauli sah, erinnerte ihn lange Zeit doch schwer an die Partie der Vorwoche gegen den 1. FC Heidenheim: „Wir haben uns wieder viele Chancen erarbeitet, in der Verwertung können wir aber besser sein.“ Ohne jeden Zweifel: In beiden Fällen spielte sich das Geschehen in weiten Teilen in des Gegners Hälfte ab, der VfB kam jeweils zu guten Möglichkeiten – vergab diese aber ein ums andere Mal.

 

Mit einem zentralen Unterschied in der Schlussphase: Anders als bei der 0:1-Niederlage gegen den FCH kassierte die Mannschaft von Sebastian Hoeneß in Hamburg kein spätes Gegentor – sondern hatte selbst den einen entscheidenden Moment auf ihrer Seite, als Nick Woltemade doch noch die Nerven behielt und zum 1:0-Siegtreffer einschob (88.). Hinter dem VfB liegen also zwei Spiele mit inhaltlichen Parallelen, aber am Ende grundverschiedenen Resultaten.

Zuletzt nur ein Sieg aus zehn Bundesliga-Spielen

Auf diese getrennte Betrachtung von Leistung und Ergebnis hatte Hoeneß zuletzt immer wieder gepocht und angemahnt, auch bei Niederlagen das Positive nicht zu unterschlagen – wohl wissend, dass das angesichts der jüngsten Sieglos-Serie von Woche zu Woche schwieriger wurde. Denn Resultate, daran hat sich bis heute nichts geändert, sind und bleiben eine entscheidende Währung im Profisport und prägen die Gemengelage wesentlich. Dass da nach nur einem Sieg aus zehn Stuttgarter Bundesligaspielen Unruhe und Unzufriedenheit zunahmen, erklärt sich quasi von selbst.

Sportchef Fabian Wohlgemuth fordert mehr Effizienz. Foto: Pressefoto Baumann

So überrascht die große Erleichterung nicht im Ansatz, die sich im VfB-Lager ob des Erfolgserlebnisses im hohen Norden breit machte. „Der Sieg“, betonte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, „ist für das Selbstbewusstsein, die Stabilität, die Trainingswoche und die Freude an der Arbeit extrem wichtig.“ Das gelte nicht zuletzt mit Blick auf das Endspiel im DFB-Pokal, so der Sportchef.

Knapp drei Wochen sind es noch bis zum alles überstrahlenden Endspiel in Berlin gegen Drittligist Arminia Bielefeld, dessen Ausgang maßgeblich über das Saisonfazit entscheiden wird. Gelingt der Titelgewinn und die Qualifikation für die Europa League? Oder wird es eine Saison im Mittelfeld unter den eigenen Möglichkeiten und Ansprüchen? Die Fallhöhe für den Favoriten ist beträchtlich, es steht viel auf dem Spiel – und beim VfB wollen sie unter allen Umständen vermeiden, mit einer sieglosen Phase und daraus resultierendem mentalen Ballast in das Schlüsselspiel gegen die Arminia zu gehen. „Wir müssen uns in eine gute Verfassung für das Pokalfinale bringen“, sagt Wohlgemuth, „und dazu gehören auch Ergebnisse.“

Am Millerntor war dieses Ergebnis ein hart erkämpftes. Spätestens mit der Gelb-Roten Karte gegen St. Paulis Siebe Van der Heyden wegen Handspiels (57.) wurde die Sache richtig hitzig, Schiedsrichter Florian Exner rückte in den Fokus und zog den Unmut der Gastgeber auf sich, zeigte deren Schlussmann Nikola Vasilj wegen Meckerns in der Schlussphase ebenfalls die Ampelkarte. Ein spielentscheidender Fehler war aber letztlich nicht dabei – und so sah Sebastian Hoeneß am Ende einen „verdienten Sieg“ seines Teams, das in zahlreichen Statistiken vorne lag. Von Torabschlüssen über Ballbesitz bis hin zur Passquote.

Gerade der Blick auf die Daten zeigt aber auch, wo noch Luft nach oben ist. Beinahe hätte man erneut aus der Überlegenheit kein Kapital geschlagen, die mangelnde Effizienz begleitet die Stuttgarter nun schon seit Wochen. Die besten Gelegenheiten in Hamburg vergaben Deniz Undav und Woltemade – wobei sich das mitnichten nur auf den verschossenen Elfmeter (60.) des späteren Siegtorschützen beschränkte. „An der Chancenverwertung müssen wir arbeiten“, fordert Wohlgemuth.

Noch ist etwas Zeit bis zum Pokalfinale. Der VfB will sie nutzen, sich weiter festigen und steigern. „Bis wir richtig in der Spur sind, brauchen wir noch zwei Wochen“, mahnt Torhüter Nübel. Das Heimspiel gegen den FC Augsburg am kommenden Sonntag (19.30 Uhr) und die Partie bei RB Leipzig am letzten Spieltag sind die Stationen auf diesem Weg, flankiert von Trainingseinheiten unter der Woche. Die Arbeit geht der VfB nun aber mit neuem Schwung an. Denn am Ende dieses Spieltags steht eine einfache wie zentrale Wahrheit, auch für Nübel: „Unter dem Strich haben wir mal wieder ein Spiel gewonnen. Und darauf kommt’s an.“

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