In den zwei Testspielen in Belek hat Shinji Okazaki drei Tore für den VfB erzielt. Das nährt die Hoffnung, dass der Japaner zum Rückrundenauftakt in Wolfsburg den Ausfall von Vedad Ibisevic kompensieren kann.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Der Wolfsburger Trainer Dieter Hecking, der mit seinem Team den VfB zum Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga empfängt, traut dem Braten einfach nicht. Zwar ist der Stuttgarter Toptorschütze Vedad Ibisevic (zehn Treffer) am Samstag mit der fünften Gelben Karte gesperrt, für Hecking ist das aber ein trügerischer Vorteil. „Dann kommt halt der Shinji Okazaki ums Eck – und schießt die Tore“, sagt der Wölfe-Coach, der im Trainingslager in Belek die Testspiele des VfB gegen Eskisehirspor (2:1) und Waalwijk (1:1) von zwei Scouts beobachten ließ.

In der Tat ist es für das kleine Kraftpaket aus Nippon, das bis vor zwei Jahren für den J-League Club Shimizu S-Pulse auf Torejagd ging, an der türkischen Riviera sehr gut gelaufen. Sämtliche drei Tore in den Tests gingen auf das Konto von Shinji Okazaki, der im 4-2-3-1-System des Trainers Bruno Labbadia hinter der Dreierkette Martin Harnik – Tamás Hajnal – Ibrahima Traoré den Zentrumsstürmer gab. Eine Position, auf die das Angriffsspiel der Stuttgarter zu weiten Teilen zugeschnitten ist.

Dass der 26-Jährige allein in vorderster Linie agiert, ist neu beim VfB. Denn in der Liga spielte Okazaki – anders als in der japanischen Nationalelf – noch nie die alleinige Spitze. Ungewohnt ist auch, dass der Japaner wie in Belek als Torschütze vom Dienst in Erscheinung tritt. Auf zehn Bundesligatore hat es der 1,74 Meter kleine Stürmer in zwei Jahren VfB gebracht – das ist zu wenig für einen Spieler mit den Ansprüchen Okazakis, der für Japan in jedem zweiten Spiel (58 Einsätze/29 Tore) traf.

„Mein größter Wunsch ist es, viele Tore für den VfB zu machen“, sagt der sonst so schweigsame Okazaki, der weiterhin wenig Deutsch spricht. Da er aber seinem fernöstlichen Naturell entsprechend in jedes Spiel wie in jede Trainingseinheit mit viel Disziplin und Engagement geht, ist er ein Profi nach dem Geschmack seines Chefcoaches. Okazaki ist einer, mit dem Bruno Labbadia mitleidet, wenn es nicht läuft.

Der Höhepunkt der Okazaki-Festtage

„Für ihn freut es mich ganz besonders, denn ich weiß, wie emsig er arbeitet“, sagte der Stuttgarter Trainer daher, als Shinji Okazaki Anfang Dezember im Anschluss an einen verschossenen Elfmeter von Vedad Ibisevic per Kopf der 1:0-Siegtreffer in Fürth gelang. Dieses Tor bedeutete aber schon den kurzen Höhepunkt der Okazaki-Festtage, hatte der Japaner doch auch zehn Tage zuvor in der mit 5:1 gewonnenen Europa-League-Partie bei Steaua Bukarest per Kopf zum 4:0 und später mit einem Rechtsschuss zum 5:0 getroffen. Okazakis erstes Tor wurde ihm dabei von seinem großen Intimus im Team aufgelegt: von Gotoku Sakai, der zuvor am japanischen Abend von Bukarest das 3:0 erzielt hatte.

„Das war bisher mit das schönste Spiel beim VfB“, sagt Okazaki, der in Stuttgart abseits des Platzes fast ausnahmslos an der Seite des Betreuers Takashi Kawagishi sowie seines Kollegen in der Nationalelf, Gotoku Sakai, anzutreffen ist. Dabei übernimmt Sakai – obwohl fünf Jahre jünger und um 55 Länderspiele unerfahrener als Okazaki – im Privatleben gerne die Führungsrolle.

„Niemand muss sich in Stuttgart sorgen um mich machen, eher ich mir um Shinji“, sagt Sakai mit einem Lächeln über den Landsmann, mit dem er mit dem Beatfish Hiro im Stuttgarter Westen kürzlich ein weiteres japanisches Restaurant ausfindig gemacht hat. „Dort schmeckt es gut“, macht der 21-Jährige gerne Gratiswerbung. Allerdings waren die schmackhaften Speisen nicht der Hauptgrund, weshalb der rechte Verteidiger dem VfB weiter die Treue hält.

In Belek verlängerte Sakai, der bisher lediglich vom japanischen Erstligisten Albirex Niigata ausgeliehen war, seinen Vertrag in Stuttgart bis 2016 – und sagt: „Erst jetzt fühle ich mich wie ein richtiger VfB-Profi. Es gab für mich keine Frage, dass ich auch künftig in Stuttgart spiele.“ Dies ist ein klares Bekenntnis angesichts des Umstandes, dass Sakai von diversen anderen Bundesligisten umworben wurde, darunter der Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund.

Doch der zweifache Familienvater Sakai ist wie der Kollege Okazaki ein bodenständiger und selbstkritischer Typ: „Ich hatte in der Vorrunde zu viele Schwankungen. Das will ich abstellen“, sagt der rechte Verteidiger, der gegen Wolfsburg nach seiner Roten Karte gegen Schalke noch gesperrt ist. Trotz aller unübersehbarer Qualitäten Sakais will der Trainer Dieter Hecking allerdings auch dies nicht als Vorteil für Wolfsburg werten.