VfB Stuttgart Orel Mangala macht sich einen Namen

Orel Mangala gelingt gegen Köln das zweitschnellste Tor in der VfB-Bundesligageschichte. Foto: Baumann

Der 22 Jahre junge Belgier ist beim VfB zu einer Stammkraft gereift. Mit seinem Treffer gegen den 1. FC Köln nach 24 Sekunden beschert der defensive Mittelfeldspieler den Stuttgartern zudem einen Rekord in der Bundesliga.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Die Freunde der gepflegten Statistik unter den VfB-Fans wissen längst, was sie an Orel Mangala haben. Beispiele gefällig? Mit gelaufenen 11,1 Kilometern pro Spiel führt der junge Belgier die teaminterne Wertung in Sachen Ausdauer an. Mangala ist nach Marc Oliver Kempf und Wataru Endo zudem der drittbeste Zweikämpfer beim Aufsteiger, im Spiel gegen Köln (1:1) kamen obendrein 87,3 Prozent seiner Pässe an. Nur der Kollege Pascal Stenzel passte am vergangenen Freitagabend gegen den FC genauer. Orel Mangala kann auch Eins-gegen-eins: Von seinen 25 in dieser Saison gestarteten Dribblings (der Spitzenwert beim VfB) waren 60 Prozent erfolgreich, was dem 22-Jährigen hinter dem Hertha-Brasilianer Matheus Cunha gar ligaweit den zweiten Platz in dieser Kategorie beschert.

 

Es ist also keine Frage: Orel Johnson Mangala, der Sechser aus dem Brüsseler Stadtteil Etterbeek mit familiären Wurzeln im Kongo, der mit vier Brüdern und zwei Schwestern aufwuchs, er ist drauf und dran, sich in der Bundesliga einen Namen zu machen. „Er hat eine ganz starke Partie abgeliefert“, lobte der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat den defensiven Mittelfeldspieler nach dem Remis gegen Köln. Tatsächlich hatte Mangala neben dem Japaner Wataru Endo im Maschinenraum der Stuttgarter ganze Arbeit abgeliefert.

Orel Mangala serviert ein besonderes Bonbon

Im Geisterspiel gegen den FC reichte Orel Mangala dem TV-Publikum obendrein noch ein besonders schmackhaftes Bonbon: Das war, als der U-21-Nationalspieler Belgiens bereits nach 24 Sekunden links oben ins Tor der Rheinländer traf. Sein 1:0 hat bis auf Weiteres als zweitschnellstes Bundesliga-Tor der VfB-Geschichte einen Platz in der Vereinschronik sicher. Nur der legendäre Fritz Walter war mit seinem 14-Sekunden-Treffer von 1989 gegen Waldhof Mannheim schneller.

„Ich habe mich riesig gefreut. Dieses Tor wird in meiner Erinnerung für immer bleiben“, sagt der Ex-Jugendspieler des RSC Anderlecht und von Borussia Dortmund über sein erstes Bundesliga-Tor im 25. Erstligaspiel.

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Im Sommer 2017 von Ex-Manager Jan Schindelmeiser zum Aufsteiger VfB geholt, wo der einstige Jugendtrainer aus BVB-Tagen, Hannes Wolf, der Chefcoach war, lief die Umleitung für Orel Managala nach einer Premierensaison mit 20 Bundesliga-Einsätzen über zwei Jahre zweite Liga. Zunächst spielte er eine Saison beim Hamburger SV, wo es mit dem Aufstieg am Ende nicht klappte. Dann folgte 2019 die Rückkehr nach Stuttgart mit dem direkten Wiederaufstieg Ende Juni.

„Ich freue mich, wieder in der ersten Liga zu spielen, denn darauf habe ich lange gewartet. Hier wird einfach ein qualitativ besserer Fußball gespielt“, sagt Mangala, der Kämpfer mit der guten Technik und der Ruhe am Ball. „Orel ist für sein Alter schon ein sehr wichtiger Faktor für unser Spiel. Gemeinsam mit Wataru Endo wird er der Verantwortung im defensiven zentralen Mittelfeld sehr gut gerecht“, sagt Sven Mislintat: „Überdies hat Orel eine sehr wichtige Funktion innerhalb der Gruppe der Französisch sprechenden Spieler.“

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Denn auch abseits des Platzes verbringt Mangala viel Zeit mit der „French Connection“ beim VfB, wie er sagt, also mit Tanguy Coulibaly, Silas Wamangituka, Momo Cissé und Naouirou Ahamada, der Leihgabe von Juventus Turin. Aber auch Atakan Karazor, Daniel Didavi und Gregor Kobel gehören zu seinen engeren Kumpels: „Die Stimmung in der Mannschaft ist bei uns schon lange positiv. Nach so einem Start ist sie aber noch einen Tick besser“, sagt Mangala vor dem Spiel am Freitag (20.30 Uhr) in Gelsenkirchen: „Schalke hat mehr Druck als wir.“

„Schalke hat mehr Druck als wir“

Offensiv immer anspielbar sein – und den Ball schnell laufen lassen. Defensiv viel Präsenz zeigen, in die Zweikämpfe gehen und, wenn möglich, auch offensiven Druck entwickeln, so umschreibt Mangala selbst seinen Job beim VfB. Mit fünf Startelfeinsätzen ist der 22-Jährige Stammspieler beim VfB – und schätzt die Arbeit seines Trainers Pellegrino Matarazzo sehr. „Der Trainer ist sehr gut. Er gibt uns viel Selbstvertrauen“, sagt Mangala: „Er gibt mir regelmäßig Tipps, was ich besser machen kann. Das ist mir sehr wichtig.“

Das Ziel ist die Nationalmannschaft

Schließlich hat der Belgier höchste Ansprüche („Die A-Nationalmannschaft ist mein größtes Ziel. Ich möchte mal WM, EM und Champions League spielen“) – und kommt diesen sportlich auch immer näher. Mangalas Vertrag läuft noch bis 2023. Entwickelt er sich konstant so weiter wie zuletzt, könnte die Cannstatter Fußballwelt irgendwann zu klein für den Mann sein, der dem Club mit seinem 24-Sekunden-Treffer einen Liga-Rekord beschert hat. 16 Bundesliga-Tore in der ersten Spielminute – die hat seit vergangenen Freitag nur der VfB zu bieten.

Übrigens: In der Bildergalerie finden Sie die schnellsten Tore der Vereinsgeschichte im Überblick.

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