VfB Stuttgart Pause im Fußball, und dann? Für den VfB eine Frage von großem Gewicht

Es wird eine Weile dauern, bis im Stuttgarter Stadion wieder Fußball vor großem Publikum gespielt wird. Foto: Baumann

In der Bundesliga ruht der Spielbetrieb. Und doch sind viele Fragen erst zu klären. Die wichtigste dabei, gerade für den VfB: Wie geht es nach der Pause weiter? Für die Stuttgarter steht sogar der Aufstieg auf dem Spiel.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Lange haben die Bosse des deutschen Profifußballs mit sich gerungen – nun ist der Spielbetrieb in der ersten und zweiten Bundesliga mit dem Entschluss vom Freitagnachmittag unterbrochen. Vorerst für zwei Spieltage, doch die Aussetzung dürfte länger andauern. Wie geht es danach weiter? Dies ist die große Frage, um welche die 36 Clubs der ersten und zweiten Bundesliga erstmals auf ihrer gemeinsamen Tagung an diesem Montag in Frankfurt am Main ringen werden. Vorab will sich keiner mit gewagten Statements aus dem Fenster lehnen.

 

Schließlich sind nach der Fußballpause diverse, ganz unterschiedliche Zukunftsszenarien denkbar. Und die hätten gerade für den VfB, der als Zweiter der zweiten Liga aktuell auf einem direkten Aufstiegsplatz liegt, ganz unterschiedliche Folgen. Dabei könnte es um nicht weniger als die sportliche Existenzfrage gehen: Sind die Stuttgarter in der nächsten Saison nun wieder ein Erst- oder weiterhin ein Zweitligist? Dies macht gerade mit Blick auf die Finanzen einen enormen Unterschied.

Szenario eins – die EM wird verschoben oder abgesagt

Für die Bundesligen wie für die übrigen europäischen Fußball-Ligen würde eine EM-Verschiebung oder Absage vor allem eines bedeuten: mehr Zeit. Bis zum Ende der aktuellen Saison (die Verträge der Spieler enden am 30. Juni) könnte dann versucht werden, die verbleibenden Spieltage der Ligen durchzudrücken.

Eine Verschiebung oder Absage der EM ist aber ein Szenario, das bislang kaum öffentlich thematisiert wird, weil die Uefa noch keine Anstalten macht, die paneuropäische EM in zwölf Ländern abzusagen beziehungsweise zu verschieben. Für den kommenden Dienstag ist eine Videokonferenz mit allen 55 Mitgliedern anberaumt, bei der über die Zukunft aller nationalen und europäischen Wettbewerbe diskutiert werden soll. Fällt die EM aus, würde dies für den VfB bedeuten, dass über die Frage Aufstieg oder nicht wie bisher sportlich auf dem grünen Rasen entschieden werden könnte.

Szenario zwei – Abbruch und Annullierung der ganzen Saison

In diesem Fall wären die bisherige Saison und alle Spiele seit August komplett nichtig. Der aktuelle Tabellenstand hätte keine Bedeutung, einen Meister gäbe es nicht. So hat zum Beispiel die Deutsche Eishockey Liga (DEL) in dieser Woche entschieden. Stattdessen würden die gleichen 18 Vertreter wie in der laufenden Spielzeit auch kommende Saison in der ersten Bundesliga spielen, für eine Europapokal-Teilnahme 2021/22 dürfte die Platzierung aus der vorletzten Saison (2018/19) maßgeblich sein.

Für den VfB hätte diese Variante dramatische Folgen. Der Verein wäre für eine weitere Saison ein Zweitligist – und würde sicherlich rechtliche Schritte einleiten.

Szenario drei – die aktuellen Tabellen werden nach Abbruch gewertet

Ein weiteres Szenario ist der vorzeitige Abbruch, bei dem nicht komplett annulliert, sondern die aktuelle Tabelle herangezogen wird. Der FC Bayern wäre nach aktuellem Stand erneut Meister, Werder Bremen würde absteigen – und der VfB als Zweitliga-Zweiter in die höchste deutsche Spielklasse zurückkehren. Dies dürfte bei zahlreichen Vereinen aber für noch deutlich mehr Unmut sorgen und könnte Millionenklagen gegen die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zur Folge haben. Ein weiterer Haken: Derzeit haben nicht einmal alle Bundesligisten in Liga eins die gleiche Anzahl an Spielen.

Szenario vier – eine Bundesliga künftig mit 22 Clubs

Möglich wäre es auch, in der ersten Liga keinen Club absteigen, dafür aber die aktuell ersten Vier der zweiten Liga (Bielefeld, HSV, VfB und Heidenheim) aufsteigen zu lassen. Die erste Bundesliga hätte dann in der nächsten Runde 22 Clubs – und könnte sich über eine verschärfte Abstiegsregel über zwei, drei Spielzeiten wieder auf 18 Vereine verschlanken. Folge für den VfB: Die Cannstatter wären wieder erstklassig.

Szenario fünf – Play-off-Spiele entscheiden auch über den Aufstieg

Weil die Zeit drängt, könnte es auch Playoff-Spiele für den Kampf um die Meisterschaft sowie bezüglich der Relegation um den Auf- und Abstieg geben. Auch das wirft Fragen auf: Welche Tabellen werden hierfür herangezogen? Der VfB hätte in diesem Fall zumindest die Möglichkeit, sich sportlich für die erste Liga zu qualifizieren.

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