VfB Stuttgart Personalnot im VfB-Sturm: und wer ist schuld daran?

Der VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß (li.) hätte sich vom Management um den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth noch mehr Substanz für den Kader gewünscht. Foto: IMAGO/Steinsiek.ch

Nach dem geplatzten Transfer von Hyeon-Gyu Oh zum VfB fehlt es im Kader an Alternativen im Sturmzentrum. Daher ist der Trainer Sebastian Hoeneß unzufrieden.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Dass es auf dem großen Spielerbasar beim Gefeilsche um die Stars bis zum Schluss recht hektisch zur Sache geht, das gehört zum modernen Profifußball dazu wie die Ausstiegsklausel, das Beraterhonorar oder die Rückkaufoption. Doch diesmal blicken sie beim VfB Stuttgart, in vorderster Linie vertreten durch den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und seinen Sportdirektor Christian Gentner, in der Analyse des so genannten Deadline-Days auf ein besonders hektisches Szenario zurück. Es ging turbulent zu, bevor am Montag um 20 Uhr der Transfermarkt für vertragsgebundene Profis bis zum Winter seine Pforten schloss.

 

Dabei markierte ein Geschäft das Finale furioso der Sommer-Wechselperiode, das letztlich gar nicht stattgefunden hat. Kurz vor dem ultimativen Abpfiff nämlich ist der angedachte Transfer des Stürmers Hyeon-Gyu Oh von KRC Genk aus Belgien in den Neckarpark noch geplatzt. Grund hierfür waren medizinische Bedenken der Stuttgarter Ärzte nach dem Check des Südkoreaners vor Ort in Bad Cannstatt.

Klar war zuvor bereits gewesen, dass Oh mit einer Knieproblematik behaftet ist, weil ein Kreuzbandriss des 24-Jährigen vor Jahren nicht operiert wurde. Doch Oh spielte anschließend jahrelang beschwerdefrei – und womöglich in dieser Runde auch für den VfB. Wäre bei der Untersuchung durch den Bundesligisten nicht noch ein anderer kritischer Befund zutage getreten, der die VfB-Bosse um Fabian Wohlgemuth letztlich dazu bewog, angesichts der Höhe der diskutieren Ablösesumme von mindestens 20 Millionen Euro von einem Kauf abzusehen.

Das Risiko war dem VfB zu groß

Und so zeigt der geplatzte Oh-Deal am Ende zweierlei: Der VfB, der zuvor im Endspurt mit Badredine Bouanani (Nationalspieler Algerien) und Bilal El Khannouss (Nationalspieler Marokko) noch zwei Neue für den Flügel beziehungsweise für die Kreativzentrale im offensiven Mittelfeld verpflichten konnte, hat auf der Position des Mittelstürmers nach dem Abgang von Nick Woltemade zu Newcastle United für in Summe rund 90 Millionen Euro noch akuten Handlungsbedarf gesehen. Doch letztlich ist die Not dann offensichtlich nicht so groß gewesen, um im Fall Oh trotz medizinischer Zweifel ins Risiko zu gehen.

Unterm Strich steht daher folgende Erkenntnis: Optimal ist es für den VfB nicht gelaufen in diesem Transfersommer mit in Summe sieben Neuzugängen. Dies hatte auch der Trainer Sebastian Hoeneß („Wir hatten uns vorgenommen, die Substanz in der Mannschaft zu erhalten und darauf aufzubauen“) bereits vor der heißen Finalphase am vergangenen Wochenende bemängelt.

Auch clubintern ist die Unzufriedenheit des Chefcoaches nicht verborgen geblieben; und die Turbulenzen um Oh werden Hoeneß nicht versöhnlicher gestimmt haben mit Blick auf die finale Zusammensetzung des Kaders. Schließlich fällt dem VfB in Deniz Undav zur Unzeit ein weiterer Stürmer aus. Ein Innenbandanriss im Knie setzt den 29-Jährigen für vier bis sechs Wochen außer Gefecht. Mitte Oktober wird der Angreifer womöglich zum Gastspiel beim VfL Wolfsburg wieder spielfit zurückerwartet.

Kehrtwende kurz vor Toreschluss: Hyeon-Gyu Oh kommt nicht zum VfB. Foto: IMAGO/Belga

„Mit der kurzfristigen Abgabe von Nick, der schwerwiegenden Verletzung von Deniz und dem final nicht umsetzbaren Transfer von Hyeon-Gyu Oh haben wir zumindest temporär eine Zuspitzung und besondere Herausforderung auf dieser Position“, sagt Fabian Wohlgemuth zur Lage bei den Zentrumsstürmern, wo ein Kaderplatz unbesetzt blieb. Frühestens im Wintertransferfenster lässt sich dieser Engpass wieder auflösen: „Damit haben wir jetzt das Momentum, in dem es wieder um den besonderen VfB-Team-Spirit geht“, setzt der Sportvorstand auf die Karte Zusammenhalt.

Genau genommen hat neben Ermedin Demirovic, der als Nationalspieler Bosniens in dieser Runde auf vier Hochzeiten tanzen darf oder muss, vom vorhandenen Personal nur Undav bereits beim VfB ganz vorne gespielt; Alternativen wären Tiago Tomas, der die Neuner-Position schon ausgefüllt hat, sowie Jamie Leweling, dem man diese Position aufgrund seiner starken Physis auch zutraut sowie der aktuell noch am Sprunggelenk verletzte Silas, der weiterhin VfB-Spieler ist, und Mohamed Sankoh, der bei der zweiten Mannschaft in Liga drei aufdreht. Doch optimal ist das alles nicht.

Wohlgemuth hält aber dagegen: „Unser Ansatz ist wie immer, sich dem zuzuwenden, was in unserer Hand liegt und nicht dem, was uns gerade fehlt. Mit Ermedin haben wir einen Top-Stürmer, der jetzt mit größerer Verantwortung umgehen und weiter wachsen wird“, sagt der Sportvorstand – und ergänzt: „An seiner Seite hat er etliche Spieler mit großer Offensivqualität. Es ist eine Challenge, aber gemeinsam mit Trainer, Mannschaft und Verantwortlichen haben wir das Zeug, um auch in dieser Situation erfolgreich zu bestehen.“

Schließlich wird auch der leicht angesäuerte Hoeneß die besondere Herausforderung der Lage anerkennen. Erst am vergangenen Donnerstag um 17 Uhr hat den VfB das Woltemade-Angebot aus Newcastle erreicht. Viel Zeit zu reagieren blieb da auf einem ausgedünnten Markt nicht mehr. Bei so viel Geld, so das interne Credo der Kadergestalter beim VfB, müsse man eben auch eine leichte Entschleunigung der sportlichen Entwicklung in Kauf nehmen.

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