Es war ganz gewiss kein Spiel für schwache Nerven, in dem der VfB zwar ein klares Chancenplus hatte, dann aber einen Nackenschlag in Form eines verschossenen Elfmeters durch Nick Woltemade verkraften musste (66.). Letztlich gelang dem Stuttgarter Stürmer doch noch der goldene Treffer zum 1:0-Sieg (88.).
„Ich bin einfach glücklich, dass es für mich heute doch noch zu einem Tor gereicht hat“, sagte der überglückliche Woltemade: „Denn mit einem vergebenen Elfmeter im Rücken spielt es sich nicht so leicht.“ Nach vielen vergeblichen Anläufen hatte der VfB kurz vor Schluss also doch noch den bärenstarken St.-Pauli-Keeper Nikola Vasijl überwunden.
Der eingewechselte Ermedin Demirovic hatte im Sechzehner der Gastgeber gedankenschnell reagiert – und einen abgeprallten Ball zurück an den Elfmeterpunkt auf Woltemade gelegt. „Letztlich habe ich also doch noch aus elf Metern getroffen“, sagte der Ex-Bremer mit einem Schmunzeln.
Zwei dicke Chancen
„Wir hatten bereits in der ersten Halbzeit im letzten Spieldrittel drei, vier aussichtsreiche Situationen. Ich hätte mir daher schon vor der Pause eine Führung gewünscht“, sagte Sebastian Hoeneß: „Beim verschossenen Elfmeter habe ich mir gedacht: ‚Das ist doch einfach nicht zu glauben’. Am Ende haben wir in einem schwierigen Spiel einen verdienten Sieg geholt.“
Beim Stand von 0:0 hatten sich beide Teams zunächst zur Halbzeit in die Kabinen verabschiedet – schon da mit leichten Feldvorteilen für den VfB, der vor 29 600 Zuschauern zwei dicke Chancen auf seiner Habenseite verbuchen konnte: So ging Chris Führich nach einem langen Ball auf die Reise in Richtung des Pauli-Tores, wurde im Eins-gegen-Eins aber beim Torschuss von Gegenspieler David Nemeth geblockt (7.).
Möglichkeit Nummer zwei für die Stuttgarter, am Millerntor in Führung zu gehen, gab es in der 18. Spielminute: Atakan Karazor grätschte energisch zum Ballgewinn dazwischen, das Spielgerät kam zu Nick Woltemade, der mit Deniz Undav Doppelpass spielte. Letztlich scheiterte der lange VfB-Stürmer an Torwart Vasijl.
Dazwischen hatten sie im Stuttgarter Lager aber ihrerseits kurz die Luft anhalten müssen. Das war nach neun Minuten, als ein zu kurz abgewehrter Ball von Finn Jeltsch direkt vor den Füßen des Luxemburgers Daniel Sinani im Pauli-Trikot landete. Doch der zentrale Mittelfeldspieler schoss knapp rechts oben vorbei.
Nach 55 Minuten eine echte Traumkombination des VfB über acht, neun Stationen – darunter zuletzt Deniz Undav und Jamie Leweling, der auf Nick Woltemade ablegte. In dessen Schuss warf sich der bereits verwarnte FC-Verteidiger Siebe van der Heyden mit der Hand. Die Folge: Schiedsrichter Florian Exner entschied auf Strafstoß – und Gelb-Rot für van der Heyden.
Doch in Führung ging der VfB dennoch nicht: Paulis Keeper Vasijl hielt den schwach nach rechts geschossenen Elfer – und parierte auch den Nachschuss von Karazor (60.). Nicht nur der VfB-Kapitän raufte sich im Anschluss die Haare. „Das war ganz schwach von mir. Der Torwart liegt ja schon in der Ecke – und ich schieße dann auch noch dahin“, sagte Woltemade.
Der VfB agierte nun in Überzahl – und besaß eine weitere dicke Chance durch Chris Führich, der frei im Sechzehner stehend auf halblinker Position vergab. Doch nach der Zusammenarbeit von Demirovic, der kurz vor Abpfiff allein vor Vasijl das 2:0 vergab, und Woltemade reichte es für die Stuttgarter doch zum verdienten Sieg.
Der FC St. Pauli fühlt sich benachteiligt
Gelb-Rot für Vasijl
Das Stadion am Millerntor war zu diesem Zeitpunkt allerdings längst zum Hexenkessel mutiert. Hatte man doch mit einem Erfolg über den VfB den vorzeitigen Klassenverbleib feiern wollen. Doch die Party blieb aus – und die Atmosphäre in der Arena hatte den Siedepunkt erreicht, als Schiedsrichter Exner den Mann des Spiels, Paulis Torhüter Nikola Vasijl, mit der zweiten Gelben Karte vom Feld schickte. Auch Hamburgs Abwehrkante Hauke Wahl war mit der Leistung des Referees mehr als unzufrieden. „Es ist einfach nicht hinnehmbar, wenn jede 50:50-Entscheidung zu unseren Ungunsten ausfällt.“
Dennoch gab es am verdienten Sieg des VfB keinen Zweifel. Vor den beiden letzten Saisonspielen gegen den FC Augsburg sowie bei RB Leipzig hat das Team von Sebastian Hoeneß 44 Punkte auf dem Konto. Über die Bundesliga wird es trotz des Dreiers nicht mehr für das internationale Geschäft reichen. Kurs auf Europa soll aber über das DFB-Pokalfinale gesetzt werden.