VfB Stuttgart Rücktritte im Vereinsbeirat des VfB – das sind die Hintergründe

Auf der Mitgliederversammlung 2021 sind Susanne Schosser und Martin Bizer in den Vereinsbeirat des VfB Stuttgart gewählt worden. Nun sind sie zurückgetreten. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart erlebt erneut vereinspolitische Turbulenzen. Zwei Mitglieder des Vereinsbeirats sind mit sofortiger Wirkung zurückgetreten – und werfen in deutlichen Worten grundsätzliche Fragen auf.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Die Mannschaft des VfB Stuttgart hat sich zuletzt zwölf Tage lang im spanischen Marbella auf die restliche Saison in der Fußball-Bundesliga vorbereitet. Bruno Labbadia und sein Team wollen gewappnet sein für die Mission Klassenverbleib. Es ging um Taktisches, Athletisches – und darum, sich als Einheit zu präsentieren. Ob das gelingt, wird man am Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) gegen den 1. FSV Mainz 05 sehen.

 

Nicht zwölf, aber immerhin zwei Tage haben sich am vergangenen Freitag und Samstag die Gremien des VfB Stuttgart Zeit genommen, um in Hollenbach eine Klausur abzuhalten. Die angebliche Einigkeit ist allerdings schon Tage vorher beschworen worden. In einem auf der Clubhomepage veröffentlichten Stellungnahme hatte etwa der Vereinsbeirat Medien vorgeworfen, es sei in Berichten versucht worden, „den Vereinsbeirat in diverse Lager einzuteilen“. Anschließend wurde erklärt: „Dieser Einordnung widersprechen wir in aller Deutlichkeit.“

Dabei war es schon vor der Klausur am vergangenen Wochenende mit der angeblichen Einigkeit nicht allzu weit her. Und auch der Versuch, am Stammsitz des VfB-Ausrüsters Jako die Wogen zu glätten, ist gründlich daneben gegangen. Der Beleg dafür folgte am Dienstagvormittag. Da gingen dem Präsidium und dem Vereinsbeirat des VfB Stuttgart zwei Rücktrittsschreiben zu. Susanne Schosser und Martin Bizer, beide im Sommer 2021 in das Gremium gewählt, ziehen sich mit sofortiger Wirkung aus dem Vereinsbeirat zurück. Und ihre jeweils dargelegten Beweggründe haben es in sich.

„Unerträglich und unprofessionell“

Schosser etwa prangert die Zustände in den Gremien massiv an. In ihrer Rücktrittserklärung ist von einem „unerträglichen, unprofessionellen, allein auf Machtsicherung bedachten und diffamierenden Vorgehen wesentlicher Mitglieder der Gremien“ die Rede. Sie sehe „weder eine positive Entwicklung in der Gremienarbeit“, noch könne sie „den Willen dazu erkennen“. Als „feindliches Umfeld“ habe sie die Gremien zeitweise erlebt.

Schon zuletzt gab es eine Sitzung des Vereinsbeirats, die aufgrund der internen Differenzen mit einer Mediatorin durchgeführt werden musste. Dass zuletzt per Stellungnahme des Vereinsbeirats eine kritische Berichterstattung in den Medien attackiert wurde, war ebenso kein Vorgehen, dass alle Mitglieder des Gremiums unterstützt haben. Es gab bei Teilen des Vereinsbeirats erhebliche Zweifel am Inhalt der Erklärung, per Mehrheitsbeschluss wurde die Veröffentlichung schließlich auf den Weg gebracht.

Es brodelte danach weiter, dennoch reiste Martin Bizer mit der Hoffnung nach Hollenbach, der Tagesordnungspunkt „Zusammenarbeit der Gremien“ habe auf der Klausur einen „konstruktiven Verlauf“. Nach dem Zusammentreffen konstatierte er, seine Hoffnungen hätten sich „nicht erfüllt“. Zunächst habe er sich zu einem Neustart „überreden lassen“. Nun erklärt er: „Nach zweimaligem Überschlafen bin ich zur festen Überzeugung gelangt, dass ich diese Entscheidung revidieren muss.“

Erneut war während der Klausur über die möglichen Satzungsverstöße von Vereinsbeiräten diskutiert worden. Ein externes, unserer Redaktion vorliegendes, Rechtsgutachten hatte im Herbst die Meinung vertreten, dies wäre der Fall, da Mitglieder des Gremiums Geld von der VfB AG bekämen beziehungsweise erhalten hätten. Dies schließt Paragraf zwölf der Clubsatzung jedoch aus.

Marc Nicolai Schlecht war eine Zeit lang als Mannschaftsarzt der VfB-Frauent tätig, diese ging im Sommer vom Verein auf die AG über. André Bühler ist Professor für Marketing und Sportmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen, diese wiederum ist Kooperationspartner der VfB-Akademie. Der Verein sieht die beiden Fälle mittlerweile als ausreichend geprüft und die Sache damit als geklärt. Das Duo ist weiter im Amt und betont, kein Geld von der AG zu erhalten oder erhalten zu haben.

Immer wieder die Satzungsfrage

Für alle Vereinsbeiräte war das Thema wohl aber noch nicht schlussendlich besprochen und aufgeklärt. Die Sachebene, so schreibt es nun Martin Bizer in seiner Rücktrittserklärung, sei aber auch auf der Klausur „wieder einmal in den Hintergrund gerückt“. Stattdessen sei dieses Thema „instrumentalisiert“ worden: „Vereinsbeiräte, die um Aufklärung bemüht waren“, seien als „Gefolgsleute von angeblichen Gegnern des derzeitigen Präsidenten diffamiert“ worden.

Bizer berichtet in der Folge von „Vorwürfen und Anschuldigungen gegen mich persönlich“. Vom „Druck, der immer größer wurde“. Und von der Aussage „des Vizepräsidenten (Rainer Adrion, Anmerkung der Redaktion)“, wer den Standpunkt des Präsidiums nicht teile, solle „doch die Konsequenzen ziehen“. Dies hat der ehemalige Schulleiter des Wirtemberg-Gymnasiums nun getan – kritisiert aber deutlich den Führungsstil, der im Vereinsbeirat offenbar gelebt wird. So sei es Beiräten, zum Beispiel, untersagt gewesen, ohne deren Genehmigung oder dem Einverständnis des Präsidiums Kontakt zum AG-Vorstand oder anderen Mitarbeitern der AG aufzunehmen.

„Ich bin überrascht und finde es auch schade. Aus meiner Sicht gab es keinen Anlass für diese Rücktritte – trotz kontroverser Diskussionen, die es in einem Neuner-Gremium immer wieder geben kann“, sagte der Vereinsbeiratsvorsitzende Rainer Weninger gegenüber unserer Zeitung. Er ergänzte: „Beim VfB gibt es Kommunikationsregeln und Geschäftsordnungen – und ich habe darauf geachtet, dass diese von den Gremienmitgliedern eingehalten werden.“ Darüber hinaus wollte man sich beim VfB vorerst nicht äußern.

Wie geht es nun weiter?

Auch ohne Schosser und Bizer bleibt das Gremium mit sieben Personen handlungs- und beschlussfähig. Wie es künftig seine Zusammenarbeit definiert, ist jedoch eine der Fragen, die die Rücktritte aufwerfen. Das zeigen Sätze gegen Ende der Erklärungen. Bizer wünscht dem VfB nicht nur „alles Gute und allen erdenklichen sportlichen Erfolg“. Sondern auch „Mitglieder, die sich den Werten des VfB verpflichtet fühlen“. Er nennt „Ehrlichkeit, Offenheit, Transparenz und das Hintanstellen von persönlichen Eitelkeiten und Vorteilen“. Schosser erklärt: „Die bei der Wahl von nahezu allen Gremienmitgliedern proklamierten Werte Transparenz, Ehrlichkeit und Gleichberechtigung werden nach meinem Empfinden bis heute in weiten Teilen der VfB-Gremien nicht gelebt.“

Wie es nun weitergeht? Der VfB spielt am kommenden Samstag gegen den 1. FSV Mainz 05. Vieles andere ist offen.

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