VfB Stuttgart Selbst zwei Siege reichen nicht sicher – so kommt der VfB in die Königsklasse

Chris Führich und der VfB wollen in die Champions League. Foto: Baumann/Julia Rahn

Das Rennen um den Einzug in die Champions League ist eng wie lange nicht. Ein Blick auf die Konstellation und die Herangehensweise des VfB vor dem wegweisenden Leverkusen-Spiel.

Sport: David Scheu (dsc)

Dramatik im Saisonfinale? Das gab es beim VfB Stuttgart zuletzt ja eher selten. 2024 stand die Qualifikation für die Champions League bereits zwei Spieltage vor Schluss fest, 2025 war der Europa-Zug über die Liga-Platzierung zum selben Zeitpunkt de facto schon abgefahren. Jetzt aber ist alles anders. Wer den großen Nervenkitzel vermisst hat, erhält ihn dieses Jahr doppelt und dreifach. Im letzten Heimspiel der Saison kommt es für den VfB am Samstag (15.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen zum direkten Duell um den Einzug in die Königsklasse – und vieles, eigentlich alles, deutet auf eine Begegnung mit offenem Visier hin.

 

Die Ausgangslage: Drei punktgleiche Mannschaften mit je 58 Zählern kämpfen an den verbleibenden beiden Spieltagen um den Einzug in die Königsklasse, getrennt nur durch das Torverhältnis: der Vierte aus Leverkusen (+23), der Fünfte aus Stuttgart (+20) sowie der Sechste TSG Hoffenheim (+16). Eine Option kann das Trio inzwischen abhaken: Platz fünf wird nicht reichen. Durch die Ergebnisse auf internationaler Bühne der vergangenen Tage steht fest, dass die spanische La Liga einen zusätzlichen Startplatz für die Champions League erhält. Und nicht die Bundesliga, die im Uefa-Ranking knapp dahinter liegt und bleibt.

Sebastian Hoeneß rechnet mit einem offensiv geführten Spiel

Für den VfB bedeutet das: Der Club braucht zwingend einen Sieg, um Leverkusen zu überholen und auf den entscheidenden vierten Platz zu klettern. Zugleich muss aber auch die Werkself auf drei Punkte spielen mit Blick in den Rückspiegel: Bei einem Remis zwischen dem VfB und Bayer könnte Hoffenheim der lachende Dritte sein und an beiden vorbeiziehen – ein Heimsieg gegen Werder Bremen vorausgesetzt, der aber ja keine abwegige Sache ist.

Neben der Konstellation spricht am Samstag in Bad Cannstatt auch die Spielanlage beider Teams für ein Duell ohne angezogene Handbremse: Nach dem FC Bayern stellen der VfB und Leverkusen mit je 66 Toren die beste Offensive der Liga, auch in puncto Ballbesitz und Passsicherheit reihen sich beide direkt hinter dem Rekordmeister ein. Der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß rechnet daher mit einem offen geführten Spiel: „Es gibt Parallelen in der Idee. Wir werden sicher zwei Mannschaften sehen, die nach vorne spielen und nicht abwarten.“

Januar 2026: Deniz Undav und der VfB gewinnen das Hinspiel in Leverkusen klar mit 4:1. Foto: Baumann/Julia Rahn

Womöglich kommt es dabei sogar auf jeden einzelnen Treffer an. Stichwort Torverhältnis. Gewinnen zum Beispiel die Hoffenheimer ihre letzten beiden Saisonspiele gegen Bremen und bei Borussia Mönchengladbach jeweils mit drei Toren Unterschied, würden dem VfB selbst zwei 1:0-Siege gegen Leverkusen und bei Eintracht Frankfurt nicht für Platz vier reichen. Wenn auch ganz knapp aufgrund eines einzigen Treffers.

Mit einem Ohr verfolgen die Stuttgarter am Samstag deshalb auch das Geschehen in Sinsheim. „Wir werden vorbereitet sein, im Trainerteam sowieso“, sagt Hoeneß, „möglicherweise werde ich auch ein, zwei Spieler involvieren in bestimmte Konstellationen.“ Das betreffe aber primär die Endphase der Partie, in erster Linie gehe es um eine Topleistung von Beginn an. Dabei will der Stuttgarter Coach auch Schmerzgrenzen überschreiten: „Es wird ganz wichtig sein: Was bist du bereit zu geben? Auch über Limits hinaus, die du dir vielleicht gesteckt hast. Die sollten in dem Spiel nicht mehr gelten.“

Klar ist: Der Einzug in die Champions League wäre auch deshalb ein großer Erfolg, weil er selten so schwierig zu erreichen war wie dieses Jahr. Im Schnitt hatten die Tabellenvierten seit Einführung der Drei-Punkte-Regel am Ende 59 Punkte auf dem Konto, jetzt sind voraussichtlich zwei Siege im Saisonfinale und damit 64 Zähler nötig. Der Grund für die Diskrepanz? Die besten Teams der Liga punkten in dieser Saison schlichtweg überdurchschnittlich viel, nach Platz sechs klafft eine riesige 14-Punkte-Lücke zum Siebten SC Freiburg.

„Wir haben sechs Mannschaften, die eine sehr gute Saison spielen“, sagt auch Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand, „die Qualität ist sehr hoch.“ Wer nun am Samstag die höhere Qualität auf den Rasen bringt, kann die Weichen entscheidend in Richtung Champions League stellen. „Wir sind jetzt voll in der Crunch Time“, betont Hoeneß, der seine Spieler gerüstet sieht und ihnen eine gute Trainingswoche attestiert: „Die Antennen sind oben, die Energie ist spürbar.“ Denn der VfB steht ohne Wenn und Aber vor einem Schlüsselspiel im Saisonfinale.

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