Nein, meinte Sebastian Hoeneß, er habe mit seinem besten Stürmer jüngst nicht über dessen Vertragslage, einen möglichen Wechsel oder den sicheren Verbleib gesprochen. Aber: Der Trainer des VfB Stuttgart steht mit Serhou Guirassy in Kontakt. Der weilt in der Elfenbeinküste, wo er mit Guinea am Afrika-Cup teilnimmt. Und im Austausch geht es zuvorderst um den Gesundheitszustand des Angreifers. Und so lange es ansonsten keine Themen gibt, fühlt sich Hoeneß sicher.
„Ich habe immer gesagt, dass ich keine anderen Signale von ihm empfangen habe“, sagt Hoeneß über die Frage: Geht er oder bleibt er? Und der Coach ergänzt: „Die habe ich auch weiterhin nicht bekommen.“ Nach Lage der Dinge wird das auch so bleiben.
Gemäß einer Ausstiegsklausel gibt es in der aktuell laufenden Transferperiode die Möglichkeit für den 27-Jährigen, den VfB zu verlassen – trotz des bis 2026 laufenden Vertrags. Er müsste sie ziehen und einen Verein präsentieren, der 17,5 Millionen Euro bereit ist an Ablöse zu zahlen. Das ist bislang nicht geschehen – und kann bald auch nicht mehr geschehen. Denn die Klausel gilt nicht bis zum Ende der Transferperiode, sondern endet erstmals an diesem Samstag. Danach hat der VfB das Heft des Handelns – zumindest bis zum Sommer-Transferfenster – wieder selbst in der Hand.
Serhou Guirassy hat sich zum VfB bekannt
Guirassy kann also im Anschluss an den Afrika-Cup wieder ein Erfolgsfaktor für den VfB sein. Zumal sich der Stürmer nach Informationen unserer Redaktion auch schon zum Ende des Fußballjahres 2023 im Kreis der Mannschaft klar positioniert hatte – für einen Verbleib in Stuttgart. Und zum absoluten Willen, die bislang so herausragende Saison auch erfolgreich fortzuführen. Wie wichtig er selbst für das Vorhaben ist, weiß Serhou Guirassy genau. Die Zahlen belegen es zudem.
17 Treffer hat der Guineer in der Vorrunde erzielt, fünf davon zum wichtigen 1:0. Er schnürte drei Doppel- und zwei Dreierpacks – und wenn er in der Liga fehlte, verlor der VfB auch das Spiel. Zuletzt am vergangenen Sonntag beim 1:3 in Mönchengladbach. Bei den elf Bundesligasiegen dieser Saison war Guirassy immer mit von der Partie.
Der VfB hegt und pflegt daher seinen Toptorschützen – auch aktuell beim Afrika-Cup. Weil sich Guirassy kurz vor Turnierbeginn eine Oberschenkelverletzung zugezogen hatte, verpasste er nicht nur den Auftakt mit Guinea gegen Kamerun (1:1), sondern wird seit einigen Tagen vor Ort auch vom VfB-Rehatrainer Martin Franz betreut. Der war schon einmal mit Guirassy beim Nationalteam, als der Angreifer angeschlagen nach Afrika reiste. „Wir wollen dort unterstützen“, sagt der Cheftrainer Sebastian Hoeneß, lobt den „sehr, sehr guten Austausch“ mit dem Landesverband Guineas und spricht nach der Anreise von Martin Franz von einer „super Konstellation“. Eine solche bietet sich dem VfB-Trainer am Samstag nur bedingt.
Fast nur Talente auf der Ersatzbank
Der VfB tritt zum Start der Rückrunde beim VfL Bochum an (Samstag, 15.30 Uhr/Liveticker). Logischerweise: weiterhin ohne Guirassy, Silas Katompa (Afrika-Cup mit der DR Kongo), Woo-yeong Jeong und Hiroki Ito (Asien-Cup mit Südkorea und Japan). Vor allem in der Offensive mangelt es dem Stuttgarter Team daher an Alternativen. Dass in Mönchengladbach bis auf Genki Haraguchi und Torhüter Fabian Bredlow kein Ersatzspieler älter als 22 Jahre alt war und gleich drei nominelle VfB-II-Spieler darunter waren, ist zwar schön für die Talente. Spiegelt aber auch die personellen Zwänge wider, in denen der VfB zumindest noch zwei oder drei Wochen steckt.
Nicht ausgeschlossen ist daher, dass der Club das Transferfenster noch nutzt, um die Mannschaft breiter aufzustellen. „Unser Kader ist nicht supergroß“, sagt Hoeneß und meint, man könne daher „darüber nachdenken“ noch Spieler zu verpflichten. Aber: „Ich werde nichts fordern.“ Zumal die derzeit Abwesenden ja demnächst auch wieder in Stuttgart seien. „Etwas Verrücktes“, versichert der Trainer, „wird nicht passieren.“
In Bochum muss es also das vorhandene Offensivpersonal richten, allen voran Deniz Undav. Der hat ohne Serhou Guirassy an seiner Seite zwar allen Raum zur persönlichen Entfaltung. Hat aber nach der Partie in Mönchengladbach schon festgestellt: „Für den Gegner ist es einfacher, wenn Serhou nicht dabei ist.“ Weshalb auch der Sturmkollege froh sein dürfte, wenn Guirassy bald zurückkommt. Um zu bleiben.