Jung, dynamisch, schnell und konsequent: Der juvenile Dreierriegel des VfB Stuttgart. Foto: IMAGO/Eibner
Sebastian Hoeneß hat zuletzt mehrfach auf eine Grundausrichtung mit defensiver Dreierkette gesetzt und die Positionen mit jungen Spielern besetzt. Kommt es in Porto wieder dazu?
Sebastian Hoeneß gilt nicht unbedingt als ausgewiesener Freund der defensiven Dreierkette. Seine bevorzugte Grundordnung ist ein 4-2-3-1-System. Doch eine gewisse Schwäche für den Dreierriegel hat er schon. Der äußert sich zum Beispiel in dem Umstand, dass er seine Viererketten-Formation gern asymmetrisch einteilt. Dann rückt ein Außenverteidiger ins Mittelfeld vor, überlädt so eine Seite, sorgt für ein nominelles Übergewicht. Das kann während einer Partie auch mal variieren, also rechts wie links geschehen.
Klare Dreierkette in 13 von 42 Pflichtspielen
Die verbliebenen drei Verteidiger bilden dann eine klassische Dreierkette. Um das so spielen zu können, setzt der Club auch auf möglichst vielfältig einsetzbare Defensivspieler, die alle mindestens zwei Rollen in mehreren Grundformationen solide spielen können. In dieser Saison fällt jedoch auf, dass Hoeneß gern auch auf eine klassische Grundformation mit Dreierkette und zwei Schienenspielern auf außen setzt. Insgesamt 42 Pflichtspiele (25 Siege, 5 Remis, 12 Niederlagen) hat der VfB in dieser Runde schon auf dem Buckel. 13-mal davon wurde zu Spielbeginn eine Formation mit klarer Dreierkette in der Defensive aufgeboten – neun der 13 Parteien wurden gewonnen bei einem Torverhältnis von 26:9.
Jaquez, Jeltsch und Hendriks (v. l. n. r.) machten ihre Sache zuletzt gut. Foto: IMAGO/Eibner
In elf dieser 13 Dreierketten-Formationen kam ein erfahrener Recke zum Einsatz, der das Spiel oft aus der zentralen Position der Kette heraus anleiten sollte. Kommandos geben, Höhe der Linie bestimmen, das Vorwärtsverteidigen initiieren, direkte Duelle am Boden und in der Luft gewinnen, umfasst das Aufgabenprofil dieser Rolle. 12-mal setzte Hoeneß auf Jeff Chabot, einmal auf Dan-Axel Zagadou. Während der Franzose aufgrund seiner Verletzung keine weitere Spielzeit mehr hatte, spielte sich Chabot sogar in den Dunstkreis der Nationalmannschaft mit seinen Leistungen.
Hoeneß ändert seine Herangehensweise – auch in Porto?
Zuletzt jedoch änderte Hoeneß zwei Dinge. Zum einen besetzte er die Schienenpositionen bei der Grundformation offensiver. Nämlich mit Chris Führich und Jamie Leweling anstatt Maximilian Mittelstädt und Josha Vagnoman. Und er setzte auf einen juvenilen Dreierriegel. Der erfahrene Chabot saß draußen, die Kette bildeten Ramon Hendriks (24), Luca Jaquez (22) und Finn Jeltsch (19). Und sie meisterten die Aufgabe bravourös. In den beiden Spielen gegen Wolfsburg (4:0) und Leipzig (1:0) blieben sie fehler- und vor allem gegentorlos. Der seit Wochen sich in bestechender Form befindliche Hendriks schaffte sogar das Kunststück, den Leipziger Yan Diomande, den Senkrechtstarter der Bundesligasaison, über 90 Minuten völlig abzumelden.
60 Prozent der Zweikämpfe gewann Hendriks, lief Diomande mit 19 Sprints den Rang ab und wurde dabei mit 35,07 km/h gemessen. Das ist der drittschnellste Sprint aller VfB-Spieler in dieser Saison (Vagnoman 35,46 km/h, Tomas 35,22 km/h) und verwies am Sonntag auch Diomande in die Schranken. Genau diese Geschwindigkeit ist es, die Hoeneß an Hendriks neben vielen anderen Dingen schätzt. „Ramon ist immer einer, der 100 Prozent gibt, alles auf dem Platz lässt und jedes Mal auch noch irgendeine Schramme mit vom Platz nimmt. Er gibt alles für das Team“, lobte Hoeneß den Niederländer, der intern mit dem Spitznamen „RaMONSTER“ ausgestattet wurde ob seiner Spitzenleistungen in den letzten Wochen.
Doch auch die anderen beiden kommen mehr als nur gut weg. „Als „fast fehlerlos“ klassifizierte Hoeneß die Auftritte von Jaquez und Jeltsch bereits nach dem Duell mit Wolfsburg, und das Spitzenspiel gegen Leipzig gab keinerlei Anlass, an dieser Einordnung etwas zu korrigieren. „Sehr konsequent“ sei der Auftritt der beiden gewesen, ließ er wissen.
Es ist nun davon auszugehen, dass Hoeneß auch in Porto wieder auf das Trio setzen wird. Denn zum einen bieten die Leistungen der drei Akteure keinen Grund zu wechseln. Zum anderen werden deren Qualitäten gegen Porto sehr gefragt sein. Die Portugiesen setzen allgemein auf eine kompakte Defensive, dazu können sie den VfB aufgrund des Vorsprungs erst einmal kommen lassen. Dass sie mit blitzschnellem Umschalten und schnellem Überbrücken des Spielfelds gerade dann besonders gefährlich sein können, haben sie in Stuttgart bewiesen. Dagegen könnte eine Junior-Dreierkette aus Hendriks, Jaquez und Jeltsch das Mittel der Wahl sein. Schnell und konsequent.