VfB Stuttgart So viele VfB-Profis wie nie bei der WM?

Angelo Stiller, Ermedin Demirovic und Leonidas Stergiou (von links) haben die WM 2026 mit ihren Nationalteams im Blick. Und sind damit nicht alleine beim VfB. Foto: Baumann

Die Chancen stehen gut, dass die Stuttgarter bei der Weltmeisterschaft 2026 eine interne Rekordmarke knacken – was sportlich und finanziell Auswirkungen hätte.

Sport: David Scheu (dsc)

Welche Bedeutung das Nationalteam für Bilal El Khannouss hat, zeigte sich direkt an seinem ersten Tag beim VfB Stuttgart. Nach der Vorstellung ging es für den Neuzugang direkt weiter nach Marokko, die Einfindungsphase in Bad Cannstatt wurde in Abstimmung mit den Verantwortlichen aufgeschoben und soll nun in den kommenden Tagen stattfinden. „Für mich ist es eine riesengroße Ehre, für Marokko spielen zu dürfen, das erfüllt mich mit Stolz“, erklärte der 21-Jährige. Daher habe man gemeinsam besprochen, dass er trotz des gerade erst vollzogenen Wechsels zur Nationalmannschaft reise.

 

Dort gab es dann auch direkt Grund zum Jubeln: In Gefahr war die Qualifikation für die Weltmeisterschaft zwar schon zuvor nicht wirklich, jetzt aber sind die letzten Fragezeichen gewichen. Marokko fährt zur Endrunde der WM im kommenden Sommer. Und damit auch El Khannouss, sollte nichts Außerplanmäßiges wie eine größere Verletzung oder ein Leistungseinbruch dazwischen kommen: In diesem Kalenderjahr war er für jedes Länderspiel nominiert und kam auch jeweils zum Einsatz.

Drei WM-Fahrer 2022: Wataru Endo, Hiroki Ito, Borna Sosa

Der VfB hat also seinen ersten WM-Fahrer. Und die Chancen stehen gut, dass er in guter Gesellschaft sein wird. Die Liste der Stuttgarter Profis mit realistischen Aussichten auf eine erfolgreiche Qualifikation jedenfalls ist umfangreich. Ermedin Demirovic liegt mit Bosnien-Herzegowina auf Platz eins seiner Gruppe, was die direkte Qualifikation bedeuten würde. Trotz der jüngsten 1:2-Niederlage gegen Österreich kann das Team den Spitzenplatz drei Spieltage vor Schluss noch aus eigener Kraft halten. Und: Falls nicht, würde Platz zwei eine weitere Chance in den Play-offs im März bedeuten.

Auf Rang eins liegt auch die Schweiz als klarer Favorit ihrer Quali-Gruppe – was zu Leonidas Stergiou führt: Der Außenverteidiger des VfB ist zwar erst jetzt nach einer langwierigen Syndesmose-Verletzung wieder fit – wenn er das war, nominierte ihn Nationaltrainer Murat Yakin aber in aller Regel. Damit wäre bereits die Zahl von drei Profis erreicht, die der VfB bei der vergangenen WM 2022 stellte in Person von Wataru Endo, Hiroki Ito (beide Japan) und Borna Sosa (Kroatien).

Borna Sosa (mit Fifa-Präsident Gianni Infantino) wurde bei der WM 2022 Dritter. Foto: IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Und: Die größte Gruppe im Kreis der potenziellen WM-Fahrer für 2026 fehlt ja noch in dieser Auflistung: die deutschen Nationalspieler, die der VfB inzwischen zahlreich in seinen Reihen hat. Zuletzt nominierte Bundestrainer Julian Nagelsmann vier Stuttgarter (Alexander Nübel, Maximilian Mittelstädt, Angelo Stiller, Jamie Leweling). Hinzu kommen weitere Spieler, die bei einer starken Saison zumindest Kader-Chancen haben: Chris Führich, Deniz Undav oder auch der deutsche U-21-Kapitän Finn Jeltsch, den Nagelsmann im Juni als „sehr gutes Talent“ lobte.

Wie bei den anderen VfB-Profis gilt natürlich auch hier, dass neben einer Nominierung eine zweite Hürde in Form der Qualifikation genommen werden muss und die DFB-Elf hier zuletzt nicht unbedingt überzeugte. Die Favoritenrolle hat die deutsche Mannschaft in ihrer Gruppe aber nach wie vor inne, sodass sich bei allen Konjunktiven festhalten lässt: Die Chancen stehen gut, dass der VfB bei der kommenden WM stärker vertreten ist als bei den vergangenen Turnieren und vielleicht sogar den Vereinsrekord knackt. Der liegt bei sieben Profis, die vor 15 Jahren an der WM 2010 in Südafrika teilnahmen: Sami Khedira, Cacau, Serdar Tasci (alle Deutschland), Arthur Boka (Elfenbeinküste), Khalid Boulahrouz (Niederlande), Zdravko Kuzmanovic (Serbien) und Ricardo Osorio (Mexiko).

Finanzielle Entschädigung von der Fifa – pro Spieler und Tag

Eine ähnliche Größenordnung im kommenden Sommer würde fraglos eine Menge Prestige mit sich bringen – aber auch Herausforderungen und Begleiterscheinungen. Zum einen mit Blick auf den Transfersommer, da die große WM-Bühne ja immer auch ein Schaufenster ist und sich Profis ins Rampenlicht spielen können. Zum anderen körperlich, da sich das Mammut-Turnier mit 48 Mannschaften über sechs Wochen erstreckt – zuzüglich Vorbereitungszeit und Flugstrecken zwischen Kanada, den USA und Mexiko. Dass die WM-Fahrer dieses Pensum irgendwann in der Saison 2026/27 spüren werden, liegt auf der Hand.

Auf der Gegenseite entschädigt der Weltverband Fifa die Vereine hierfür: Bei der vergangenen WM betrug die Kompensation knapp 10 000 Euro pro Spieler und Tag – unabhängig von der Einsatzzeit. Dem VfB brachte das damals knapp eine Million für Endo, Ito und Sosa. Wer dem Trio als VfB-Vertreter auf der WM-Bühne nachfolgt? Bilal El Khannouss hat das WM-Ticket mit Marokko schon mal gelöst – und geht seinen Start beim VfB nun mit Rückenwind an.

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