VfB Stuttgart Sparen, aber besser werden – so groß ist die Herausforderung für den VfB

Der VfB-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth steht vor einem schwierigen Transfersommer. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart steht nach dem Klassenverbleib vor der nächsten schwierigen Aufgabe: Der Club will sportlich stabiler werden, muss gleichzeitig aber einen Transferüberschuss generieren. Wie kann das gelingen?

Sport: Dirk Preiß (dip)

Die Nachricht, die am vergangenen Montag die Deutsche Fußball-Liga (DFL) verbreitet hatte, war für den VfB Stuttgart im Grunde keine Neuigkeit mehr. Allen 36 Profivereinen der ersten und zweiten Liga wurde die Lizenz für die kommende Saison erteilt – also auch den Stuttgartern, die aber schon seit April Klarheit hatten. Darüber, dass die Lizenz nicht gefährdet ist, ganz gleich, ob der VfB in der Bundesliga bleiben oder absteigen würde.

 

„Nach zwei Coronajahren und in einer wirtschaftlich herausfordernden Lage die Lizenz für beide Bundesligen ohne Bedingungen erhalten zu haben ist für den VfB ein großer Erfolg und ein starkes Signal“, sagte damals Alexander Wehrle. Der Vorstandsvorsitzende der VfB AG ergänzte: „Wir haben in allen betroffenen Bereichen hart an diesem Ziel gearbeitet.“ Mittlerweile hat das Team mit dem Trainer Sebastian Hoeneß den Klassenverbleib geschafft. Die Arbeit geht dennoch nicht aus.

Der Stuttgarter Traditionsclub hat sich dem sportlichen Ziel verschrieben, es künftig nicht bis zum Ende offenzuhalten, ob ein weiteres Jahr Erstklassigkeit gesichert ist. Was damit einhergehen würde: Planungssicherheit, die der VfB zuletzt sehr selten hatte – und die auch in wirtschaftlichen Fragen wie der Sponsorensuche hilfreich ist. Doch um das Ziel zu erreichen, ist schon jetzt genau diese Wirtschaftskraft gefragt.

Dass der VfB dabei nicht daherkommt wie Popeye, ist kein Geheimnis. Trotz der auflagenfreien Lizenzerteilung muss sich der Club zur Decke strecken – und neben der intensiven Sponsorenakquise auch auf einem mittlerweile bewährten Feld Geld generieren: auf dem Transfermarkt.

Hohe Gewinne in den vergangenen Jahren

In den vergangenen vier Jahren hatte der VfB am Ende aller Transferaktivitäten nur einmal ein Minus stehen – in der Spielzeit 2020/2021 in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro. Dreimal dagegen wurden satte Gewinne gemacht (54,2/26,1/37,8). Diese schmolzen durch diverse Wiederverkaufsbeteiligungen zwar nachträglich noch ein wenig – überlebensnotwendig waren sie dennoch. Und so ist es auch in diesem Sommer.

Eine genaue Summe nennt bislang niemand an der Mercedesstraße, wenn es um den notwendigen Transferüberschuss geht. Ein Plus von rund 20 Millionen Euro muss aber wohl durchaus erwirtschaftet werden. Darüber hinaus werden vermutlich auch die Personalkosten für den Lizenzspielerbereich etwas gedrückt.

Ersteres Ziel wird einerseits über Abgänge von jenen Profis erfüllt werden, die besonders gefragt scheinen. Borna Sosa gilt als Kandidat, ebenso Konstantinos Mavropanos, Hiroki Ito oder der Kapitän Wataru Endo, mit dem allerdings eine Verlängerung des bis 2024 gültigen Vertrags angestrebt wird. Jedoch sollte man sich von den Marktwerten jener Spieler auch nicht zu viel erhoffen. Das zeigte im Winter das Beispiel Sosa.

Bayer Leverkusen war bereit, für den Kroaten zehn Millionen Euro zu zahlen – der VfB hatte sich deutlich mehr erhofft. Und wäre wohl auch in der anstehenden Transferperiode auf eine höhere Summe aus. Abnehmer, die die Kasse fluten, müssen also auch erst einmal gefunden werden. Davon abhängig ist dann, zu wie vielen sportlich schmerzhaften Verkäufen der Club gezwungen sein wird. Bisher steht in der aktuellen Transferbilanz ein Minus von elf Millionen Euro – durch die (fixen) Zugänge von Serhou Guirassy (9/Stade Rennes), Jovan Milosevic (1,2/FC Vojvodina Novi Sad) und Maximilian Mittelstädt (0,8/Hertha BSC).

Fast alle Kaderspieler haben einen Vertrag

Die laufenden Kosten für das kickende Personal zu senken ist ebenfalls kein leichtes Unterfangen, da aus dem aktuellen Kader bis auf Tiago Tomas, Antonis Aidonis und Tanguy Coulibaly alle Spieler einen weiterhin gültigen Vertrag besitzen. Dazu kommen sechs Leihspieler zurück – weshalb an der Kostenschraube am ehesten über eine Kaderreduzierung gedreht werden könnte.

Bei all diesen wirtschaftlich relevanten Transfergedanken darf eines nicht vergessen werden: Der VfB wird erneut fußballerische Substanz verlieren, will aber eigentlich die Voraussetzungen schaffen, künftig sportlich stabiler – also besser – zu werden.

Sparen, aber besser werden – dieses Motto wird den VfB weiter begleiten, gehört aber auch anderswo zum Geschäftsmodell. Junge Spieler muss der Club also weiterhin verpflichten und ausbilden, damit diese Geldquelle nicht versiegt. Andererseits gilt es, sich unabhängiger davon zu machen, um künftig öfter Offerten abwehren zu können.

Da den VfB auch abseits des Sportlichen hohe Kosten drücken (KfW-Kredite, Stadionumbau), ist es nicht damit getan, dass weiter gewinnbringende Transfers gelingen. Es gilt vielmehr, die Einnahmeseite zu stärken. Jüngst wurden Abschlüsse mit Sponsoren vermeldet, die künftig als Team-Partner des VfB zwischen 500 000 und einer Million Euro jährlich investieren. Diese vierte Stufe der Sponsorenpyramide soll in den kommenden Wochen noch breiter aufgestellt werden.

Noch dringender benötigen die Stuttgarter aber einen Abschluss mit einem Hauptsponsor. Mit Hilfe des Vermarkters Sportfive sollen hier bis zum Saisonstart die Partner gefunden sein, die das Paket übernehmen, das bislang die Mercedes-Benz Group alleine finanziert hat (Trikot, Trainingsoutfit, Jugend). Die Suche nach einem weiteren Investor für die VfB AG dauert ebenso an.

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