VfB Stuttgart So fördert die Stadt den Wiederaufstieg
Alle Stuttgarter müssen VfB-Anhänger sein – ob sie wollen oder nicht. Denn sie finanzieren mittelbar den Fußball-Zweitligisten mit und gehen für ihn sogar besonders ins Risiko.
Alle Stuttgarter müssen VfB-Anhänger sein – ob sie wollen oder nicht. Denn sie finanzieren mittelbar den Fußball-Zweitligisten mit und gehen für ihn sogar besonders ins Risiko.
Stuttgart - Alle Stuttgarter müssen VfB-Anhänger sein, ob sie wollen oder nicht, finanzieren sie doch mittelbar den Fußball-Zweitligisten mit und gehen für ihn sogar besonders ins Risiko. Den Bürgern gehört die städtische Stadiongesellschaft, diese ist Eigentümer der VfB-Heimspielstätte Mercedes-Benz-Arena. Die städtische Tochterfirma hat den Umbau in ein reines Fußballstadion finanziert und die Immobilie an die VfB Stuttgart Stadion GmbH verpachtet. Weil der Club der einzige Kunde ist, kommt seiner Vermögenssituation eine besondere Bedeutung zu; immerhin muss die städtische Tochter mit ihren Pachteinnahmen Kredite von 58 Millionen Euro tilgen und nebenbei bis 2041 rund 70 Millionen Euro angespart haben, um für die nächste Modernisierung gewappnet zu sein.
Der VfB muss aber in der zweiten Liga kräftig abspecken, der Umsatz von rund 154 Millionen Euro werde um etwa 45 Millionen sinken, hat Finanzvorstand Stefan Heim prognostiziert. Gleichzeitig betonte er, man dürfe sich nicht zu Tode sparen.
Angesichts einer verbuchten Ablösesumme von 35 Millionen für den französischen Weltmeister Benjamin Pavard dürfte sich für manchen Politiker im Aufsichtsrat der Stadiongesellschaft vor der Sommerpause die Frage gestellt haben, warum er dann noch einer Reduzierung der vom VfB zu bezahlenden Fixpacht für die Saison 2019/2020 zustimmen sollte. In der Gemeinderatsdrucksache für den Wirtschaftsausschuss war zwar die Höhe der Hilfsleistung nicht benannt worden. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte die Stadtverwaltung allerdings mit, es würde „eine vergleichbare Konstellation wie in der letzten Zweitligasaison unterstellt“. Damals wurde die Grundpacht um 2,6 Millionen Euro – auf die Hälfte – gesenkt. Insgesamt muss der VfB normal rund sieben Millionen bezahlen, darunter 740 000 Euro Erbpachtzins an die Stadt. Die Liquiditätslage sei bei einem Bestand von 2,9 Millionen Euro aber gesichert, betonten die Geschäftsführer der Stadion KG. Eine Aussetzung der Tilgung und Vereinbarungen zur Stundung von Zinsen – wie beim ersten Abstieg vorgenommen – seien jedenfalls „für eine einmalige Zweitligasaison 2019/2020 nicht erforderlich“.
Der sofortige Wiederaufstieg sei für die Stadt und seine Gesellschaft von „strategischem Interesse“, lautete die Begründung für den Stundungsvorschlag. In der letzten Zweitligasaison waren wegen des hohen Zuschauer- und Sponsorenzuspruchs die Auswirkungen für die Stadiongesellschaft nicht ganz so schlimm gewesen. Der VfB konnte 1,4 Millionen Euro mehr als vereinbart bezahlen, und auch die variable Pacht war höher.
Noch schreibt die Stadiongesellschaft wegen der Abschreibungen (6,3 Millionen Euro pro Jahr) und den Kreditzinsen rote Zahlen. 2018 waren es 258 000 Euro. Die seit 2011 aufgelaufenen Verluste betragen 22,1 Millionen Euro und wurden vollständig vom „atypisch stillen Gesellschafter“ VfB bezahlt – und zwar von jenen 27 Millionen Euro, die damals die Daimler AG dem Verein gespendet hatte. Würden auch noch die restlichen 4,9 Millionen Euro benötigt, müssten Stadt und Verein den Verlust im Verhältnis 60:40 tragen.