VfB Stuttgart Stadt befürchtet einen neuerlichen Abstieg
Die Stadion KG müsste dem VfB Stuttgart in der zweiten Bundesliga wieder die Hälfte der Pacht stunden. Auf Dauer kann sie sich das aber nicht leisten.
Die Stadion KG müsste dem VfB Stuttgart in der zweiten Bundesliga wieder die Hälfte der Pacht stunden. Auf Dauer kann sie sich das aber nicht leisten.
Stuttgart - Thomas Fuhrmann (CDU) hat im März mit dem Amt des Finanzbürgermeisters von Parteifreund Michael Föll neben dem Fassanstich beim Frühlingsfest ein weiteres Ritual übernommen: Wie sein Vorgänger richtet der Stadtkämmerer, obwohl von Haus aus Leichtathlet, aus finanziellen Gründen Stoßgebete gen Fußballhimmel. Es ist im Interesse der Stadt, dass der VfB Stuttgart die Relegation übersteht. Bekanntlich hat der Verein 2011 für jährlich etwa sieben Millionen Euro die von Fuhrmann als Aufsichtsratschef kontrollierte und von der städtischen Stadion GmbH und Co. KG verwaltete Mercedes-Benz-Arena angemietet. Deren Geschäftsberichte schließen mit dem Hinweis, eine „langfristig abgesicherte Zahlung der Pacht steht in direktem Zusammenhang mit dem sportlichen Erfolg des VfB Stuttgart“. Und damit sind nicht Siege in Liga zwei gemeint.
Den ersten Belastungstest hat die 2008 vom Gemeinderat vor allem wegen ihrer „Stressfähigkeit“ genehmigte Liaison überstanden: Je eine halbe Zweitligasaison 2016 und 2017 hat die Stadion KG gestemmt, obwohl die Fixpacht auf 2,6 Millionen Euro halbiert worden war, um dem VfB das Leben leichter zu machen. Positiv wirkte sich der hohe Zuschauerzuspruch aus, sodass die VfB-Betreibergesellschaft 1,4 Millionen Euro mehr als erwartet an den Vermieter überwies. Auch die variable Pacht fiel höher aus. Mangels eigener Mittel hatte die Stadion KG aber die Tilgung der Kredite von etwa zwei Millionen Euro pro Jahr ausgesetzt.
Kurze Krisen kann das städtische Unternehmen bewältigen, denn es benötigt nur etwa die Hälfte der VfB-Zahlungen, um die Verpflichtungen der Stadiongesellschaft aus Krediten (rund 1,7 Millionen Euro Zinsen und zwei Millionen Euro Tilgung pro Jahr) und gegenüber der Stadt (800 000 Euro Erbpachtzins) zu erfüllen. Der Rest, so das bis 2041 reichende Wirtschaftlichkeitsmodell, solle auf die hohe Kante, um für Instandhaltungen und für die fällige Totalsanierung oder einen Neubau am Ende der Periode gewappnet zu sein; dann sollten 61 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet worden sein.
Um ständig liquide zu sein und ausreichend Vorsorge treffen zu können, benötigt die Stadion KG einen Pächter, der nur ausnahmsweise im Unterhaus sein Dasein mit dem Verkauf billiger Tickets fristet. Die Stadt teilt auf Anfrage mit, die Gesellschaft könne die Auswirkungen „eines“ neuerlichen Zweitligaszenarios 2019/2020 aus eigener finanzieller Kraft bewältigen; dabei wird erneut eine Halbierung der Grundpacht unterstellt. Was die Aussetzung von Tilgungen und Stundung von Zinszahlungen angehe, seien sie diesmal „für eine einmalige Zweitligasaison“ nicht erforderlich.
Das damalige Wirtschaftlichkeitsmodell sei nur ein Plan gewesen, sagt Geschäftsführer Martin Rau. Er schaue als Ökonom nur nach vorne. Die Kreditzinsen sind deutlich niedriger als 2008. Aus bis zu 4,5 Prozent wurde etwas mehr als ein Prozent. Allerdings waren auch Zinserträge für angespartes Kapital eingeplant, die es nicht gibt. Der damalige Plan sah vor, im neunten Jahr des Vertrags schon fast neun Millionen Euro verdient zu haben. Ende 2017 waren es gerade einmal fünf Millionen Euro. Der Austausch der Dachmembran für 9,5 Millionen Euro konnte nicht, wie ursprünglich vorgesehen, aus Barmitteln bezahlt werden. Es wurde dafür ein weiterer sehr günstiger Kredit aufgenommen.
Die Jahresergebnisse waren bisher negativ. Das lag an den hohen Zinsaufwendungen, vor allem aber an den Abschreibungen (6,3 Millionen Euro jährlich, ausgehend von einem Wert fürs Stadion von 96 Millionen Euro). 2017 belief sich der Fehlbetrag auf vier Millionen Euro, in den drei Jahren zuvor waren es zusammen fast acht Millionen Euro.
Wie vereinbart wurde der Verlust wieder allein von der VfB Stuttgart 1893 AG übernommen, dadurch schmolz ihre Einlage von 27 Millionen Euro auf 5,1 Millionen Euro zusammen. Die Zahlen für 2018 seien nur noch leicht negativ, verrät Rau. Wäre die VfB-Einlage aufgebraucht, müssten sich den künftigen Verlust laut Vereinbarung die Gesellschafter im Verhältnis von 60 Prozent (Stadt) und 40 Prozent (Verein) teilen. Frisches Kapital werde aber nicht nötig. Von diesem Jahr an schreibe die Stadion KG schwarze Zahlen, und das VfB-Konto fülle sich wieder.
Für den schlimmsten Fall – der VfB steigt ab, dümpelt jahrelang in der zweiten Liga und spielt die Arena leer, und die Stadion KG wird zahlungsunfähig – ist vorgesorgt. Beim Heimfall träte die Stadt in die Darlehensverträge ein und würde wieder die Lasten des Stadioneigentümers übernehmen: Vor dem Umbau belief sich das Defizit auf 2,6 Millionen Euro pro Jahr. „Daran denke ich erst gar nicht“, so Rau.