Das erste Bundesligator des VfB-Stürmers hat eine enorme Bedeutung – nicht nur für ihn selbst.    

Sport: Marko Schumacher (schu)

Hamburg - Am Ende zeigt sich Sven Schipplock auch noch als ausgebuffter Verhandlungspartner. Wie einem Freund versprochen, besorgt er sich von Charles Takyi ein Trikot des FC St. Pauli - verzichtet aber darauf, sein eigenes Leibchen als Gegenleistung einzutauschen. "Denn das wird eingerahmt und zu Hause an die Wand gehängt", sagt Schipplock freudestrahlend. Und so wird ihn sein leicht dreckverschmiertes Trikot mit der Nummer 36 künftig immer an jenen Tag erinnern, an dem er sein erstes Bundesligator erzielte.

Ein ungemein wichtiges ist es gewesen, dieser Siegtreffer zum 2:1 gegen den Abstiegskonkurrenten St. Pauli wenige Minuten vor dem Schlusspfiff. Links unten traf er ins Toreck, wurde anschließend von den Mitspielern fast erdrückt und von den Emotionen übermannt. Ein "wahres Gefühlschaos" habe er erlebt, berichtet Schipplock über seinen bislang größten Moment als Fußballprofi, "das war für mich ein absoluter Ausnahmezustand".

"Wirklich schön, dass der Plan aufgegangen ist"

Nach 83 Minuten war der Stürmer für Shinji Okazaki - dessen Familie im Süden Japans die Katastrophe unbeschadet überstanden hat, der in Gedanken aber natürlich dennoch oft in der Heimat war - ins Spiel gekommen. Schipplock hatte vom Trainer zwei Aufgaben mit auf den Weg bekommen: In der Defensive sollte er den Pauli-Angreifer Marius Ebbers bei Standardsituationen stören und in der Offensive "ein paar Nadelstiche setzen". Er habe "das Gefühl gehabt, noch was bewegen zu müssen", berichtet Bruno Labbadia und war sichtbar stolz auf sein gelungenes Einwechselmanöver: "Wirklich schön, dass der Plan aufgegangen ist."

Der VfB-Manager Fredi Bobic fand es sogar "fantastisch, wie Schippo das gemacht hat". Ein paarmal sei der 22-Jährige in seinen vorherigen acht Bundesligaspielen schon dicht vor seinem ersten Tor gewesen, "deshalb hat er sich das jetzt mehr als verdient". Von Schipplocks Sonderschichten berichtet Bobic und dem Einsatz, der endlich belohnt worden sei: "Dieses Tor ist gut für sein Selbstvertrauen."

Natürlich weiß Schipplock selbst am besten, dass ihm trotz allem auch weiterhin viel Arbeit bevorsteht, wenn er sich als Bundesligastürmer etablieren will: "Ich habe noch einen weiten Weg vor mir." In der Stürmerhierarchie des VfB hat er zwar den ausgemusterten Ciprian Marica überholt, rangiert aber hinter Pawel Pogrebnjak, Martin Harnik und dem verletzten Cacau. Noch ist der gebürtige Reutlinger kein Star, weshalb Fredi Bobic die großen Lobeshymnen vorsichtshalber schnell wieder für beendet erklärt: "Er hat toll gespielt - und dabei wollen wir es jetzt belassen. Jetzt muss er weiter hart arbeiten."