Die Diskrepanz nimmt stetig zu. Während die Zahl der Tickets für Heimspiele des VfB Stuttgart logischerweise konstant bei rund 60 000 bleibt, wächst die Zahl der Vereinsmitglieder und damit der Vorkauf-Berechtigten seit Jahren unaufhörlich – auf inzwischen 122 000. Diese Größenordnung stellt aber nicht das ganze Bild dar: Hinzu kommen Kinder und Jugendliche, für die der VfB eigene Angebote je nach Alter im Portfolio hat. Der Fritzleclub (5 bis 12 Jahre) und der Jugendclub (13 bis 18 Jahre) zählen zusammen inzwischen 18 000 Mitglieder, die ebenfalls ein Vorkaufsrecht auf Eintrittskarten für Spiele der Bundesliga-Mannschaft besitzen.
Hier hat der VfB zuletzt das Verfahren geändert. Seit dem Vorverkauf für das Heimspiel gegen Werder Bremen ist der Familienblock vorerst den Fritzle- und Jugendclub-Mitgliedern vorbehalten und aus dem regulären Mitgliederverkauf genommen. Dabei handelt es sich um die Blöcke 75 und 76 (Unterrang) und 81 und 82 (Oberrang) in der Untertürkheimer Kurve am Übergang zur Haupttribüne. Hier gilt unter anderem auch ein Rauchverbot.
Regelung gilt vorerst bis Saisonende
Weshalb die Änderung? Man verzeichne, teilt der VfB auf Anfrage mit, aufgrund des großen Zuwachses an Mitgliedern im Fritzle- und Jugendclub eine sehr hohe Nachfrage nach Tickets im Familienblock. „Um der hohen Nachfrage zielgerichteter nachkommen zu können, wurde beschlossen, dass Tickets im Familienblock zunächst ausschließlich für Fritzle- und Jugendclub-Mitglieder erhältlich sind.“ Der Verein hat sie im Vorfeld des Bremen-Spiels auch explizit angeschrieben und hierauf hingewiesen. Nicht eingeschlossen ist der Mini-Club für Kinder in einem Alter bis vier Jahren – hier besteht die Option zum Erwerb von Schoßkarten.
Die neue Regelung gilt vorerst bis Saisonende – und ändert schon einiges. Knapp 3000 Plätze umfasst der Familienblock, wobei hiervon noch einige Dauerkarten und Plätze für Rollstuhlfahrer wegfallen. Insgesamt stehen für den Mitglieder-Verkauf gut 13 000 Karten zur Verfügung – nach Abzug von 36 300 Dauerkarten, 6000 Plätzen im Gästebereich und 4500 VIP-Tickets.
Damit fällt durch die neue Praxis ein relevanter Karten-Anteil aus dem Mitgliederverkauf. Einerseits. Im Gegenzug aber können die Mitglieder des Fritzle- und Jugendclubs nun nicht mehr wie bisher auf die übrigen Bereiche zugreifen, sodass hier die Konkurrenz für die regulären Vereinsmitglieder abnimmt.
Dennoch stehen die Chancen im Familienblock nicht schlecht. Für das DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig – zugegebenermaßen aufgrund des Abendtermins unter der Woche keineswegs ideal für Kinder und Jugendliche – gab es drei Stunden nach Start des Vorverkaufs noch nebeneinanderliegende Sitzplätze in eben diesem Bereich, während die Karten in den anderen Blöcken des Stadions zu diesem Zeitpunkt bereits komplett vergriffen waren. Auf Dauer werden die Plätze aber nicht zurückgehalten: Sollte es mit nahendem Spieltermin noch Karten im Familienblock geben, gehen diese in den regulären Mitgliederverkauf.
Übrigens: Fritzle- oder Jugendclub-Mitglieder sind nicht automatisch auch Vereinsmitglieder. Das ist zusätzlich möglich, der e.V. steht ab Geburt Personen jeden Alters offen. Vielfach, schreibt der VfB, liegt auch tatsächlich eine Doppel-Mitgliedschaft vor.