VfB Stuttgart Transfers Der Stand im Undav-Poker
Die Verhandlungen über einen Verbleib von Deniz Undav ziehen sich schon lange hin. Doch jetzt steht eine Entscheidung unmittelbar bevor – und es gibt Alternativkandidaten.
Die Verhandlungen über einen Verbleib von Deniz Undav ziehen sich schon lange hin. Doch jetzt steht eine Entscheidung unmittelbar bevor – und es gibt Alternativkandidaten.
Der Poker um Deniz Undav geht in die entscheidende Phase. Nach Wochen, in denen wenig passiert ist zwischen den Verhandlungspartnern. Der Spieler hat nun einerseits seine Absichten erneut sehr deutlich an seinen Arbeitgeber kommuniziert. Der VfB Stuttgart hat seinerseits ein weiteres Angebot abgegeben, um den Stürmer nach der Leihe fest an sich zu binden. Die offerierte Ablösesumme liegt um die 30 Millionen Euro, der finanziellen Schmerzgrenze. Denn der Fußball-Bundesligist ist immer noch bereit, Undav für immens viel Geld zu halten.
Doch Brighton & Hove Albion verharrt bislang regungslos. Eigene Vorstellungen hat der Premier-League-Club nicht übermittelt. Dabei hat der VfB viel getan, um die Aufmerksamkeit der Engländer zu erhalten: Das Angebot wurde mehrfach erhöht, mit diversen Modellen und Staffelungen. Ohne Erfolg.
Doch nun kommt Bewegung in die Sache. Und das gleich auf mehreren Ebenen. Denn zum einen hat der Spieler nach Informationen unserer Redaktion in England durch dutzende SMS und Anrufe allen Verantwortlichen klar gemacht, dass er nicht gedenke, auch nur annähernd die Klasse anzubieten, die er zu leisten imstande ist, wenn er zurückmuss. Manch einer spricht von Drohungen, die ausgesprochen wurden.
Ein Verhalten, dass ein ganz anderes Licht auf den Stuttgarter Publikumsliebling wirft. Das hat zu zweierlei geführt. Zum einen ist man auf der Insel zu der Erkenntnis gelangt, dass es keinen Sinn ergibt, bis zum bitteren Ende zu pokern – nur, um dann einen völlig unzufriedenen Profi im Kader zu haben. Zum anderen ist man auch beim VfB nicht mehr vorbehaltlos vom Transfer überzeugt. Was mit einer weiteren Komponente zu tun hat: der Nachhaltigkeit, im finanziellen Sinne. Denn das Undav-Paket ist massiv. Neben der Ablöse kämen noch Handgelder und das Gehalt hinzu. Der Nationalspieler will einen Vertrag über vier Jahre haben, der VfB könnte sich auch drei vorstellen. Das alles zusammengerechnet, ergibt einen Betrag, der die 50-Millionen-Euro-Schallmauer durchbricht.
Das sind neue Dimension, in die der Vizemeister vordringt. Wie auch der erst kürzlich vollzogene Rekordtransfer von Ermedin Demirovic (21 Millionen Euro) verdeutlicht. „Mittelfristig können wir uns diese Personalien auch ohne internationale Einnahmen leisten“, sagt der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle, da es neben den Champions-League- und Transfer-Einnahmen in diesem Sommer drei Faktoren gibt, die den VfB finanziell stabil halten: die auf Dauer signifikant erhöhten Transfererlöse, das Steigen im TV-Ranking und die Stärkung des Eigenkapitals durch die Porsche-Millionen.
Aus sportlicher Sicht stellen sich jedoch andere Fragen. Ist das viele Geld wirklich angebracht für einen 28-Jährigen, der sich zwar auf seinem Leistungshöhepunkt bewegt, aber in Kürze keinen adäquaten Weiterverkaufswert mehr besitzt? Oder sollten die Stuttgarter das Geld lieber nehmen und drei Spieler dafür verpflichten? Jünger, günstiger, mit Entwicklungspotenzial und entsprechenden Perspektiven.
Allen Abwägungen zum Trotz wissen die VfB-Verantwortlichen jedoch genau, dass eine Undav-Verpflichtung Signalwirkung hätte. Nach innen und nach außen. Zum einen in den Club hinein, um jeden Mitarbeiter darauf zu polen, wohin die Reise nun geht: zu den internationalen Höhepunkten, nach denen sich der VfB lange gesehnt hat. Zum anderen in die Branche hinaus, wo man ein Zeichen gesetzt hätte: für eine erhöhte Finanzkraft und gestiegene Ambitionen.
Für Undav sprechen außer seinen Toren die weichen Faktoren. Er kann für die Kabine viel wert sein, gilt als Stimmungsmacher. Mit seiner Art zieht er eine Mannschaft mit. Auch in der Außendarstellung profitiert der VfB. Dem EM-Teilnehmer fliegen überall, wo er auftaucht, die Herzen zu. Kein Wunder, dass die Rufe nach ihm rund um den Wasen immer lauter werden. Undav oder nix, frei nach Pep Guardiola, lautet seither das Motto nicht weniger Anhänger.
Nun naht die Entscheidung im Transferpoker. Die Karten liegen auf dem Tisch und zwei (vielleicht drei) Tage will der VfB nach Informationen unserer Redaktion noch warten und gegebenenfalls verhandeln, ehe er einen Schlussstrich zieht und aussteigt – oder den finalen Durchbruch erzielt. Noch gibt es die Hoffnung auf Letzteres.
Währenddessen versuchen die Stuttgarter, gleich mehrere Bälle in der Luft zu halten. Schließlich braucht es Alternativen, wenn der Undav-Wechsel platzen sollte. Arnaud Kalimuendo von Stade Rennes steht ganz oben auf der Liste. Doch der VfB müsste mindestens 20 Millionen Euro für den 22-jährigen Franzosen in die Hand nehmen. Ein anderer Kandidat ist Adam Hlozek (22) von Bayer Leverkusen. Der spielstarke Tscheche soll sich bereits mit VfB-Verantwortlichen ausgetauscht haben. Beim Doublegewinner gilt Hlozek als Verkaufskandidat.