Er hatte stets betont, wie wohl er sich in Stuttgart fühlt. Und der VfB hatte fest mit einem Verbleib von Waldemar Anton gerechnet. Doch nun ist alles anders – der Kapitän geht von Bord. Und zu einem Bundesliga-Konkurrenten.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Der Kapitän geht von Bord. Waldemar Anton wird den VfB Stuttgart verlassen. Das hat der Abwehrspieler am Freitag den Fußball-Bundesligisten kurzfristig wissen lassen. Den 27-Jährigen zieht es zu Borussia Dortmund. Dafür wird er von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen, um in der nächsten Saison für die Westfalen aufzulaufen. Die festgeschriebene Ablösesumme beläuft sich auf 23,5 Millionen Euro. Das hatten der VfB und Anton noch zu Jahresbeginn ausgehandelt, als der Vertrag vorzeitig bis 2027 verlängert wurde.

 

Die Freude über Antons Verbleib ist an der Mercedesstraße 109 in Bad Cannstatt jetzt nur kurz gewesen, da sich der Nationalspieler nun dafür entschieden hat, den VfB zu verlassen. Geplant war das anders – und besprochen auch. Zumal sich der Innenverteidiger zuletzt noch zweimal öffentlich zu den Stuttgartern bekannt hatte.

Nun sind die Entwicklungen andere – und Anton tritt beim BVB die Nachfolge von Mats Hummels an, dessen Vertrag in Dortmund nicht mehr verlängert wurde. Der EM-Teilnehmer nimmt somit die Rolle des mittlerweile 35-jährigen Weltmeisters von 2014 ein. Mit Nico Schlotterbeck soll der Ex- Hannoveraner das Abwehrzentrum bilden.

Zum Hintergrund gehört dabei, dass der frühere VfB-Sportdirektor Sven Mislintat Anton 2020 nach Stuttgart holte und erst kürzlich bei den Borussen die Kaderplanung als Technischer Direktor übernommen hat. Mit dem Sportchef Sebastian Kehl baut er die Mannschaft um. Und Antons Spielerberater Arthur Beck ist mit Mislintat eng verbandelt, vor allem geschäftlich.

Das entscheidende Argument für Anton war offenbar die sportliche Perspektive. Er sieht die Stuttgarter Mannschaft, die in der abgelaufenen Spielzeit überraschend die Vizemeisterschaft erstürmt hat, auseinanderbrechen. Hiroki Ito (FC Bayern München) ist bereits weg, mit dem Wechsel des Torjägers Serhou Guirassy wird gerechnet. Auch da gilt Dortmund als heißes Ziel.

Mit dem BVB vermag Anton dauerhaft in der Champions League zu spielen. Mit dem VfB ist das zwar nächste Saison garantiert, aber darüber hinaus weniger wahrscheinlich als mit seinem neuen Arbeitgeber. Zuletzt war Anton, der zum Kader von Bundestrainer Julian Nagelsmann für das laufende Heimturnier gehört, äußerst gefragt. Bayer Leverkusen mit Chefcoach Xabi Alonso bemühte sich um ihn, ebenso klopften Atlético Madrid und der FC Liverpool an. Das Rennen machte jedoch Nuri Sahin, der Nachfolger von Edin Terzic in Dortmund. Trotz des großen Wohlfühlfaktors in Stuttgart. Aber letztlich hat auch das Geld entschieden. Anton unterschreibt beim BVB offenbar bis 2028 und verdient deutlich mehr als die mehr als drei Millionen Euro pro Jahr beim VfB.