VfB Stuttgart Transfers Was für Grischa Prömel spricht – und was dagegen

Überlegen sich, Grischa Prömel (re.) unter Vertrag zu nehmen: Christian Gentner und Fabian Wohlgemuth Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart beschäftigt sich intensiv mit Grischa Prömel. Es wäre ein Transfer, den es gut abzuwägen gilt. Denn es gibt nicht nur Argumente, die dafür sprechen.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Der VfB Stuttgart beschäftigt sich ernsthaft mit Grischa Prömel. Das ist, unaufgeregt und in aller gebotenen Kürze, die Nachricht vom Transfermarkt rund um die Weiß-Roten aus Bad Cannstatt in diesen Tagen. Nicht weniger, und auch nicht mehr, wie diverse Medienberichte im permanent hyperventilierenden Genre des sogenannten Transferjournalismus nahelegen. Ein baldiger Vollzug ist nicht zu erwarten.

 

Kurz zu den Fakten: Prömel, gebürtiger Stuttgarter, ist ein etablierter Bundesliga-Spieler. Seit Jahren ist der 31-Jährige dabei, bei den ganz großen Adressen stand er allerdings noch nie unter Vertrag. Seine ersten Schritte machte er beim TSV RSK Esslingen an der Kaiserlinde, von dort ging es zu den Stuttgarter Kickers, Hoffenheim, dem KSC und Union Berlin. Prömel schaffte also das Kunststück, hier in der Region zum Profi zu werden, ohne jemals beim VfB Stuttgart gespielt zu haben.

Mittlerweile steht er wieder in Hoffenheim unter Vertrag. Zumindest noch, denn sein Arbeitspapier dort läuft im Juni aus. Frisch auf die Zielgerade seiner Karriere eingebogen, kann Prömel wohl noch einen großen Vertrag unterschreiben. Womöglich auch erstmals einen beim VfB. Denn das von den Hoffenheimern vorgelegte Angebot zur Verlängerung hat Prömel bisher nicht akzeptiert. Und just vor wenigen Wochen den Berater gewechselt.

Torjubel: Prömel trifft gegen den VfB. Foto: AFP

Von der Agentur Gordon Stipic´ Unique Sports Group „USG“ zu „Sports360“ von Volker Struth. Einer der großen Namen der Branche, der unter anderem auch Nationaltrainer Julian Nagelsmann und VfB-Spielgestalter Angelo Stiller vertritt. Struth führt nun die Verhandlungen – auch die mit dem VfB. Dass Prömel mit dem Club in Gesprächen ist, hat gute Gründe.

Es gibt aber auch welche, die gegen eine Verpflichtung sprechen. Da ist zum Beispiel die recht üppige Verletzungshistorie. Zwar waren viele der Blessuren kleinerer und mittlerer Natur, doch seit der Saison 2022/23 verpasste Prömel wegen eines Knöchelbruchs, einer Innenbandverletzung und eines Kreuzbandrisses insgesamt 60 Spiele, fiel 498 Tage aus. Und das im für Fußballer schon fortgeschrittenen Alter, dem nächsten Contra-Punkt. Prömel ist 31 Jahre alt. Was zum einen bedeuten könnte, dass er seinen Zenit schon überschritten hat. Man spricht gemeinhin von der Phase 26 bis 30 Jahre, in denen die Athleten ihr Bestmögliches abrufen können.

Szene aus dem letzten Aufeinandertreffen. Prömel kommt zum doppeln gegen Deniz Undav. Foto: Baumann

Zum anderen steht dies der Transferstrategie des VfB entgegen. Seit Sebastian Hoeneß VfB-Trainer ist, hat man keinen Spieler älter als 26 unter Vertrag genommen. Und dann ist da noch Mirza Catovic. Der hochtalentierte Youngster besetzt im Profikader die Prömel-Position. Er trainiert bei Hoeneß und ist in der 3. Liga bei der U21 unter Nico Willig gesetzt. Und soll irgendwann einmal ganz oben aufschlagen. Doch auch um ihn gibt es Gerüchte um einen bevorstehenden Wechsel – ausgerechnet nach Hoffenheim.

Für Prömel sprechen auch einige Argumente. Denn der Mittelfeldmann ist ablösefrei zu haben. Für eine Unterschrift würde nur ein Handgeld fällig werden, in der Höhe des Gehalts für ein Vertragsjahr. Dazu gilt er als Spieler mit hervorragender Mentalität und immensem Workload, ausgestattet auch mit jeder Menge Resilienz und Galligkeit. Material, aus dem Führungsspieler gemacht sind. Und eine Mischung, die es so im Stuttgarter Kader noch nicht gibt. Davon konnte vor der Kontaktaufnahme nicht zuletzt Christian Gentner aus erster Hand berichten.

Schließlich hat der heutige Sportchef des VfB zwei Jahre an der Alten Försterei mit Prömel zusammengespielt. Gentner kennt zudem die Kaderstruktur des VfB nur zu gut. Daher weiß er auch, dass es im zentralen Mittelfeld des Clubs womöglich im Sommer Bedarf gibt. Karazor wird nicht jünger, Chema Andrés kann von Real Madrid zurückgeholt werden, Stiller nach der WM eine neue Herausforderung suchen.

Nikolas Narteys Rückkehr ist zwar bemerkenswert, aber womöglich nicht von langer Dauer, zudem läuft der Vertrag im Juni aus. Da dürfte sich schneller als manche denken ein Kaderplatz auftun. Den man mit Prömel schon jetzt besetzen könnte.

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