VfB Stuttgart trifft auf Hannover 96 Zwei Absteiger auf dem Weg nach oben

Von Gregor Preiß 

Vor dem Duell der beiden Bundesliga-Absteiger und Topfavoriten auf den Wiederaufstieg am Montag (20.15 Uhr/Sport 1) herrscht beim VfB eitel Sonnenschein. In Hannover droht die nächste Eiszeit. Ein Vergleich.

Zuletzt traf der VfB im Februar auf Hannover und unterlag mit 1:2. Es war der Anfang vom Ende in der Bundesliga. Foto: dpa
Zuletzt traf der VfB im Februar auf Hannover und unterlag mit 1:2. Es war der Anfang vom Ende in der Bundesliga. Foto: dpa

Stuttgart - Die Niedersachsen legten zu Beginn der Zweitligasaison los wie aufgezogen: Auf dem Betzenberg wurde der 1. FC Kaiserslautern mit 4:0 vernascht, es folgte ein 3:1 gegen Greuther Fürth. Die ersten Fans sprachen schon von einem Selbstläufer. Hannover profitierte vom frühzeitig feststehenden ­Abstieg aus der Bundesliga, der die Kaderplanung für die zweite Liga erleichterte. Mit Daniel Stendel, der bereits zum Ende der vergangenen Saison übernahm, hatte auch der Trainer eine gewisse Vorlaufzeit.

Beim VfB Stuttgart wurde nach dem Abstieg alles auf null gestellt: Trainer weg, Sportchef weg, Präsident weg. Die besten Spieler sowieso. Was eine Chance sein kann, aber zumindest am Anfang die Gefahr birgt, dass sich das Chaos unvermindert fortsetzt. So kam es dann auch. Den Fehler, den Trainer (Jos ­Luhukay) vor dem neuen Sportchef (Jan Schindelmeiser) zu verpflichten, werden die Verantwortlichen beim Club aus Cannstatt so schnell sicher nicht wiederholen. Zum Glück mündeten die Verwicklungen zu Saisonbeginn nicht in einen totalen Fehlstart. Die Aufstiegsränge blieben selbst nach dem Tiefpunkt – der 1:2-Heimpleite gegen Heidenheim – immer im Blick.

Sportliche Entwicklung

Den Frühstartern von der Leine ging überraschend schnell die Luft aus. Die Ergebnisse des nach dem VfB zweitteuersten Kader der Liga wurden immer mäßiger, die Spiele ebenso. „18 Gegentore sind für eine Spitzenmannschaft zu viel“, spielt Martin Harnik auf die wacklige Defensive an. Auswärts ist 96 vor dem Duell der Absteiger seit vier Spielen sieglos. Ein richtiges Konzept ist bei Trainer Daniel Stendel noch nicht recht zu erkennen, hinzu kamen Verletzungspech und Transfer-Flops wie Marius Wolf. Vor der Saison für zwei Millionen Euro von 1860 München verpflichtet, wurde der Stürmer inzwischen zur Reserve abgeschoben.

Die Entwicklung beim Bundesliga-17. der Vorsaison verläuft konträr zu jener des Mitabsteigers. Es wurde immer besser – die Ergebnisse und zumindest in Teilen auch die Spiele. Seit dem Waterloo von Dresden am 9. Spieltag hat die Mannschaft von Trainer Hannes Wolf 16 von 18 möglichen Punkten geholt. Mit 32 Punkten nach 15 Spieltagen liegt die Mannschaft mehr als im Soll. 60 Punkte haben in der Vergangenheit stets für mindestens Platz drei am Ende gereicht. „Die grundsätzliche Leistungsentwicklung stimmt“, sagt Wolf.

Verein

Die derzeitige Entwicklung bei 96 behagt Martin Kind („Der Aufstieg ist alternativlos“) überhaupt nicht. „Es fehlt an Beständigkeit, Sicherheit und Stabilität“, hat der mächtige Clubboss erkannt und aus den restlichen zwei Spielen bis zur Winterpause beim VfB und gegen Sandhausen vier Punkte gefordert. Eine Niederlage in Stuttgart könnte der Anfang vom Ende des bei den Fans beliebten Eigengewächses Stendel sein. Experten gibt der junge Trainer in ­Sachen Taktik und Aufstellung aber immer wieder Rätsel auf. „Es war doch klar, dass wir nicht durch die zweite Liga spazieren“, wertet Martin Bader den Saisonverlauf eher positiv. Der Sportchef ist gleichfalls umstritten. In dem früheren Ulmer Bundesliga-Trainer Martin Andermatt, einem Vertrauten von Kind, wurde ihm ein Berater zur Seite gestellt. „Martin Andermatt ist einzubeziehen“, lautet Kinds klare Anordnung für künftige Transfergeschäfte.

Im roten Haus in Stuttgart machen sie noch immer drei Kreuze, dass die Mitgliederversammlung am 9. Oktober einigermaßen unfallfrei über die Bühne ging. Zur Erinnerung: Damals wurde Wolfgang Dietrich mit knapper Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt. Das Chaos, das andernfalls ­gedroht hätte, mag man sich beim VfB lieber nicht ausmalen. Seither geht es im Verein verdächtig ruhig zu. Dietrich steckt noch in der Findungsphase. Die Ausgliederung wird wohl auch sein wichtigstes Projekt werden. Das Verhältnis zwischen ihm und Sportchef Jan Schindelmeiser scheint intakt, genauso das zwischen Schindelmeiser und Wolf. Dennoch gibt es im Verein in Sachen Nachwuchs und Scouting noch einige Baustellen.

Umfeld

Mit knapp 36 000 Fans im Schnitt wurden in Hannover die Erwartungen vor der Saison übertroffen. Doch die Lage ist gespannt. Eine Entlassung Stendels könnte das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen Fans und der Clubführung um Martin Kind zerrütten. Sportchef Bader sieht’s pragmatisch: „In Stuttgart herrscht eine bessere Stimmung als bei uns – das müssen wir uns erst noch ­erarbeiten.“

Siegt der VfB weiter und strömen die Fans auch künftig so zahlreich in die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena, könnte der bisherige Zweitligarekord des 1. FC Köln (durchschnittlich 46 300 in der Saison 2013/14) geknackt werden. Aktuell liegt der Schnitt bei 48 500. Richtig euphorisch ist die Stimmung im Stadion aber selten. Zweite Liga ist eben nicht gleich Bundesliga. Andererseits haben viele Fans auch Gefallen gefunden am speziellen Reiz, den das Unterhaus verströmt: Einen 4:0-Sieg in Aue und die Tabellenführung zu feiern wirkt sich bei so manchem Anhänger besser auf die Stimmung aus als Abfuhren von Bayern München oder Borussia Dortmund.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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