VfB Stuttgart „Tut weh“ – was den VfB-Frauen ohne Mandy Islacker und Leonie Maier fehlen wird

Abschied als Regionalliga-Meisterinnen: Leonie Maier (li.) und Mandy Islacker (re.) spielen künftig nicht mehr für den VfB Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann

Zwei wichtige Stützen der Aufstiegsmannschaft verlassen die Frauenmannschaft des VfB Stuttgart. Warum? Was hat sie ausgezeichnet? Wie geht es nun weiter?

Sport: Dirk Preiß (dip)

Die Saison der Superlative endete im Businessbereich der MHP-Arena – und mit einem besonderen Präsent für Mandy Islacker. Die Angreiferin der Frauenmannschaft des VfB Stuttgart bekam eine kleine Torjägerinnenkanone geschenkt. Und die war mehr als verdient.

 

28 Treffer hat die frühere Nationalspielerin in der abgelaufenen Saison für den VfB erzielt – noch nie in der Geschichte der Regionalliga Süd war eine Angreiferin erfolgreicher. Insgesamt haben die VfB-Frauen 116 Treffer erzielt, haben nur zwei von 22 Spielen nicht gewonnen und kein einziges verloren. Auch lediglich 16 Gegentore sind rekordverdächtig. Der Aufstieg in die zweite Liga ist perfekt, das Double aus Meisterschaft und WFV-Pokalsieg noch möglich. Danach ist die Spielzeit dann endgültig vorüber. Bei Mandy Islacker endet aber noch mehr.

„Im Januar 2024 habe ich mich für den Weg nach Stuttgart entschieden – und meine Entscheidung bis heute keinen Augenblick bereut“, sagte sie und betonte: „Das Projekt VfB Stuttgart hat mich von Tag eins an überzeugt. Ich möchte keinen Augenblick der vergangenen eineinhalb Jahre missen.“ Man ahnt es bei diesen Worten: Die Olympiasiegerin von 2016 verlässt den VfB Stuttgart nun wieder.

Ob sie mit dem Fußballspielen ganz aufhört, das hat Mandy Islacker noch nicht final entschieden. Aber ihr Privat- und Berufsleben in ihrer Heimat nahe Köln rückt nun noch mehr in den Fokus. „Wir haben lange versucht, sie zu überreden“, sagt Lisa Lang. Weil das aber nicht gefruchtet hat, erklärt die Managerin Administration bei den VfB-Frauen: „Ihr Abschied tut unfassbar weh.“ Zugleich ist die Dankbarkeit der 36-Jährigen gegenüber aber auch riesengroß.

Leonie Maier arbeitet auch beim VfB Stuttgart

Islacker hat Olympia-Gold gewonnen, die Champions League und war zweimal Torschützenkönigin der Bundesliga. Um dann: Zum VfB in die vierte Liga zu gehen. „Sie war sich dafür nicht zu schade“, sagt Lisa Lang, „es ist Wahnsinn, was sie auf sich genommen hat.“ Weil die ehemalige Nationalspielerin auch noch von Köln nach Stuttgart gependelt ist. Als „Persönlichkeit, von der sich jede andere eine Scheibe abschneiden kann“ rühmt die Kapitänin Jana Beuschlein ihre bisherige Teamkollegin – und bezeichnet deren Wirken „auf und neben dem Platz“ als „großes Kino“.

Nun ist der Film zu Ende – und bei der Fortsetzung wird eine weitere Hauptdarstellerin fehlen. Denn: Auch die zweite Olympiasiegerin in Reihen des VfB sagte am Sonntag Goodbye.

„Es war keine leichte Entscheidung, aber es ist die richtige“, sagt Leonie Maier, die vor allem aufgrund chronischer Beschwerden ihre Karriere beenden wird. Diesmal endgültig. Eigentlich hatte sie das ja schon vor einem Jahr gemacht, wurde bei der TSG Hoffenheim in den Ruhestand verabschiedet. Doch dann entschied sie, beim VfB noch ein Jahr dranzuhängen und auch beruflich Fuß zu fassen.

„Ich hätte mir den Abschied nicht schöner vorstellen können“, sagt Leonie Maier nun. Die 32-Jährige ist in Stuttgart geboren und in der Region aufgewachsen, den VfB bezeichnet sie als „Herzensverein“. Der aber lange gar keine Frauenmannschaften stellte. Nachdem sich das geändert hatte, erfüllte sie sich den „Traum“, am Weg der VfB-Frauen nach oben beteiligt zu sein. Auch mit ihr gab es noch Gespräche, aber vor allem aus gesundheitlicher Sicht konnte es nicht mehr aktiv weitergehen. „Irgendwann“, sagt Leonie Maier, „muss man einen Schlussstrich ziehen.“

Nicole Billa stürmt in der nächsten Saison für den VfB Stuttgart. Foto: IMAGO/Maximilian Koch

„Mandy und Leo waren unfassbar“, lobt Heiko Gerber zum Abschied das prominente Duo, das nach den Partien auch immer viele Autogramme schreiben und Fotowünsche erfüllen musste. Der Trainer der VfB-Frauen erzählt, er habe den beiden immer wieder Ruhepausen zugestehen wollen. Deren Antwort: „Nein, wir wollen trainieren.“ Gerber streicht neben dem Effekt auf die Leistungen der Mannschaft die Wirkung der beiden auf den Rest des Teams heraus.

„Von ihnen konnten vor allem unsere jüngeren Spielerinnen extrem viel lernen“, sagt der Coach – der auch in der kommenden Zweitliga-Saison auf eine solche Mischung und Wirkung setzen kann.

Zwar gehen die beiden Olympiasiegerinnen. An erfahrenen und prominenten Akteurinnen wird es aber nicht mangeln im neuen Kader. Die Dongus-Zwillinge Fabienne und Tamar (je 31) kommen aus Hoffenheim und Zürich und bringen Erstliga-Erfahrung mit. Ebenso wie Janine Hechler (26), die vom 1. FC Köln zum VfB wechselt. Erst Recht gilt das für Nicole Billa. Die österreichische Nationalspielerin ist dafür vorgesehen, Mandy Islacker zu ersetzen. Sie war in Deutschland und Österreich Fußballerin des Jahres und wurde in beiden Ländern Torschützenkönigin der ersten Liga. In der kommenden Saison soll die 29-Jährige für den VfB in Liga zwei treffen. Heiko Gerber ist sicher: „Sie wird bei uns noch einmal explodieren.“

Und am Saisonende vielleicht eine kleine Kanone geschenkt bekommen.

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