VfB Stuttgart U21 Schlüsselspiel beim BVB – mit Verstärkung von oben?

Ameen Al-Dakhil (rechts) hat in dieser Saison schon für das Team von Markus Fiedler gespielt. Foto: imago/Sportfoto Rudel

Die U21 des VfB steht vor einem richtungsweisenden Duell. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth spricht über die Bedeutung der dritten Liga für den Nachwuchs – und erklärt, warum es dennoch nicht darum geht, sie um jeden Preis zu halten.

Sport: David Scheu (dsc)

Der Blick auf die Tabelle lässt keine zwei Meinungen zu: Für die U 21 des VfB Stuttgart steht ein Schlüsselspiel im Tabellenkeller der dritten Liga an, wenn sie an diesem Freitag um 19 Uhr bei Borussia Dortmund II gastiert. Beide Teams sind zwei Spieltage vor Schluss punktgleich, wobei der VfB einzig aufgrund der schlechteren Tordifferenz auf einem Abstiegsplatz rangiert. Wie ernst der BVB die Sache nimmt, zeigte zuletzt der Trainerwechsel auf der Zielgeraden: Jan Zimmermann musste zu Beginn der Woche gehen, Mike Tullberg stieg ein. Der bisherige U-19-Trainer und frühere Interimscoach der Profis hätte die Mannschaft zur neuen Saison ohnehin übernehmen sollen und rückt nun vorzeitig auf.

 

Anders stellt sich da die Situation beim VfB dar, wo mit Markus Fiedler auf der Trainerbank über die Saison hinweg Kontinuität herrscht. Zu Impulsen im Endspurt könnte es theoretisch dennoch kommen, indem Spieler aus dem Profikader zur Verstärkung zur U 21 stoßen. Allerdings schränkt hier die DFB-Spielordnung den Kandidatenkreis schon mal erheblich ein: An den letzten vier Spieltagen dürfen keine Stammspieler aus der Bundesliga-Mannschaft mehr eingreifen – und als solcher gilt, wer in mehr als der Hälfte der Pflichtspiele von Cheftrainer Sebastian Hoeneß eingesetzt wurde. Ob von Beginn an oder nur eine Minute, spielt dabei keine Rolle.

Maximal drei Spieler auf dem Feld dürfen älter als 23 Jahre sein

Dass Nick Woltemade oder Deniz Undav die Stuttgarter U 21 zum Klassenverbleib schießen, ist also schon rein regeltechnisch ausgeschlossen. Auf der anderen Seite gäbe es durchaus einige Akteure, die in der dritten Liga spielberechtigt wären. Pascal Stenzel oder Yannik Keitel zum Beispiel, die bei Hoeneß in dieser Saison wenig Spielzeit bekommen. Oder Verteidiger Ameen Al-Dakhil, der weite Teile der Hinrunde verletzt verpasst hatte.

An dieser Stelle aber kommt eine weitere Einschränkung dazu: In zweiten Mannschaften dürfen in der dritten Liga maximal drei Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen, die älter als 23 Jahre sind. Und die beiden Verteidiger Dominik Nothnagel (30) und Alexander Groiß (26) sind hier als erfahrene Stützen im Stuttgarter Drittliga-Kader in der Regel gesetzt. Vieles spricht also dafür, dass es wie bisher nur zu punktuellen Einsätzen von Spielern aus dem Profikader kommt wie zuletzt im Fall von Nikolas Nartey.

Sportvorstand Fabian Wohlgemuth verfolgt die Entwicklung der U21 genau. Foto: Baumann

Beim VfB fußt das aber nicht nur auf den Regularien, sondern auf einer prinzipiellen Herangehensweise. Dabei steht zunächst außer Frage, dass die hohen Anforderungen dieser Spielklasse für die Entwicklung prinzipiell förderlich sind. „Die dritte Liga ist für unsere Nachwuchsarbeit ein fantastisches Ausbildungsinstrument und verkürzt für die Top-Spieler noch einmal den Abstand zum Lizenzfußball“, sagt Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Das gilt für das Niveau, aber auch für die Kulissen in der Fremde: Bei Waldhof Mannheim oder Dynamo Dresden spielte die U 21 in hitzigen Atmosphären – und vor mehr Fans als die Profis bei Holstein Kiel oder dem 1. FC Heidenheim.

Die Liga mit aller Macht und Lizenzspieler-Unterstützung halten zu wollen, würde aus Wohlgemuths Sicht indessen genau diesem Ausbildungszweck widersprechen: „Die Liga hat ihren Wert aber eben darin, dass unsere eigenen Talente dort zu entsprechender Einsatzzeit kommen.“ Das habe man bisher mit aller Konsequenz umgesetzt, manchmal auch zulasten der Ergebniswirksamkeit. Ein Blick in die Zahlen: Etwa 40 Prozent der Gesamtspielzeit entfallen in dieser Saison auf die Jahrgänge 2005 bis 2007. Junge Talente also, von denen im besten Fall noch Entwicklungsschritte zu erwarten sind. „Es ging für uns auch nie darum“, sagt der Sportchef, „mit zu vielen Korsettstangen die Spielklasse um jeden Preis zu erhalten. Auch die Regionalliga ist für die Spieler des Übergangsbereichs ein gutes Wettkampfformat.“

Am Ehrgeiz und großen Ziel ändert das freilich nichts: Die U 21 habe jetzt zwei echte Endspiele vor sich und könne die Liga aus eigener Kraft halten, betont Wohlgemuth. Und eben diese Ausgangslage hat sich die Mannschaft ja ohne die große Verstärkungen von oben selbst erspielt. Fest steht dabei: Gewinnt die Mannschaft sowohl in Dortmund als auch am letzten Spieltag gegen Rot-Weiss Essen, geht sie auch in der nächsten Saison in der dritten Liga an den Start. Und wird dort wieder auf hohem Niveau gefordert sein.

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