Der Finanzchef des VfB, Ulrich Ruf, muss in die Mannschaft investieren und dabei die finanziellen Zwänge des Clubs berücksichtigen.
Stuttgart - Wenn Ulrich Ruf über den Tellerrand hinausblickt, wundert er sich sehr oft. Denn dort sieht er, dass es in der Bundesliga etliche Clubs gibt, die in der Vergangenheit weit über ihre Verhältnisse gelebt und einen Schuldenberg in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft haben. Das beste Beispiel dafür ist der FC Schalke. Dessen bilanzielle Situation würde den Finanzchef des VfB Stuttgart nachts nicht mehr ruhig schlafen lassen. Doch Ruf geht weiter entspannt ins Bett.
Ulrich Ruf legte am Sonntag bei der Mitgliederversammlung in der Schleyerhalle eine typisch schwäbische Kaufmannsbilanz vor. Zwar musste der VfB im Geschäftsjahr 2010 einen Verlust von 2,242 Millionen Euro verbuchen, aber das beeinträchtige die Liquidität in keinster Weise, sondern hänge nur mit Abschreibungsmodalitäten zusammen, sagt Ruf - und fügt hinzu: "Wir sind gesund." Ist also alles gut in Stuttgart?
Spagat zwischen sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg
Die Kunst ist es, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen - sprich, in den Mannschaftskader zu investieren, um auf dem Platz konkurrenzfähig zu bleiben, und gleichzeitig seriös zu arbeiten. Ruf will nicht zu viel riskieren, um kein Loch in die Kasse zu reißen. Das heißt, dass jede Personalie auf dem Transfermarkt durchleuchtet werden muss. Nun gibt es Kritiker, die dem VfB vorwerfen, sich im Zweifel immer für das Geld und gegen die fußballerische Perspektive entschieden zu haben. In der Tat wurden Spieler wie Mario Gomez (2009) und Sami Khedira (2010) verkauft, obwohl sie noch Verträge hatten - und bei Christian Träsch geht es nun in die gleiche Richtung. Aber Ruf argumentiert anders.
Denn bis auf dieses Jahr und auf die Saison 2006/2007 war der VfB sportlich stets international dabei - dreimal (2003, 2007, 2009) spielte er sogar in der Champions League. Parallel dazu baute der Club seine Schulden nach und nach ab. Dagegen stiegen sowohl der Umsatz von 65,8 Millionen Euro (2003) auf 117,7 Millionen (2010) als auch das Vereinsvermögen, das 2002 noch negativ war (minus 5,8 Millionen) und jetzt 21,5 Millionen Euro beträgt. Das neue Stadion bietet nun zusätzliche Einnahmemöglichkeiten. Ruf rechnet mit einem Plus von rund fünf Millionen Euro pro Runde. Demnach kann der VfB auf einen gelungenen Spagat zwischen sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg verweisen.