VfB Stuttgart Ungewohnte Spielvorbereitung – Vorteil VfB?
Nach neun Spielen in 29 Tagen können die Stuttgarter etwas durchschnaufen. Die Erfahrung aber zeigt: Die Erfolgschancen erhöht das nicht zwangsläufig.
Nach neun Spielen in 29 Tagen können die Stuttgarter etwas durchschnaufen. Die Erfahrung aber zeigt: Die Erfolgschancen erhöht das nicht zwangsläufig.
Wenn die Profis des VfB Stuttgart an diesem Mittwoch nach zwei freien Tagen wieder zusammenkommen, werden sie das mit ungewohntem Gefühl tun. Halbwegs gut erholt, ohne die große Terminhatz, mit viel Zeit zum Trainieren. Erstmals seit dem Pflichtspiel-Auftakt Mitte Januar steht für den Fußball-Bundesligisten in diesem Jahr keine englische Woche auf dem Programm, nach zuletzt neun Spielen in 29 Tagen kann sich die Mannschaft eingehend auf die kommende Aufgabe am Samstagabend (18.30 Uhr) gegen den 1. FC Köln vorbereiten.
Dass der entzerrte Kalender nach dem jüngsten Pensum gelegen kommt, überrascht natürlich nicht im Ansatz. „Bitter notwendig“ seien die beiden fußballfreien Tage gewesen, so Cheftrainer Sebastian Hoeneß, dessen Team zuletzt beim FC St. Pauli (1:2) in puncto Energie und Intensität nicht das Level des aggressiven Abstiegskandidaten erreichte. Eine Folge der hohen Belastung? Vielleicht teilweise, aber ganz gewiss nicht ausschließlich.
Dass die erste Hälfte am Millerntor vonseiten des VfB deutlich schwächer als die zweite war, legt nahe: Körperlich-konditionell kommen die Stuttgarter trotz der vielen Partien nicht auf dem Zahnfleisch daher, sie können im Spielverlauf nach wie vor zulegen. In diesem Jahr gelangen bereits fünf Pflichtspiel-Tore nach der 85. Minute. „Wir sind energetisch gut drauf und in einer Top-Verfassung“, sagt Mittelstürmer Ermedin Demirovic.
Auch der Blick auf die Ergebnisse dieser Spielzeit lässt auf einen routinierteren Umgang mit den englischen Wochen als noch in der Vorsaison schließen: Achtmal trat der VfB bislang nach einem Spiel in der Europa League mit nur drei Tagen Pause in der Bundesliga an – sieben dieser Partien gewann die Mannschaft. Und das unabhängig davon, ob viel rotiert wurde oder wenig. Einzig die Niederlage beim Hamburger SV (1:2) nach dem Spiel bei den Go Ahead Eagles in den Niederlanden fällt hier aus der Reihe.
Es spricht deshalb vieles dafür, den jüngsten Auftritt im hohen Norden als Ausreißer nach unten einzuordnen und nicht ausschließlich durch das straffe Pensum zu erklären – sofern es beim Einzelfall bleibt und die Leistungskurve zeitnah wieder nach oben zeigt. „Wir haben vor und nach dem Jahreswechsel bewiesen“, sagt der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth in diesem Kontext, „dass wir mit der Belastung gut umgehen können und dass der Kader dafür aufgestellt ist.“ Auch der Trainer macht hier kein Defizit aus: „Wir bringen die Basics in dieser Saison regelmäßig auf den Platz“, sagt Hoeneß. Spiele wie gegen St. Pauli gebe es im Verlauf einer langen Saison schlichtweg.
Hilfreich kann die volle Trainingswoche natürlich dennoch sein. Zum einen, um sich wieder einen Schuss mentale Frische zu holen und den Kopf freizubekommen. Zum anderen, um Dinge einzustudieren, die sich sonst auf Reisen eben nicht so gut erarbeiten lassen. Spielzüge, Standards, Abläufe mit und ohne Ball.
Dass das zugleich nicht automatisch die Siegchance erhöht, ist auch im Stuttgarter Lager allen klar. Man weiß es aus eigener Erfahrung. In der vergangenen Saison lief es nach dem Ausscheiden in der Champions League und dem Wegfall der Spiele im Drei-Tages-Rhythmus nicht mehr rund, letztlich fiel die Mannschaft in der Liga von Platz vier auf den neunten Rang zurück. Nun sieht man sich aus guten Gründen gefestigter als damals – und will die ungewohnt üppige Zeit bis Samstag ideal nutzen. „Es wird guttun“, sagt Demirovic, „den Tank jetzt aufzuladen und über eine Woche gut und viel zu trainieren, was wir sonst nicht machen können.“
Übrigens: Auch aufseiten des kommenden Gegners verläuft die Spielvorbereitung anders als gewohnt. Um dem Karneval-Trubel zu entfliehen, reisen die Kölner bereits am Donnerstag zwei Tage vor dem Spiel in Richtung Süden. Nach einem Zwischenstopp in Frankfurt am Main auf dem DFB-Campus, inklusive Training und Übernachtung, geht es weiter nach Stuttgart. Wo dann zwei ausgeruhte Mannschaften aufeinandertreffen.