VfB Stuttgart „Unglaublich“ – der Sportchef schwärmt von Trainer Hoeneß

Die sportlichen Macher beim VfB Stuttgart: Sportvorstand Fabian Wohlgemuth (links) und Trainer Sebastian Hoeneß Foto: Baumann/Hansi Britsch

Der Tabellenvierte belohnt sich für eine konstante Saison mit der Qualifikation für die Champions League – und Fabian Wohlgemuth kommt zu einer klaren Einschätzung.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Die Beine sind schwer geworden. Unendlich schwer, so schien es in den letzten Minuten der letzten Saisonpartie in der Fußball-Bundesliga. 2:0 hatte der VfB Stuttgart bei Eintracht Frankfurt geführt und alles schien bereitet für das triumphale Ende im Deutsche Bank Park für den Tabellenvierten. Doch dann brachten zwei verwandelte Elfmeter durch Jonathan Burkardt nicht nur den 2:2-Endstand, sondern auch noch einmal Zweifel. Hatte es für die Champions League gereicht?

 

Ja – und man kann ein Ausrufezeichen dahinter setzen. Der VfB tritt in der nächsten Spielzeit wieder in der Königsklasse an, zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen drei Jahre. Unterbrochen von einer Spielzeit als Pokalsieger in der Europa League. Das ist – gemessen an den Möglichkeiten der Stuttgarter – eine fantastische Leistung. Die Freude darüber ist riesengroß beim Traditionsverein von 1893. Er gehört erneut zu den Besten der Besten in Europa.

Zunächst war da in Frankfurt aber erst einmal Erleichterung, es geschafft zu haben. Auch, weil die Rivalen TSG Hoffenheim (0:4 bei Borussia Mönchengladbach) und Bayer Leverkusen (1:1 gegen den Hamburger SV) für den VfB gespielt haben. Schließlich brachen die Emotionen über den Erfolg dann doch noch heraus – beim Feiern mit den Fans. Sebastian Hoeneß sprang vor Freude mit der Mannschaft zum Takt der Anhänger und der Trainer ballte mehrfach die Jubelfaust.

Chema per Kopf nach Eckball von Chris Führich (10.) und Nikolas Nartey auf Vorlage von Deniz Undav (45.+3) mit dem Fuß hatten die Gäste mit ihren Treffern in die Erfolgsspur gebracht. Es war eine Halbzeitführung, die der schwäbischen Effizienz zu verdanken war, nicht der Überlegenheit. Denn der VfB bot kein gutes Spiel. Schlampigkeiten und Ungenauigkeiten prägten die Aktionen. Im Stile einer Spitzenelf schlug man aber gegen gleichwertige Frankfurter zu. Still war es dadurch im Stadion geworden. Allerdings nur kurzzeitig, nachdem die Eintracht-Fans die nächste Enttäuschung weggesteckt hatten.

Trainer Sebastian Hoeneß (links) und Torjäger Deniz Undav freuen sich über den nächsten Erfolg. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Der eingewechselte Burkardt nutzte aus elf Metern die zwei Möglichkeiten, die ihm die VfB-Profis boten. Erst verursachte der Torhüter Alexander Nübel einen Foulelfmeter, als er Burkardt am Fuß traf (72.). Unnötig, aber in dieser Phase symptomatisch, weil die Stuttgarter in Passivität verfielen. In der Nachspielzeit sprang dann noch Chema der Ball an die Hand. Wieder Strafstoß.

„Wir haben es zum Schluss leider noch einmal spannend gemacht“, sagte Hoeneß. Der Trainer wusste in diesem Moment aber schon Bescheid über das glückliche Ende. Die Begegnungen der Konkurrenten aus Hoffenheim und Leverkusen waren bereits abgepfiffen und den Stuttgartern hätte selbst eine Niederlage gereicht, um das große Ziel zu erreichen. „Ich kann der Mannschaft und dem Club nur ein Lob aussprechen. Zuletzt war eine Menge Druck vorhanden – und wir haben Stand gehalten“, erklärte Hoeneß, der noch einmal an die vergangenen Ligaspiele erinnerte: „Wir hatten das schwierigste Restprogramm.“

Die Partien gegen die hoch eingeschätzten Champions-League-Anwärter aus Hoffenheim (3:3) und Leverkusen (3:1) sowie nun in Frankfurt bestätigten die Stuttgarter in ihrer Vorgehensweise: Schritt für Schritt, Spiel für Spiel. „Wir haben eine sehr konstante Saison gespielt“, sagte Hoeneß. Dank dem Chefcoach mit einem furiosen Finale, wie der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth betonte: „Unserem Trainer und seinem Team ist etwas unglaubliches gelungen. Nicht wenige hatten Misstrauen angesichts unseres Restprogramms. Sebastian Hoeneß hat aber mit seiner Mannschaft nicht nur die nötige Klasse, sondern am Ende auch die entscheidende Dynamik entwickelt, um diesen fantastischen Erfolg zu erreichen. Wir stellen momentan fast jede Statistik in den Schatten.“

Und es ist noch nicht vorbei. Das DFB-Pokalfinale wartet auf den VfB. Nächsten Samstag im Berliner Olympiastadion geht es gegen den FC Bayern München, dem Maß aller Dinge im deutschen Fußball. „Das ist der perfekte Rahmen, um die Spielzeit zu beenden“, sagte Hoeneß, der sich mit seinem Team eine Außenseiterchance gegen den Rekordmeister ausrechnet. Nicht mehr, aber immerhin zeigt der VfB Mut. „Wir müssen uns den Erfolgshunger erhalten“, meinte der VfB-Coach.

Doch zuvor gab Hoeneß ein anderes Motto aus: „Wer bin ich, um die Jungs jetzt am Feiern zu hindern.“ Das Erreichen der Champions League ist trotz der drei erfolgreichen Jahren noch immer etwas Besonderes in Stuttgart. Deshalb hieß es beim 44-Jährigen mit einem Lachen: „Alle Leinen los beim Feiern. Es bleibt dann noch genug Zeit, um sich auf Berlin vorzubereiten.“

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