VfB Stuttgart VfB-Fans in Brüssel gründen Fanclub „EUs“

Von Markus Grabitz 

Zum Auftakt der neuen Saison haben EU-Beamte in Brüssel einen VfB-Fanclub gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählt auch ein prominenter Politiker, den im Südwesten fast jeder kennt.

Der neu VfB-Fanclub in Brüssel. Unsere Bilderstrecke zeigt die schönsten Choreografien der VfB-Fans bei Spielen  der Mannschaft. Foto: privat 40 Bilder
Der neu VfB-Fanclub in Brüssel. Unsere Bilderstrecke zeigt die schönsten Choreografien der VfB-Fans bei Spielen der Mannschaft. Foto: privat

Brüssel - Jetzt erst recht. Das dachte sich eine Handvoll hartgesottener Anhänger des VfB, als die Dunkelroten den Kampf gegen den Abstieg verloren hatten. Pünktlich zum Beginn der Saison in der Zweitklassigkeit, so hatte ihr Plan gelautet, soll ihr Verein ein Zeichen aus Brüssel bekommen. Zu einer Zeit, als das Europaviertel in der belgischen Hauptstadt wegen der Sommerpause in den EU-Institutionen schon recht ausgestorben war und ziemlich genau 48 Stunden vor Anstoß des Saisonauftakts Ende Juli, gründete ein harter Kern den Fan-Club „Dunkelrot Brüssel - VfB-Freunde-Belgien“.

Die 13 Gründungsmitglieder hatten sich für den Akt auf extraterritorialem Boden des Ländles eingefunden: Sie kamen in der Schwarzwaldstube der Landesvertretung zusammen, VfB-Fahnen verdeckten stilgerecht alle Hinweise, die auf den badischen Landesteil hindeuteten. Die schwäbische Verbundenheit ging allerdings nicht so weit, bei den tropischen Temperaturen draußen ein kühl gezapftes Bier aus dem Schwarzwald zu verschmähen.

Günther Oettinger ist Gründungsmitglied

Noch Anfang Juni hatte der offizielle Fanbeauftragte des VfB signalisiert, dass Belgien in Sachen VfB Einöde ist: „In Belgien haben wir keinen Fan-Club und mir sind dort auch keine VfB-Fans bekannt.“ Von wegen. Die Gründungsmannschaft verfügt über Leidenschaft, Ausdauer über alle sportlichen Höhen und Tiefen ihres Vereins hinweg, Internationalität, ja, und auch Prominenz: Ein Mann der ersten Stunde ist Günther Oettinger.

„Bin dabei“, kam es im Oettinger-typischen Idiom wie aus der Pistole geschossen, als EU-Diplomat Oliver Rentschler – „ich war bei den letzten drei Meistertiteln immer im Stadion“ – den Haushaltskommissar um Unterstützung bat. Wegen eines wichtigen Termins in Frankfurt konnte Oettinger dann bei der Gründung doch selbst nicht dabei sein, ist aber offiziell einer der 13 Gründungsmitglieder.

Das Satzungsziel: Wiederaufstieg

Stark vertreten unter den organisierten VfB-Fans der ersten Stunde in Brüssel sind Beamte, die im Auswärtigen Dienst der Kommission arbeiten. Besonders stolz ist die Truppe auf einen Schwaben in ihren Reihen, der im echten Leben Lobbyist für die Metropolregion Frankfurt ist, wo doch der Fanclub der Eintracht, die Euroadler, in Brüssel schon länger eine Institution ist. Von wegen Provinzialität, die Schwaben sind nicht unter sich: Sogar eine Belgierin ist dabei, die zwar nur zwei Sätze Deutsch kann, aber die Leidenschaft ihres Mannes für den richtigen Club teilt.

Heimliches Satzungsziel ist: der sofortige Wiederaufstieg. Debatten gab es über den Namen des Fan-Clubs. „Spätzle–Pommes“ stand ebenso zur Diskussion wie „Stuttgarter Red Devils“ in Anlehnung an Belgiens Nationalmannschaft „Rote Teufel“. Auch „Commando Molenbeek“ wurde kurz diskutiert, aber als zu martialisch verworfen, wobei der berüchtigte Stadtteil mit dem „RWDM“ auch über einen – allerdings inzwischen heruntergekommen – Traditionsverein verfügt.

Wo können Fans in Brüssel die Spiele sehen?

Herausforderung dürfte für die Brüssel-Legionäre des VfB zunächst sein, das sportliche Geschehen ihres Vereins überhaupt angemessen zu verfolgen, sind doch die Spiele in der Zweitklassigkeit, wenn überhaupt, auf Spartenkanälen im TV zu sehen.

Ihre Nähe zur EU-Politik und der Sprache der Eurokraten konnten die VfB-Fans bei ihrem Treffen in der Schwarzwaldstube dann doch nicht verleugnen. Eigentlich wollte der Club sich ein Beispiel an der Kommission nehmen und eine deutsche Frau an die Spitze wählen. Doch die nominierte Kandidatin Christine Grau winkte ab, weil sie schon ehrenamtlich engagiert ist.

Der Vorsitzende

Doch bei „EUs“ geht nichts ohne einen Präsidententitel. Alessandro Manara („schwäbische Mutter, italienischer Vater“), von Beruf Notfallmediziner, wurde nicht zum Vorsitzenden, sondern zum „Präsidenten“ gewählt. Ihm zur Seite stehen eine Erster Vize- und drei gewöhnliche Vize-Präsidenten. Einen Kassenwart gibt es nicht, genauso wenig wie Mitgliedsbeiträge. Für den Job wäre auch nur Oettinger infrage gekommen. Aber der EU-Haushaltskommissar war bekanntlich nicht da.