Die Frauen des VfB dominieren die Regionalliga – Yuka Hirano und Laureta Temaj (v.li.) können auch im Spiel gegen den SC Sand II jubeln. Foto: Baumann
Kurz vor Abschluss der Hinserie erweist sich die Regionalliga für die Frauen des VfB Stuttgart wohl nur als Durchgangsstation in den angepeilten Profibereich. Wie schätzen die Verantwortlichen die Lage ein – und wie denkt die Konkurrenz über den VfB?
Einen niedergeschlagenen Eindruck machten sie nicht, die Spielerinnen des SC Sand II. Eher herrschte beim Team aus der Ortenau eine Mischung aus Erleichterung und Stolz über das Erreichte vor. Mit 3:4 mussten sie sich den Frauen des VfB Stuttgart geschlagen geben. Nur 3:4, nachdem es im Laufe der ersten Halbzeit nach einer Klatsche ausgesehen hatte. 4:1 stand es nach einer halben Stunde für den VfB, und hätten Kapitänin Jana Beuschlein und Co. ihre zuvor gezeigte Ernsthaftigkeit und spielerische Überlegenheit über die vollen 90 Minuten an den Tag gelegt, wäre dem Tabellenführer der Regionalliga Süd eine Zitterpartie bis zum Schluss erspart geblieben. „Wir haben es nicht souverän durchgezogen“, meinte denn auch Beuschlein leicht zerknirscht.
Was nichts daran ändert, dass die VfB-Frauen weiter das Maß aller Dinge in der dritthöchsten Spielklasse darstellen. Einen Spieltag vor Abschluss der Hinrunde führt das Team von Trainer Heiko Gerber die Tabelle souverän an. In zehn Spielen gab es neun Siege und ein Unentschieden. Als Aufsteiger, wohlgemerkt. Auch der Hinrundenabschluss am kommenden Sonntag (14 Uhr) bei Schwaben Augsburg dürfte auf dem Weg zur Herbstmeisterschaft keinen Stolperstein darstellen.
Jana Beuschlein: „Noch ist gar nichts entschieden“
Zu überlegen präsentiert sich die 2021 neu gegründete Abteilung des Clubs aus Cannstatt im Vergleich zur Konkurrenz. Diese setzt sich aus Provinzteams wie Hof, Jahn Calden oder Hegnach sowie aus Nachwuchsteams wie der TSG Hoffenheim oder von Eintracht Frankfurt zusammen. Die spielstarke U 20 der TSG liegt zwar nur drei Punkte zurück, war im direkten Duell mit dem VfB (1:4) aber chancenlos.
VfB-Coach Heiko Gerber Foto: Baumann
Wer kann den VfB bei seinem Durchmarsch noch stoppen? „Noch ist gar nichts entscheiden“, meint Beuschlein. Auch Sascha Glass, der Sportdirektor, stapelt (noch) tief: „Wir wollen die Favoritenrolle nicht abstreifen, aber wir müssen sie Woche für Woche untermauern. Gegen uns sind die Gegnerinnen immer zu 120 Prozent motiviert.“ Der 52-Jährige sagt aber auch: „Unser Ziel war, spätestens 2026 in der zweiten Liga zu sein. Wenn wir es jetzt schon schaffen, haben wir nichts dagegen.“
Andere ebenso wenig. Etwa die Trainerin von Wacker München, einst Spielerin unter dem Trainer Glass in Wolfsburg. Laut dem VfB-Sportdirektor „freut sie sich immer, wenn sie uns sieht. Sie freut sich aber auch, wenn wir aus der Liga raus sind.“ Die Münchnerinnen wollen ebenfalls hoch in die zweite Liga. Gegen den Spitzenreiter können sie in dieser Spielzeit aber nicht viel ausrichten.
Was denkt die Konkurrenz über den VfB?
Was auch mit den finanziellen Dimensionen zu tun hat. Der geschätzte Etat des VfB liegt jenseits der Millionengrenze. Und damit deutlich über dem Personalaufwand der Konkurrenz. Zum Vergleich: Kellerkind 1. FFC Hof muss seine Saison mit rund 130 000 Euro bestreiten. „Den VfB kann niemand mehr aufhalten“, glaubt Siegfried Penka, der Vorstand des 1. FFC Hof.
Schmerzlich erfahren mussten das auch seine Amateurkickerinnen. Am dritten Spieltag setzte es eine 0:10-Abreibung. Penka ist dennoch weit entfernt, Wettbewerbsverzerrung zu wittern oder Chancenungleichheit zu beklagen. „Das ist Teil der Professionalisierung im Frauenfußball“, sagt der seit langem im Geschäft tätige Funktionär. Dass immer mehr Proficlubs wie der VfB oder Borussia Dortmund ihre Frauensparte hochrüsten, fällt sportlich zum Leidwesen kleinerer Vereine aus. Einerseits. Andererseits profitieren auch sie von der erhöhten Aufmerksamkeit – selbst in der Regionalliga. Siegfried Penka freut sich schon jetzt auf den VfB-Auftritt in Hof im März: Dann rechnet er mit mehr als 1000 Zuschauern. Sonst kommen 300 bis 400. „Der VfB“, sagt Penka, „ist eine Bereicherung für die Liga.“
So sieht man es auch in Nordhessen, wo die mit Ex-Bundesliga- und Nationalspielerinnen wie Mandy Islacker oder Leonie Maier gespickte Startruppe aus Stuttgart bei Jahn Calden zu Gast war. Der Kassler Vorortverein zog ins große Aue-Stadion um und freute sich über den Rekordbesuch von 1800 Fans. So profitiert auch der Frauenfußball im Grenzbereich zwischen Amateur- und Profitum von der Anziehungskraft der großen Clubs.
Die mit Geld und Knowhow nach oben drängen. Zur kommenden Spielzeit wird die Bundesliga von zwölf auf 14 Teams aufgestockt. Was die Professionalisierung in der Spitze wie im Unterbau weiter befördert. Schon in der zweiten Liga tummeln sich Clubs wie Borussia Mönchengladbach, Union Berlin oder der Hamburger SV. Und nächstes Jahr womöglich auch der VfB. Es wäre der Sprung von der Provinztour auf die große Bühne.