VfB Stuttgart VfB-Kapitän Kempf: „Wir wollen keine Extrawurst“

Marc Oliver Kempf ist seit dieser Saison der Spielführer des VfB Stuttgart. Foto: Baumann

Innerhalb des VfB-Teams ist die Hoffnung groß, dass in der zweiten Liga zeitnah wieder gespielt wird. Der Spielführer Marc Oliver Kempf sieht den Weg für eine Fortführung der Spiele geebnet.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Es tut sich etwas bei Marc Oliver Kempf. Den Keller seines Hauses hat der VfB-Kapitän entrümpelt – und auch im Obergeschoss ist der 25-Jährige bereits tätig gewesen. Schließlich erwartet der Stuttgarter Innenverteidiger gemeinsam mit seiner Ehefrau Carolina Ende August erstmals Nachwuchs „Wir freuen uns sehr auf das Baby. Alles steht parat – ich habe das Kinderzimmer in Blau gestrichen“, sagt Kempf – und gibt damit einen dezenten Hinweis auf das Geschlecht seines künftigen Stammhalters.

 

Wie alle rund 900 Fußballprofis aus der Ersten und Zweiten Bundesliga hat auch Marc Oliver Kempf durch den Corona-Lockdown zuletzt mehr Zeit für die Heimarbeit gehabt. Drei Wochen lang ging außer Sport im Homeoffice nichts. „Jetzt trainieren wir seit zweieinhalb Wochen in Kleingruppen und haben viel für Fitness, Ausdauer und Technik getan“, sagt der ehemalige U-21-Nationalspieler: „Aber natürlich fehlt ohne Zweikämpfe auch etwas. Wir tun aber alles, um auf einem Topniveau zu sein, falls es losgehen sollte.“

Kempf ist zufrieden mit der Disziplin

In Fünfergruppen eingeteilt, betreten die VfB-Profis aktuell in 15-Minuten-Intervallen den Rasen – und absolvieren hier nach dem Krafttraining einen Parcours bestehend aus Läufen, Spielen auf kleine Tore garniert mit Schusstraining, wobei Trainer Pellegrino Matarazzo schon mal den Ball auflegt. „Es läuft alles sehr geregelt ab. Jeder passt auf, dass es keinen engen Kontakt gibt“, sagt der VfB-Spielführer zur Disziplin innerhalb der Mannschaft, die nie als Ganzes zusammenkommt, ehe jeder Profi zu Hause duscht: „Daher habe ich keine Sorge, dass sich mehrere Spieler infizieren würden, falls es mal einen Einzelnen erwischen sollte.“

Schließlich würde ein Corona-Ausbruch innerhalb des 27-köpfigen Zweitligakaders das große Ganze gefährden. Immerhin hofft die gesamte Bundesliga-Branche auf ein positives Signal am 30. April, dem nächsten Donnerstag, wenn die Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut mit den 16 Regierungschefs der Länder über weitere Lockerungen beraten wird. Erhält der Fußball dann grünes Licht?

„Beim Bundesliga-Betrieb geht es nicht nur um die Spieler allein, es hängen Tausende weitere Arbeitsplätze dran“, sagt Marc Oliver Kempf vor dem Hintergrund, dass es vielen Kritikern – darunter befinden sich Profis anderer Sportarten genauso wie einige Politiker, Fans oder diverse Virologen – mit der Fortführung des Spitzenfußballs viel zu schnell geht. „Ohne Einnahmen gehen die Clubs auf lange Sicht bankrott“, ergänzt Kempf – ist sich aber auch im Klaren darüber, dass der mögliche Bundesliga-Neustart aktuell auf tönernen Füßen steht. „Wir Spieler sind nicht so eingestellt, dass wir sagen, wir brauchen jetzt eine Extrawurst. Ob wir wieder spielen dürfen, das entscheidet allein die Regierung“, sagt der 25-Jährige: „Wenn alle vorgesehenen Maßnahmen eingehalten werden, spricht für mich allerdings auch nichts dagegen, dass es weitergeht.“

Einige Ultras wollen keine Geisterspiele

Klar ist längst, dass es, wenn überhaupt, dann lediglich vor leeren Stadiontribünen weitergeht. Die Fans müssten draußen bleiben, warum das Neustart-Szenario auch zahlreichen Ultra-Gruppierungen der Stuttgarter gegen den Strich geht. Ihre Haltung ist eindeutig: Eine Wiederaufnahme der Zweitligasaison, wo für den VfB noch neun Partien zu absolvieren sind, darf es ohne die Treuesten der Treuen einfach nicht geben.

Für Marc Oliver Kempf überwiegt aber auch hier der finanzielle Aspekt. Schließlich stehen einige Vereine – allen voran der Karlsruher SC – schon jetzt ganz dicht vor der Planinsolvenz. Die Spieler haben bereits einen Beitrag geleistet. „Jeder Club hat starke finanzielle Einbußen. Daher ist es für mich als Spieler selbstverständlich, dass ich auf einen Teil meines Gehalts verzichte. Wir Profis haben da auch eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern des Vereins“, sagt der gebürtige Hesse. Einigen Kritikern, wie etwa dem einstigen VfB-Präsidentschaftskandidaten Christian Riethmüller, geht der Beitrag des kickenden Personals aber nicht weit genug. „Das wirkt sich in etwa so aus, wie wenn ein Arbeitnehmer mit brutto 2500 Euro im Monat auf 25 Euro verzichtet. Kleine Einschränkung eben“, findet der Tübinger Großbuchhändler Riethmüller angesichts von rund 20 Prozent Einbußen für die Stuttgarter Spieler.

Der Aufstieg ist weiter das große Ziel

Die VfB-Bosse um Vorstandschef Thomas Hitzlsperger hingegen loben das finanzielle Engagement ihrer Profis. Kapitän Kempf blickt nach vorne: „Viele Fans würden sich freuen, wieder dieses Kribbeln zu spüren, wenn der eigene Verein um Punkte kämpft“, sagt der Defensivspieler, für den Geisterspiele ein notwendiges Übel wären. „Es wird ein Stück weit ein anderer Fußball sein – denn viele Spiele sind auch durch die Emotionen der Fans im Stadion geprägt.“ Momentan liege der Fokus im Team vor allem auf der Hoffnung, dass es bald wieder losgeht. „Aber natürlich“, sagt Kempf, „bleibt der Aufstieg unser großes Ziel.“

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