VfB Stuttgart Viva España: Warum der VfB einem spanisch vorkommt

Von Dirk Preiß 

Viva España: Das spanische Element beim VfB Stuttgart ist groß wie nie. Viele Spieler sprechen die Sprache, der VfB testet am Samstag zum dritten Mal gegen einen spanischen Club - und VfB-Trainer Tayfun Korkut hat eine ganz besondere Beziehung zu dem Land.

Tayfun Korkut liebt nicht nur das land Spanien. . . Foto: Baumann
Tayfun Korkut liebt nicht nur das land Spanien. . . Foto: Baumann

Stuttgart - Eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel bestreitet der VfB Stuttgart an diesem Samstag (17 Uhr) noch ein letztes Testspiel – das ist nichts Besonderes. Der Bundesligist tritt in Weinstadt an – auch das kennt man, hier war der VfB schon häufiger zu Gast. Die Stuttgarter treffen auf Real Sociedad San Sebastian – und jetzt wird es doch noch besonders.

Warum? Zum Beispiel deshalb:

Gonzalo Castro Randon, Emiliano Adrian Insua Zapata, Mario Gomez Garcia, Pablo Carmine Maffeo Becerra, Santiago Lionel Ascacibar, Nicolas Ivan Gonzalez – so liest sich nicht der Spielberichtsbogen des VfB-Gegners, sondern jener der Stuttgarter. Was zeigt: für den dritten Spanisch-Test dieser Vorbereitung ist der VfB zumindest sprachlich gerüstet – zumal auch der Trainer das spanische Element stärkt.

Nun passt der Name Tayfun Korkut nicht wirklich in die genannte Reihe, doch diese Partie gegen Real Sociedad ist gerade für den Stuttgarter Coach eine außergewöhnliche. Denn Korkut kennt die Stadt im Norden Spaniens nur allzu gut. Von 2000 bis 2003 hat er für Real Sociedad gekickt, hier hat er seine Frau Elena kennengelernt, im Jahr 2007 kehrte er als Jugendtrainer zurück, bevor es den gebürtigen Stuttgarter mit den türkischen Wurzeln wieder nach Deutschland zog. „Natürlich ist es ein besonderes Spiel für mich, weil ich als Spieler und als Trainer für Real Sociedad tätig war“, sagt Korkut.

Wie spanisch ist der VfB-Fußball?

Seit Ende Januar dieses Jahres ist er nun Cheftrainer beim VfB und kann von sich nicht nur behaupten: „Mir hilft es, dass ich in verschiedenen Ländern gelebt und verschiedene Kulturen gesehen habe.“ Mit Blick auf den aktuellen VfB-Kader profitiert er gerade von den spanischen Einflüssen im Besonderen.

Gonzalez, Insua, Maffeo, Ascacibar – mit diesem Quartett kann Korkut, der neben Spanisch und Deutsch auch noch Englisch und Türkisch spricht, in dessen Muttersprache parlieren. Das fördert das Verständnis, das hilft bei der Eingewöhnung. „Bei der Entscheidung für meinen Wechsel zum VfB hat es eine Rolle gespielt, dass schon zwei Argentinier hier sind“, sagt etwa Nicolas Gonzalez, „darüber hinaus haben wir in Pablo Maffeo, Gonzalo Castro und Mario Gomez weitere Spieler, die Spanisch sprechen. Genauso wie der Cheftrainer.“ Castro ist in Wuppertal geboren, seine Eltern stammen jedoch aus Malaga (Vater) und Girona (Mutter). Gomez erblickte das Licht der Welt in Riedlingen – als Sohn eines aus Albunan stammenden Vaters. Bleibt noch die Frage: Wie spanisch ist der VfB-Fußball?

Nun hat der Stil, mit dem Korkut den VfB in der Rückrunde aus der Abstiegszone auf Rang sieben geführt hat, nicht gerade viele Parallelen mit dem, was man vom FC Barcelona oder dem spanischen Nationalteam kennt. Und doch trägt der Coach auch einen Teil der spanischen Fußballschule in sich. „Ich habe den spanischen Fußball während meiner Zeit als Spieler kennengelernt, auch meine erste Station als Jugendtrainer war in Spanien“, sagt Korkut und ergänzt: „Spanische Mannschaften verfügen grundsätzlich über viel spielerische Qualität und ein hohes Maß an taktischer Disziplin.“

Spanische Trainer prägen Korkut

Unter Javier Clemente spielte Korkut bei Espanyol Barcelona, unter Vicente del Bosque bei Besiktas Istanbul. Mit Joachim Löw, der sich ebenfalls stark mit dem spanischen Stil auseinandergesetzt hat, spricht er ebenfalls viel über Fußball. Und eine prägende Spielerpersönlichkeit der vergangenen Jahre kennt der 44-Jährige noch als Nebenmann auf dem Spielfeld in San Sebastian: Xabi Alonso.

Bei so viel iberischem Einfluss scheint es nur logisch, dass der VfB in dieser Vorbereitung nun schon das dritte Spiel gegen einen spanischen Gegner bestreitet. Nach SD Eibar und Atlético Madrid nun also Real Sociedad. Diese Häufung ist aber eher Zufall, bei der Auswahl der Gegner geht es um Spielstil, Spielstärke und Leistungsstand. SD Eibar zum Beispiel spiele für eine spanische Mannschaft sogar eher untypisch, weiß Korkut. Warum er das weiß? „Ich kenne den Trainer sehr gut.“ Und Eibar (auch dort spielte Xabi Alonso und ist heute Aktionär des Clubs) liege ja auch nicht weit entfernt von San Sebastian.

Für den VfB liegen zwischen Eibar und San Sebastian zwei Wochen. Nun naht das Ende der spanischen Fest- und Testwochen. Das spanische Element jedoch bleibt erhalten. Dank Gonzalo Castro Randon, Emiliano Adrian Insua Zapata, Mario Gomez Garcia, Pablo Carmine Maffeo Becerra, Santiago Lionel Ascacibar, Nicolas Ivan Gonzalez – und Tayfun Korkut.