VfB Stuttgart vs Borussia Dortmund Wie der BVB den harmlosen VfB bestraft
Der VfB Stuttgart hat zum Spitzenspiel des 28. Spieltags den BVB empfangen.
Der VfB Stuttgart hat zum Spitzenspiel des 28. Spieltags den BVB empfangen.
Der VfB Stuttgart hat die Dortmunder Borussen zum Spitzenspiel empfangen. Und eine intensiv geführte, bis zum Schluss offene Partie mit 0:2 verloren (Adeyemi 90.+3; Brandt 90.+6). Am Ende kam es noch zu einigen äußerst unschönen Szenen vor der Cannstatter Kurve. Doch erst einmal zurück auf Start.
Was war im Vorfeld der Partie nicht alles geschrieben und progostiziert worden. Zweiter gegen Dritter in der Tabelle, das absolute Spitzenspiel des Spieltags. Ein traditionsreiches Bundesliga-Duell zur Prime-Time, ein Flutlichtkracher vor vollem Haus. Dazu mit zwei Szenen auf den Rängen, die sich in tiefer Abneigung verbunden sind. Stimmung garantiert. Dementsprechend knisterte es vor der Begegnung. Doch wie oft bei derlei Vorzeichen - sie hielt nicht vollumfänglich, was sie versprach. Highlights und mitreißende Torraumszenen blieben Mangelware.
Zumindest in Sachen Intensität konnte man allerdings von einem Spitzenspiel sprechen. Der VfB kam gut in die Partie, legte einen dominanten Auftritt hin. Stuttgarts Ansatz, mit weit aufrückenden Verteidigern bis in die letzte Linie vorzustoßen, schmeckte den Borussen überhaupt nicht. Entsprechend eindeutig war das Bild auf dem Platz. Beispiele gefällig? 72 Prozent Ballbesitz, 0,4 xG, 8:1 Torschüsse und 286 zu 86 Pässe bei einer Passquote von 86 Prozent. Zahlen, die eindeutig belegen, wer die Spielkontrolle im ersten Durchgang hatte.
Aber eben auch, dass daraus kaum etwas von Substanz vor dem Dortmunder Tor entwickelt wurde. Die Borussen hielten sich wacker und der Umstand, dass sie nach gewonnener Platzwahl die Seiten tauschen ließen, erzielte Wirkung. Denn der Funke zwischen Mannschaft und Fans sprang auf Stuttgarter Seite zuerst nicht in gewohnter Manier über. Und die Sache mit der Platzwahl sollte im Verlauf des Abends noch eine Rolle spielen.
Nach Wiederbeginn änderte sich die Gewichtung ein wenig, denn der BVB entschloss sich, nun auch am Geschehen teilhaben zu wollen. Stuttgart blieb jedoch am Drücker. Lorenz Assignon prüfte Gregor Kobel – es sollte bis zum Schlusspfiff der letzte Schuss der Stuttgarter direkt auf das Gehäuse der Gäste bleiben. Mit zunehmendem Spielverlauf entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor. Vom jetzt völlig entfesselten Stuttagrter Publikum nach vorn gepeitscht schnürte der VfB den BVB geradezu ein. Doch es kam wie es kommen musste. Die Dortmunder Joker Karim Adeyemi und Julian Brandt entschieden die Partie spät zugunsten der Gäste.
„Das ist ein ganz bitterer Abend. Wir wollten nach der Pause schnell wieder einfädeln, schnell wieder zu unserem Rhythmus finden und den guten Weg der vergangenen Wochen weitergehen“, bilanzierte ein enttäuschter VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. „Wie brutal Fußball sein kann, haben wir heute erlebt. Trotz 90 Minuten Feldüberlegenheit haben wir heute verloren und ein Lehrstück an Effizienz sehen müssen. Leider auf der anderen Seite des Spielfelds.“ Stuttgarts Angreifer Deniz Undav haderte: „Ich glaube, sie haben selbst nicht mehr daran geglaubt. Das zeichnet Dortmund aus, dass sie da sind in dieser Saison“, sagte er, um zugleich mit sich selbst ins Gericht zu gehen: „Ich kann kein Tor schießen, wenn ich keine Chance habe.“
In der Emotion der späten Tore brannten dann einige Sicherungen durch. Zuerst auf Dortmunder Seite, denn die Spieler hatten keine bessere Idee, als die Treffer ausgiebig direkt vor der Cannstatter Kurve zu feiern. Durch die gewonnene Platzwahl und den bewussten Tausch der Spielhälften muss ihnen klar gewesen sein, was das auslösen würde. Zuerst einmal gab es Zurechtweisungen vonseiten der Stuttgarter Spieler, die in einer Rudelbildung mündeten.
Zeitgleich sprangen Dutzende Personen über die Absperrungen vor der Cannstatter Kurve und versuchten, auf das Spielfeld zu gelangen. Wüste Beschimpfungen und mehrere Klappstühle flogen in Richtung der Dortmunder Akteure. Unschöne Szenen. „Der aus Sicht unserer Fans zu lange Jubel vor der Kurve war der Auslöser. Diese Bilder haben mir nicht gefallen. Eigentlich sollte die Stimmung, die heute wieder einmal hervorragend war, in Erinnerung bleiben. Nicht diese Szenen“, gab Sebastian Hoeneß nach der Partie zu Protokoll. „Die Stuttgarter haben gegen uns die letzten Jahre genug Sticheleien gehabt. Heute haben wir gewonnen und ich finde, so ein bisschen Emotionen sind okay und gehören zum Sport dazu“, sagte ein schelmisch grinsender BVB-Keeper Gregor Kobel hinterher.
Auch zwischen Hoeneß und seinem Gegenüber Nico Kovac ging es hitzig zu. Es flogen sprichwörtlich die Fetzen. „Unser Wortgefecht geht niemanden etwas an. Es ist doch klar, dass in diesem Duell die Emotionen hochkochen. Das Duell mit Dortmund ist in den letzten Jahren zu einem echten Spitzenspiel geworden“, wollte Hoeneß hinterher keine Details der Konversation preisgeben. Auch Kovac hielt sich bedeckt.
So ging ein intensiver Abend mit dramatischem Ende recht wortkarg zu Ende. Was blieb, waren schwer enttäuschte Stuttgarter und eine gerissene Serie. Noch nie unter Hoeneß hatte der VfB gegen den BVB verloren, die letzten Spiele allesamt gewonnen, das letzte Heimspiel 2024 gar mit einem kapitalen 5:1-Sieg. Doch mit einstigen Erfolgen verhält es sich wie mit eindeutigen Statistiken: Am Ende gibt es dafür keine Punkte.