VfB Stuttgart Warum die MHP-Arena keine Festung mehr ist

Enttäuschung pur: Deniz Undav (links) und Chris Führich nach dem 0:1 gegen den 1. FC Heidenheim. Foto: Pressefoto Baumann

Sechs verlorene Bundesliga-Heimspiele in Folge werfen Fragen auf. Wo die Ursachen liegen und weshalb pauschale Begründungen schnell an Grenzen stoßen.

Sport: David Scheu (dsc)

Mehr als drei Monate ist es mittlerweile her, dass der VfB Stuttgart in der Bundesliga ein Heimspiel gewonnen hat. Nach dem ungefährdeten 4:0 im Januar gegen den SC Freiburg sprang das Team von Sebastian Hoeneß auf Rang vier, die erneute Qualifikation für die Champions League schien realistisch. Mittlerweile ist sie nicht einmal mehr rechnerisch möglich – was maßgeblich daran liegt, dass vor heimischem Publikum kein einziger Punkt mehr dazugekommen ist. Sechs Niederlagen in Serie bilden einen vereinshistorischen Negativwert und haben den VfB weit abrutschen lassen. Bis auf Platz elf.

 

Das wirft natürlich Fragen auf. Vor allem, weil die MHP-Arena in der Vorsaison ja eine nahezu uneinnehmbare Festung gewesen war und der VfB lediglich ein Heimspiel verloren hatte. Auf unglückliche Weise gegen die TSG Hoffenheim (2:3). Inzwischen sind Heimniederlagen an der Tagesordnung – und niemand beim VfB will sich daran gewöhnen. „Wir sind überhaupt nicht glücklich mit dieser Heimserie“, sagt Hoeneß, „wenn ich mir alle sechs Heimspiele anschaue, ist es ganz schwer zu erklären.“

Die Niederlagen haben jeweils ihre eigenen Geschichten

Zunächst: Themen rund um die Kulisse kann man bei der Ursachensuche getrost beiseite schieben. Das Stadion ist seit Wochen ausverkauft, die Unterstützung von den Rängen trotz der ausbleibenden Ergebnisse konstant lautstark. Die VfB-Profis gehen also mitnichten mit einem unguten Gefühl in ihr Wohnzimmer. „Wir fühlen uns gut zuhause“, betont auch Hoeneß. Dazu passt, dass der VfB ja genau genommen nicht sechsmal in Folge zuhause verloren hat – es gab in besagter Phase auch die beiden DFB-Pokal-Siege vor heimischem Publikum gegen den FC Augsburg (1:0) und RB Leipzig (3:1). Ein anderer Wettbewerb, klar. Aber: das gleiche Stadion, die gleiche Mannschaft, die gleichen Fans, die gleichen Gegner wie in der Bundesliga.

Ermedin Demirovic hadert. Der VfB-Stürmer ließ gegen Heidenheim gute Gelegenheiten aus. Foto: Pressefoto Baumann

Deshalb lohnt ein Blick auf die einzelnen Partien in der Bundesliga. Hier fällt auf: Den einen Grund gibt es nicht, die Niederlagen haben ihre eigenen Geschichten. Gegen Borussia Mönchengladbach (1:2) und den VfL Wolfsburg (1:2) zeigte der VfB die wohl schwächsten Heim-Auftritte in diesem Kalenderjahr, erspielte sich wenige Chancen, befand sich generell in einer Phase ohne die große Energie infolge des Ausscheidens in der Champions League.

Es folgten die Partien gegen den FC Bayern (1:3) und Bayer Leverkusen (3:4), in denen die Stuttgarter über weite Strecken auf Augenhöhe agierten – sich insbesondere gegen die Bayern in der Defensive aber haarsträubende individuelle Patzer leisteten. Gegen Werder Bremen (1:2) und vor allem den 1. FC Heidenheim (0:1) war das Manko wiederum ein anderes: die fahrlässige Chancenverwertung. Das belegt auch der Blick auf die Anzahl der zu erwartenden Tore aufgrund der Chancenqualität: In den vergangenen drei Heimspielen hatte der VfB bei diesen Expected Goals jeweils einen höheren Wert als der Gegner. Das Auslassen der Möglichkeiten rächte sich jeweils spät, mit Gegentoren in der Schlussphase.

So stehen sechs Niederlagen in sechs offenen Spielen zu Buche, in denen der VfB aus unterschiedlichen Gründen keinen rundum konstanten Auftritt hinlegte – und das jeweilige Manko stets bestraft wurde. Bei der kommenden Aufgabe können die Stuttgarter diese Heimmisere erst einmal ausblenden, wenn am Samstag (15.30 Uhr) beim FC St. Pauli eine der weitesten Auswärtsfahrten der Saison ansteht. Nach Hamburg, fern der Heimat.

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